Prophet, Hirte und Wanderer

Luiz Flavio Cappio

Luiz Flavio Cappio

Wie kaum ein anderer steht Bischof Luiz Flavio Cappio in Brasilien für das soziale Engagement und den politischen Einsatz der Kirche an der Basis. Seit Jahren ist er die Symbolfigur für den Widerstand gegen das von der Regierung am São-Francisco-Fluss durchgeführte Megaprojekt der Umleitung riesiger Wassermengen in den trockenen Nordosten. Zwei Hungerstreiks haben ihn dabei über Brasiliens Grenzen hinaus bekannt gemacht. Anstelle teurer Milliardenprojekte kämpft er für die Agrarreform im trockenen Sertão, um den Kleinbauern ein würdiges Leben zu ermöglichen.

Der Franziskanermönch hat seinen Platz an der Seite der Armen gesucht, und ganz im Sinne eines Franz von Assisi hat er auch seine Arbeit als Bischof angenommen. Seit 1997 steht er der Diözese Barra im Westen des Bundesstaates Bahia vor. Sie wird vom São-Francisco-Fluss, dem Strom des heiligen Franz, durchzogen. Die Diözese erstreckt sich über ein Gebiet von der Größe der Schweiz, in dem 250.000 Menschen meist in kleinen verstreuten Dörfern leben. Sechzehn Pfarrer sind in den elf Pfarreien der Diözese tätig - bei weitem nicht genug, um die Gemeinden in den etwa 800 Dörfer zu betreuen.

Hierfür hat Cappio ein Netzwerk von über tausend Laienmitarbeitern aufgebaut, Katechisten, die die tägliche Evangelisierungsarbeit mittragen. Bis zu seiner Bischofsernennung wanderte Cappio durch die Weiten Brasiliens, um den Menschen nahe zu sein. Auch jetzt noch ist er oft wochenlang mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, um die Gemeinden seiner weitläufigen Diözese zu besuchen. Geduldig nimmt der 64-Jährige die Strapazen auf sich, schläft oft nur wenige Stunden auf den Busreisen. Ab und zu feiert er mit Mitreisenden spontan eine Messe. "Die Menschen hier sind sehr fröhlich und gläubig, ein Volk, das viel leidet, aber trotzdem das Leben positiv annimmt", sagt Cappio.

Geboren wurde er am Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, dem 4. Oktober. Schon als junger Mann entschied er sich, Franziskaner zu werden. "Im heiligen Franz habe ich meine Ideale gefunden, vor allem seine Liebe zum Evangelium und seine Bereitschaft, Jesus zu folgen. Dazu seine Liebe zu den Armen, den Ausgestoßenen und Ausgegrenzten der Gesellschaft, was damals die Leprakranken waren", erzählt Bischof Cappio. "Und zum Dritten war ich von seiner Liebe zur Natur fasziniert, die ich mit ihm teile." So scheint es für Cappio nur natürlich zu sein, dass er in Barra am Ufer des São-Francisco-Flusses lebt, des Stromes, den er so leidenschaftlich verteidigt.

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Videoporträt

Weitere Informationen zu Bischof Cappio:

Artikel in der Frankfurter Rundschau: "Mit Occupy sehr verbunden"

Franziskaner Mission: Bericht über den Besuch

Bistum Mainz: Video zum Besuch