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3. Sonntag im Jahreskreis (C) – 24. Januar 2010
Aufruf zu Solidarität mit den Katastrophenopfern in Haiti

FÜRBITTEN

Priester: Um den Armen eine gute Nachricht zu bringen, den Blinden das Augenlicht zu geben, Gefangenen die Entlassung zu verkünden und die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen, ist Jesus Christus in die Welt gekommen. So beten wir zu ihm:Lektor/in:- Für die Menschen in Haiti, die von einem Tag auf den anderen alles verloren haben: ihre Angehörigen, ihre Gesundheit, ihr Hab und Gut.

– Stille – Jesus, du Heiland und Retter. – Wir bitten dich, erhöre uns.

- Für die Menschen, die kein Licht mehr sehen in ihrem Leben, für die Traumatisierten, die unter Schock stehen, und für die Helfer, denen unerträgliches Elend entgegenschlägt.

- Für die Kirche, für alle, denen die Verkündigung der frohen Botschaft aufgetragen ist und die angesichts der Not ihrer Schwestern und Brüder verstummen.

- Für die Frauen und Männer, die als Politiker oder in Hilfsorganisationen darüber zu entscheiden haben, wie Notleidenden geholfen werden soll und kann.

- Für all die Menschen, die bei uns an den Rand der Gesellschaft geraten sind: für alle, die nach Zuwendung hungern; für jene, die der Vergebung bedürfen; für jene, die sich abgeschrieben fühlen.

- Für die verstorbenen Opfer der Katastrophe in Haiti, für alle, die der Barmherzigkeit Gottes bedürfen.

Priester:
Gott, Vater unseres Herrn Jesus Christus. In deinem Sohn hast du dich uns zugewandt. Darum vertrauen wir auf dich, und wir danken dir und preisen dich in dieser Zeit und in Ewigkeit. – Amen.

Weitere spirituelle Impulse

Seit der Erdbebenkatastrophe ist bei Adveniat eine Unzahl von Nachrichten und E-Mails von Projektpartnern aus Haiti eingetroffen. Manche sind sehr kurz: „Ich lebe - betet für Haiti!“, viele jedoch mit entsetzlichen Nachrichten.

Eingedenk der Lebenden und Toten bitten wir mit den hier ungenannten Stimmen der Überlebenden:

Lektor 1
Ich habe ein Dutzend Menschen, die Haus und Familie verloren haben, zu mir nach Baptiste genommen.
So kann ich ihnen ein wenig helfen.
Sie werden einige Wochen bei mir bleiben und dann sehen wir weiter.
Gestern haben sich Leute aus allen Vierteln meiner Pfarrei getroffen und einen Lkw gemietet,
um weitere Bewohner von Port-au-Prince herauszuholen, die nichts zu essen und zu trinken haben.
Danke für Ihre Sorge um uns, danke, dass Sie an uns denken.

Lektor 2
Vereint im Gebet bitten wir Gott, unsern Vater, um Mut und Gottvertrauen:

Alle
Herr, erbarme dich.

Lektor 1
Ich lebe. Am Abend des Dramas war ich auf der Straße, unterwegs mit einer Ordensfrau, die auch Krankenschwester ist.
Wir haben getan, was wir konnten.
Im Dunkeln haben wir mit Hilfe von Taschenlampen erste Hilfe geleistet.
Die Straßen sind voll von Toten.
Als wir durch die Hauptstadt liefen, sahen wir Schreckliches:
eingestürzte Krankenhäuser, Menschen, die mit Kranken in alle Richtungen liefen.
Ich brach in Tränen aus, weil mich der Schmerz zerriss.
Welch ein Glück, dass ich eine Reserve-Schachtel mit Medikamenten habe.

Heute Nachmittag werde ich den Menschen in den umliegenden Straßen frisches Wasser bringen. Da, wo ich bin, gibt es noch Wasser. Betet für und mit uns.

Lektor 2
Gott, unser Vater:

Alle
Herr, erbarme dich.

Lektor 1
Das Erdbeben kam unvermittelt.
Das Studienhaus der Redemptoristen ist wie ein Kartenhaus zusammengestürzt.
Zum Glück waren die Studenten gerade auf der Terrasse und konnten sich retten.
Ich selbst rettete mich mit einem Sprung unter einen Balken und schlug dann ein Loch in die Tür, um herauszukommen.
Die Schule unserer Pfarrei ist eingestürzt und hat 300 Schüler und Lehrer unter sich begraben. Alle sind tot!

Lektor 2
Die Hälfte der Bevölkerung Haitis kann nicht lesen und schreiben.
Wer nicht lesen und schreiben kann, um dessen Zukunftschancen steht es schlecht.
Hilf der Kirche in Haiti, dass sie Jugendlichen auch in Zukunft in den Pfarrschulen eine Chance gibt.
Gott, unser Vater:

Alle
Herr, erbarme dich.

Lektor 1
Was uns passiert, ist schlimm, aber wir haben in diesen schwierigen Momenten von allen Seiten Solidarität erfahren.
Die Bevölkerung ist angespannt, denn es gibt immer noch Gerüchte, die sagen, dass die Erdstöße jeden Moment wiederkehren können.
Die Menschen schlafen unter freiem Himmel. …
Das Land, welches schon auf dem Totenbett lag, scheint nun seinen letzten Atemzug zu tun.

Lektor 2

Der Reichtum in den lateinamerikanischen Ländern ist ungleich und ungerecht verteilt.
Bekehre die Herzen der Menschen, dass sie den Reichtum ihres Landes miteinander teilen lernen.
Gott, unser Vater:       

Alle
Herr, erbarme dich.

Lektor 1
Ihre Ermutigungen sind wie ein Tropfen mitten im Ozean der Verzweiflung.
Sie beweisen, dass wir nicht allein sind und dass Menschen an uns denken und uns zum Leben ermutigen.
In Port-au-Prince gibt es keine Familie, die nicht 1, 2 oder sogar 10 Tote zu beklagen hat.
Die aus den Trümmern gezogenen Leichen werden an den Straßenrand gelegt.
Tausende sind noch nicht geborgen.
Es wird noch Wochen und Monate dauern.
Das Volk ist voller Schmerz.

Lektor 2
Die brennende Osterkerze hier sei ein Licht der Hoffnung im Dunkel der Nacht und im Dunkel der Hoffnungslosigkeit.
Gott, unser Vater:

Alle
Herr, erbarme dich.

Lektor 1

Die Haitianer leben schon lange mit dem Mangel:
40 % haben keine Trinkwasserversorgung.
Landesweit haben nur 5 % der Bevölkerung einen Arzt in erreichbarer Nähe.
In den meisten Familien tragen Frauen die Verantwortung für das Überleben.

Lektor  2

Bekehre die Herzen der Menschen, dass sie den Reichtum ihres Landes miteinander teilen lernen.
Gott, unser Vater:       

Alle
Herr, erbarme dich.

Lektor  1
Haiti war einst dicht bewaldet und galt als Perle der Karibik.
Die durch die Abholzung ungeschützten Böden sind verkarstet und ausgelaugt.
Das hat Folgen für die Ernährung,
aber auch für das Klima.

Lektor 2

Lass uns hier und weltweit auf das Gleichgewicht zwischen Gewinn und Umweltschutz achten, dass wir die Bodenschätze der Dritten und Vierten Welt nicht schamlos ausbeuten, damit alle Menschen eine Zukunft haben.
Gott, unser Vater:       

Alle

Herr, erbarme dich.

Lektor 1

Die Kirchen in Lateinamerika haben Hilfsprogramme und Sonderaktionen für die haitianische Bevölkerung angekündigt:
So beteiligen sich in Kolumbien mehr als 5.000 Pfarreien an Hilfsaktionen.
In Ecuador werden wie in fast allen Kirchen des Kontinents Spendensammlungen für die Erdbebenopfer organisiert.
Einige Bischofskonferenzen haben Sonderkonten für eingehende Spenden der Gläubigen eingerichtet.
Viele Adveniat-Projektpartner – neben den Bischöfen und Priestern auch Ordensleute und Laien - in ganz Lateinamerika
haben ihre Solidarität mit den Haitianern ausgedrückt und zu Spenden und Solidaritätsgottesdiensten aufgerufen.
Das Erzbistum Miami kündigte nach einem Bericht der BBC an, rund 14.000 Waisenkinder aus Haiti in die USA holen zu wollen:
Man werde die US-Regierung bitten, die Kinder mit einem speziellen humanitären Visum einreisen zu lassen.

Lektor 2
Die aktuelle Hilfe und Hilfsbereitschaft beweist, dass wir nicht allein sind und dass Menschen mit großen Herzen an uns denken
und uns zum Leben ermutigen.
Die Solidarität der Nachbarländer und der Menschen dort ist eine Botschaft der Ermutigung, ist wie ein Tropfen Wasser inmitten eines Ozeans der Verzweiflung.

Helft uns auch in den nächsten Jahren, dass wir - aus dem Schock erwacht - unser Leben wieder selbst in die Hand nehmen können und einen Neuanfang wagen.
Gott, unser Vater:

Alle
Herr, erbarme dich.

Lektor 1
Wir gedenken aller Opfer in Haiti, der Toten und ihrer Angehörigen, der Lebenden, der Verletzten, der Obdachlosen, der Verzweifelten und ihrer Freunde in Ungewissheit und Angst.


Lektor 2
Herr, gib den Lebenden deine Gnade, die Toten entreiße der Macht des Todes.
Schenke ihnen ewiges Leben bei dir.
Gott, unser Vater:

Alle

Herr, erbarme dich.

Priester
Als Zeichen unserer Hingabe bringen wir nun Brot und Wein zum Altar.
Lass auch uns, Herr, dich einst schauen von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt mach uns sehend für die Not unserer Brüder und Schwestern.
Lass uns dem Wort Jesu folgen und seine „gute Nachricht“ weitersagen und leben.
Amen.