„Ich will etwas verändern“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Jesus Delgado

Jesus Delgado, einer der Initiatoren von „Caracas mi convive“

Jesus Delgado, 21 Jahre alt, Aktivist:

„Ich gehöre zu insgesamt 25 Mitarbeitern der NGO ‚Caracas mi convive‘ (dt.: Caracas bewegt mich). Wir versuchen durch kleine Verbesserungen im Stadtviertel ‚Bloque 23 de Enero‘ die Situation für die Menschen vor Ort zu verbessern. Wir restaurieren Sportplätze oder Kultureinrichtungen.

Ich habe mich dafür entschieden, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin. Es ist leicht zu meckern. Ich will etwas verändern und das kann ich am besten, indem ich mit anpacke. Hier bei uns kontrollieren die ‚Colectivos‘ alles, das sind paramilitärische Banden der Regierung. Ohne ihre Zustimmung geht hier nichts. Die Eltern und die Jugendlichen sind sehr dankbar, dass sich jemand um die Verbesserung der Lage vor Ort kümmert. Es kann sein, dass wir uns irgendwann auch einmal politisch engagieren. Einige von uns sind in der Opposition aktiv. Wir als NGO wollen aber bewusst unabhängig bleiben.“

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„Das Gesundheitsystem ist gescheitert“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Dr. Dany Galindano

„Keine Fahrstühle für Patienten“ steht auf dem Schild von Dr. Dany Golindano

Dr. Dany Golindano, Arzt:

„Es fehlt uns vor allem an Antibiotika. Es gibt in den Krankenhäusern zahlreiche Todesfälle, die mit Antibiotika zu verhindern wären. Besonders dramatisch ist das, wenn Patienten nach Operationen Entzündungen bekommen und die Ärzte dann keine Medikamente für die Behandlung haben. Darüber hinaus sind die Zustände in den Sälen, in denen überhaupt noch operiert werden kann, schlecht. Mehr als 5.000 Operationssäle im ganzen Land sind außer Betrieb. Wir Ärzte können den Patienten nicht so helfen wie es sein müsste.

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„Die Arbeit als Journalistin wird immer schwieriger“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Journalistin Maria Isolett Iglesias

Journalistin Maria Isolett Iglesias

Maria Isoliett Iglesias, Journalistin:

„Die Arbeit als Journalistin für freie Medien wird immer schwieriger. Die Zeitungen, die der Regierung nicht nahestehen, erhalten oft kein Papier. Viele meiner Kollegen haben in den vergangenen Jahren ihre Arbeitsstelle verloren, weil die Regierung Radio- oder TV-Sender geschlossen hat.

Ich selbst habe in Venezuela eine TV-Sendung, die sich mit der Kriminalität beschäftigt. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben müssen wir aufpassen, welche Formulierungen wir benutzen. Deswegen senden wir auch nicht live, sondern immer eine Aufzeichnung.

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„Im Krankenhaus fehlt es an allem“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Juan Gomez, Arzt

Juan Gomez (27), Arzt

Juan Gomez, 27 Jahre alt, Arzt:

„Ich demonstriere, weil die Situation im Land derzeit sehr, sehr schlecht ist. Gestern war ich auf einer Demo mit einer Kollegin, die von einem Geschoss der Polizei getroffen wurde. Sie hat Verletzungen am Oberkörper.

Ich werde trotzdem weiter auf die Straße gehen und für ein anderes Venezuela demonstrieren, aber ich werde natürlich noch besser aufpassen, dass uns nichts passiert. Mein größter Wunsch ist, dass wir einen Regierungswechsel schaffen. Ich erhoffe mir dann mehr Investition in die Bildung und die Sicherheit. 

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„Vergesst Venezuela nicht!“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Busfahrer Lenin in seinem Bus

Busfahrer Lenin

Lenin, 58 Jahre alt, Busfahrer:

„Ich habe damals Hugo Chavez gewählt. Es hat mir gefallen wie er  den etablierten Politikern Dampf gemacht hat. Und es hat mir gefallen wir er die Wirtschaft in Schwung gebracht hat.

Viel ist davon nicht übriggeblieben. Leider ist unsere Wirtschaft komplett zusammengebrochen. In unserem Viertel ist es viel gefährlicher als früher. Es gibt viele bewaffnete Banden, die das Viertel kontrollieren. Die Menschen haben Angst wegen der Kriminalität.

Ich bin froh, dass ich gerade noch über die Runden komme. Aber diese Inflation ist mörderisch. Die Stimmung ist sehr schlecht. Ich weiß nicht, ob die Opposition es viel besser machen würde.
Was ich weiß ist, dass es nicht mehr schlechter und schlimmer werden kann als es jetzt ist. Wir wollen endlich wählen! Ich bitte den Rest der Welt: Schaut auf Venezuela. Vergesst unser Land nicht. Lasst uns nicht allein!“

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„Ich möchte eine Zukunft in Venezuela“

Seit über zwei Jahren steckt Venezuela in der Krise. Die Menschen hungern, warten vergeblich auf Medikamente – und demonstrieren. Sechs Venezolaner erzählen von ihrem Land, ihrem Leben und ihren Träumen.

Medizinstudentin Oriana Gutierrez

Medizinstudentin Oriana Gutierrez

Medizinstudentin Oriana Gutierrez, 22 Jahre alt:

„Wir müssen alles selbst mit ins Krankenhaus bringen. Es ist praktisch nichts vorhaden, was wir für unser Studium brauchen.

Ich demonstriere, weil ich ein Venezuela möchte, in dem wir uns frei bewegen können. So wie es war, als ich ein ganz kleines Mädchen war. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass wir damals noch um 23 Uhr sicher nach Hause kommen und ohne Probleme zum Supermarkt gehen konnten.

Ich möchte, dass wir jungen Venezolaner eine Zukunft haben. Ich möchte, dass wir uns von unserer Arbeit als Arzt irgendwann ein eigenes Haus und ein eigenes Auto kaufen können. Derzeit haben wir diese Möglichkeiten nicht.
Ob ich meine Zukunft in Venezuela oder in einem anderen Land sehe, hängt auch davon ab, wie sich die politische Situation entwickelt. Ich glaube, da sind wir jungen Venezolaner alle in der gleichen Situation.“

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