Am Amazonas entscheidet sich die Zukunft der Erde

Dank und Sendung vom Bischof em. Kräutler beim Eröffnungsgottesdienst der Adveniat-Aktion

Bischof em. Erwin Kräutler, Brasilien

Amazonien war bis vor einem halben Jahrhundert noch eine Welt von Wald und Wasser. Manche sprachen von der „grünen Hölle“ und meinten damit die Undurchdringlichkeit des Dschungels im Norden Südamerikas, die Insektenplage, fauchende Jaguare und giftige Riesenschlangen, das feuchtheiße Klima und dazu noch die Indio-Völker, die sie als wilde Horden auf Steinzeitniveau einstuften. Auf einmal aber mutiert Amazonien zu einem letzter Rest des Paradieses mit seiner bis heute nicht vollständig erforschten Artenvielfalt. Die Indigenen Völker sind plötzlich als die wirklichen Beschützer des tropischen Regenwaldes  anerkannt. Die Natur, die Schöpfung ist ja seit eh und je ihre Mitwelt, die sie lieben, zu der sie gehören und die zu ihnen gehört. Wissenschaftler entdecken die Klima regulierende Funktion Amazoniens für den ganzen Planeten. Amazonien wird rehabilitiert, aufgewertet. Edelmetalle und Edelhölzer aller Art schüren die Gier nationaler und transnationaler Konzerne. Das Flusssystem Amazoniens ist das größte Süßwasserreservoir der Erde. Der skrupellose Abbau der Naturreichtümer beginnt aber ohne Rücksicht auf die in Amazonien lebenden Völker und deren Mitwelt.

Plötzlich geraten die mächtigen Flüsse Amazoniens ins Visier der Regierungen und Großunternehmen, die in den Wasserläufen ein unerschöpfliches Potential nachhaltiger Energiegewinnung sehen und sofort  astronomische Gewinne wittern. Staudämme und Mammutkraftwerke bekommen auch gleich die Etikette „saubere und erneuerbare Energiequellen“ angeheftet. Die irreversiblen Auswirkungen für die Bevölkerung und das gigantische Ökosystem interessieren nicht. Nationale und internationale Interessen diktieren die brutalste Vorgangsweise aller Zeiten mit verheerenden Folgen für Amazonien und die Welt. Es geht um Profit um jeden Preis, selbst wenn Menschen, ja sogar ganze Völker und ihre Mitwelt auf der Strecke bleiben. Unendliche Soja-, Zuckerrohr- und Palmölplantagen zerstören den Lebensraum alteingesessener Familien und indigener Gemeinschaften und vertreiben sie in schmutzige Stadtviertel und Favelas. Dies alles im Namen von Entwicklung und Fortschritt. Die Frage ist nur, für wen. Wer profitiert an diesem Weltskandal, der wie ein Krebsgeschwür immer mehr Metastasen treibt?

Die bischöfliche Aktion Adveniat startet mit diesem Gottesdienst eine Kampagne gegen dieses brutale Vorgehen. Adveniat ruft die Menschen in Deutschland und in Europa auf, sich für die Völker in Amazonien und deren Mitwelt stark zu machen, das Bewusstsein zu fördern, dass Amazonien uns alle angeht und wir hier in Europa selbst von den Folgen des ausbeuterischen Raubbaus und der Missachtung der Schöpfung betroffen sein werden. Es geht um den Schutz unseres gemeinsamen Hauses, in dem alle Völker das Recht haben, in Würde ihr Leben, ihre Zukunft, ihre Entwicklung selbst zu bestimmen und zu gestalten. Am Amazonas entscheidet sich die Zukunft der Erde.

Ich bitte Sie alle um ein offenes Herz und Ihre großzügige Mithilfe, damit Adveniat weiterhin Projekte in vielen Diözesen unterstützen kann. Ihr Beitrag ist eine konkrete Geste liebender Solidarität mit Initiativen und Organisationen die für das Leben und Überleben der Völker in Amazonien eintreten. Im Namen aller Menschen für die Ihr Beitrag ein Segen bedeutet, danke ich Ihnen recht herzlich.