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Nachricht vom 22. Januar 2010

Mexiko: Der erste Bischof von Michoacán war Freund und Fürsprecher der indigenen Völker Neu-Spaniens

Vor 445 Jahren, am 22. Januar 1565, verstarb Don Vasco de Quiroga

Heute vor 445 Jahren, am 22. Januar 1565, verstarb Don Vasco de Quiroga, erster Bischof von Michoacán (im heutigen Mexiko) und Freund, Fürsprecher und Verteidiger der indigenen Völker Neu-Spaniens.

Der studierte Jurist und spätberufene Priester Vasco de Quiroga hatte sich als Richter im spanischen Valladolid einen Namen gemacht, als er 1530, im Alter von 60 Jahren, zum Mitglied der Kolonialverwaltung von Neu-Spanien ernannt und nach Mexiko-Stadt entsandt wurde. Dort hatte ein Jahrzehnt europäischer Herrschaft, Plünderung und Zerstörung traditioneller sozialer Strukturen bereits seine Spuren hinterlassen.

Quiroga war schockiert von der Armut und dem Leid der indigenen Bevölkerung, die von den Encomenderos (Landverwaltern) quasi als Arbeitssklaven missbraucht wurden. Kurzerhand erwarb er aus seinem eigenen Vermögen ein Stück Land am Rande von Mexiko-Stadt und baute dort ein pueblo-hospital auf. Dabei handelte es sich um ein Dorf mit einer Kirche als Zentrum, in dem die Indigenen gemeinschaftlich Nahrungsmittel anbauen, kochen, essen, Kranke pflegen, sich um Witwen, Waisen und alte Menschen kümmern und Reisende beherbergen sollten. Mit der Hilfe einiger Augustinermönche sollten sie zudem ohne die Gewalt des Schwertes im Christentum unterwiesen werden, ein Handwerk erlernen und befähigt werden, ihr Dorf auf Dauer selbstständig zu verwalten, um so aus der Abhängigkeit von den Encomenderos freizukommen. Ein zweites pueblo-hospital folgte bald.
1537 wurde Vasco de Quiroga zum ersten Bischof von Michoacán geweiht. In der schwer verwüsteten Region gründete er zahlreiche weitere pueblos-hospitales. Sein Einsatz für die einheimische Bevölkerung brachte ihm die Gegnerschaft der Encomenderos ein. Bei den Indigenen hingegen war er äußerst beliebt und wurde liebevoll „Tata Vasco“ (Vater Vasco) gerufen.
Als der König von Spanien ein erlassenes Verbot, die Bevölkerung eroberter Gebiete zu versklaven, wieder aufhob, verfasste Don Vasco als Protestschrift sein berühmtes Werk „Información en derecho“ (Rechtslehre), in dem er leidenschaftlich die Rechte der Indigenen verteidigte und den Encomenderos vorwarf, sie würden die Einheimischen nicht wie Menschen, sondern wie Tiere behandeln.  
Mit seinen pueblos-hospitales war Don Vasco de Quiroga ein Vorreiter seiner Zeit. Auch heute noch ist das Lebenszeugnis dieses Mannes ein leuchtendes Vorbild christlich motivierten Engagements für die indigenen Völker Lateinamerikas, die 445 Jahre nach seinem Tod noch immer in Armut und Abhängigkeitsverhältnissen von Großgrundbesitzern leben, obwohl die Sklaverei offiziell der Vergangenheit angehört.

(Autor: Sebastian Salaske)

   
Bildquelle: www.fuenterrebollo.com/Conquistadores/Imagenes/4-5-vasco-quiroga.jpg

Literaturempfehlungen zu Vasco de Quiroga:

Juan Manuel Hurtado: Don Vasco de Quiroga. Una visión histórica, teológica y pastoral, México, D.F. 1999.

Francisco Martín Hernández: Don Vasco de Quiroga. Protector de los Indios, Salamanca 1993.

Edgard Fabián Cattana: Los Pueblos Hospitales de Vasco de Quiroga. Una propuesta de solución a la pobreza en el siglo XVI, in: Michelini, Zavala, Loyo, Gastaldi, Wester (Hrsg.): Riqueza - Pobreza. Una perspectiva latinoamericana, Ediciones del ICALA, 2003, S. 127-136.

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