Bolivien: „Día de los niños“

Zoe Winterscheidt lebt und arbeitet als Freiwillige in La Paz. Ihr Einsatzprojekt ist der Kinderhort „Ludoteca“, wo am 12. April der Kindertag gefeiert wurde. Natürlich half Zoe bei den Vorbereitungen und der Durchführung des Festes für die Kinder.
Ein Mädchen und eine Jugendliche

Die Freiwillige Zoe Winterscheidt arbeitet in Bolivien mit Kindern aus armen Familien. Foto: privat

Wir haben beschlossen, für die Kinder aus unserem Projekt Pantoffeln zu nähen, als Geschenk zum Kindertag. Da unsere Materialien sehr begrenzt waren, mussten wir sehr kreativ werden. Nach mehreren anfänglichen Versuchen und immer wieder neuen Idee, hatten wir drei Tage vor dem Tag ein Paar fertig. Für meine Verhältnisse viel zu spät, doch alle meine Kolleginnen waren entspannt und meinten, es wäre noch genügend Zeit.

Limbo tanzen war eine der Aktivitäten am Kindertag in Bolivien. Foto: privat

Nachdem wir dann doch alle Pantoffeln bis zum Kindertag fertig bekommen hatten, kam ich am 12. April ganz entspannt zur Arbeit. Der Tag war ein großer Spaß mit Süßigkeiten, dem Spiel „Reise nach Jerusalem“, Limbo tanzen und viel zu Lachen. Manchmal tut es auch mir gut, mal wieder ganz Kind zu sein und mich um nichts sorgen zu müssen. Einfach Lachen und glücklich sein.

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Ecuador: Mehr Mut zur Gelassenheit

Nell Richter arbeitet ein Jahr als Freiwillige beim Sozialwerk „Hogar de Cristo“ in Ecuador, Projektpartner vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Für den Weltfrauentag hat Nell eine Veranstaltung mitorganisiert – gar nicht so einfach für eine Deutsche im entspannten Ecuador.
Eine Frau macht einen roten Handabdruck auf ein Plakat

Handabdrücke für Frauenrechte. Am Weltfrauentag setzen sich Frauen gegen Femizide und für ihre Rechte ein. Foto: privat

Am 7. März, einen Tag vor dem Weltfrauentag, ging ich wie immer direkt nach dem Mittagessen zur Pastoral Social, in der ich den Großteil der Woche arbeite. Unsere Kollegin Irma erwartete Kathrin (meine Mitfreiwillige) und mich mit der Nachricht, dass wir bitte ganz dringend einen kleinen Steckbriefzettel am Computer designen sollten. Also gestalteten wir in Windeseile ein Informationsblättchen zu einer Veranstaltung des am nächsten Tags stattfindenden Frauentags.

Ich konnte es mal wieder nicht fassen: diese Organisation und Planung! Bereits Tage im Voraus hätte man den Zettel unter die Leute bringen sollen und noch davor hätte man uns damit beauftragen können, ihn anzufertigen. Nun wurden wieder mehrere Schritte in einen Nachmittag geschoben und für mein Verständnis viel zu kurzfristig versucht, etwas auf die Beine zu stellen. Ganz unproblematisch hätte ich bereits am Tag zuvor zumindest die Einladung und Vervielfachung erledigen können.

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Peru: Überschwemmt

Bäche werden reißende Flüsse und überschwemmen ganze Städte, Schlammlawinen schlucken Häuser und Menschen. In Peru hat El Niño zugeschlagen. Die Region Piura im Norden des Landes ist nahezu vollständig überschwemmt. Padre Juan Goicochea, Projektpartner des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, hat vor Ort zwischen Elend und Trauer eine Welle der Solidarität erlebt.

Padre Juan Goicochea ist in seine Heimat Piura gereist, um sich selbst ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Er arbeitet seit Jahren in einer Gemeinde im Süden der Hauptstadt Lima. Regenfälle haben große Teile der Hauptstadt verwüstet, woraufhin sich die Menschen der Pfarrgemeinde von Padre Goicochea organisierten, um den Opfern in den betroffenen Stadtteilen Limas zu helfen. Sie verteilen Nahrungsmittel, Medikamente, Kleidung und Wasser – aber auch Spielzeug, um mit dem Wichtigsten auch Freude zu schenken. Dabei sind sie selbst arm und leben teilweise vom Müllsammeln. Auch in der Stadt Piura und der umliegenden Region helfen die Menschen einander.

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Mexiko: Eine Welt für sich

Nicht jede Recherche ist einfach, besonders wenn etwas verborgen bleiben soll. Dies erfuhr das kleine Team, das für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat im Norden Mexikos Arbeitsbedingungen in Montagefabriken untersuchte. Was sich hinter den Fabrikmauern abspielt darf die Außenwelt nicht erfahren.
Ein Mann steht vor einem Tor. Dahinter stehen viele weiße Busse.

In den weißen Personal-Bussen werden jeden Tag Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen zu den Maquilas und zurück nach Hause transportiert. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Hintergrundinformationen gibt es zuhauf. InterviewpartnerInnen haben wir genug. Aber logisch, wenn wir eine Reportage machen, sollten wir auch Fotos von den Produktionsstätten haben. Doch leichter gesagt als getan!
Unmöglich, sagt mein Freund Leobardo, der Journalist. Schwierig, die sind da sehr eigen, sagt Vladimir, der als Computerspezialist in einem Unternehmen arbeitet. Kein Problem, sagen Javier und sein Bruder, der Generalvikar. Sie haben Beziehungen über die Kirche.

Wir besuchen eine Fabrik des deutschen Unternehmens Bosch und werden durch die Berufsschule geführt. Ein bislang unbekanntes Konzept in Mexiko. Azubis und Meister arbeiten im Einklang an modernen Betriebsmaschinen auf gelecktem weißen Boden, bauen Produktionsroboter und Halterungen. Die deutschen Chefs kommen uns begrüßen. Wir gehen gemeinsam in der Kantine Mittagessen. Auf Deutsch und Spanisch unterhält man sich. Auf dem Rückweg fehlt der Fotograf Jürgen Escher. Die Bosch-Angestellten geraten regelrecht in Panik. Jürgen ist einfach nur vorgegangen und steht vor dem Eingang der Berufsschule. Wir schmunzeln über die augenscheinliche Aufruhr. Fotos durfte er keine machen. War die Panik aus Angst, dass Jürgen etwas entdeckt, was schön versteckt bleiben sollte?

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Mexiko: Geteilte Stadt

Journalistin Kathrin Zeiske lebt in Mexiko. Für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat recherchierte sie vor Ort mit Fotograf Jürgen Escher – und lernte dabei ihre aktuelle Heimatstadt Ciudad Juárez neu kennen.

In Ciudad Juárez lebt ein Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut, obwohl er hart und zeitintensiv arbeitet. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Ich lebe seit über einem Jahr in Ciudad Juárez. Als Zugezogene vergesse ich manchmal, dass es eine geteilte Stadt ist. Und damit meine ich nicht die Grenze zu El Paso, die ebenfalls absurd ist und Familien trennt. In Ciudad Juárez verläuft eine unsichtbare Linie zwischen Arm und Reich.

Natürlich ist sie nicht völlig unsichtbar. Klar ersichtlich ist, dass in den Häusermeeren im Westen und Süden nur materiell arme Menschen im Wüstenstaub wohnen. Und dass die Villen mit Säulen und Kuppelbauten hinter Eisentoren im grün bewässerten Westen der Stadt stehen. Weniger ersichtlich ist, dass sich aus dieser Gegend nie jemand ins Zentrum verirrt.

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Brasilien: Hoffnung in Heliópolis

Menschen, die als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden, treffen Journalist Thomas Milz und Fotograf Florian Kopp in São Paulo für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. In dem Armenviertel Heliópolis besuchen sie Octávio, der trotz vieler Misserfolge noch Hoffnung hat.

Die Favela Heliopolis in São Paulo. Die Bewohner haben hier ein Netzwerk von Selbsthilfeorganisationen aufgebaut. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Hämmern, Sägen, Stimmengewirr. Wir sind im „Fab Lab“ der Favela Heliópolis in São Paulo. „Fab Lab“ steht für die Mischung aus Fabrik und Laboratorium. Hier können Kinder und Jugendliche aus der Favela in Handwerksberufe reinschnuppern, können die Werkzeuge von Bohrmaschine, Fräsen bis hin zu 3D-Lasern für ihre Projekte benutzen. Voraussetzung: Es muss etwas gebaut werden, das der Gemeinschaft dient.

Jugendlicher beobachtet einen Roboter, Projektarbeit im Ausbildungszentrum „Fab Lab Live“ der Organisation UNAS. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Heliópolis ist nicht irgendeine Favela. Sie ist über die Jahre zum Sinnbild für Eigenverantwortung geworden. Rund 700 Angestellte, alle aus der Favela, arbeiten bei UNAS, der Anwohnervereinigung, die in Heliópolis einfach alles organisiert: Schulen, Gesundheitsposten, Kulturangebote, Berufsausbildung für alle Altersschichten. Dabei unterstützen sie sowohl Privatunternehmen wie auch Stadt und Land, die für die von UNAS übernommenen Aufgaben bezahlen.

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