Mexiko: Eine Welt für sich

Nicht jede Recherche ist einfach, besonders wenn etwas verborgen bleiben soll. Dies erfuhr das kleine Team, das für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat im Norden Mexikos Arbeitsbedingungen in Montagefabriken untersuchte. Was sich hinter den Fabrikmauern abspielt darf die Außenwelt nicht erfahren.
Ein Mann steht vor einem Tor. Dahinter stehen viele weiße Busse.

In den weißen Personal-Bussen werden jeden Tag Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen zu den Maquilas und zurück nach Hause transportiert. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Hintergrundinformationen gibt es zuhauf. InterviewpartnerInnen haben wir genug. Aber logisch, wenn wir eine Reportage machen, sollten wir auch Fotos von den Produktionsstätten haben. Doch leichter gesagt als getan!
Unmöglich, sagt mein Freund Leobardo, der Journalist. Schwierig, die sind da sehr eigen, sagt Vladimir, der als Computerspezialist in einem Unternehmen arbeitet. Kein Problem, sagen Javier und sein Bruder, der Generalvikar. Sie haben Beziehungen über die Kirche.

Wir besuchen eine Fabrik des deutschen Unternehmens Bosch und werden durch die Berufsschule geführt. Ein bislang unbekanntes Konzept in Mexiko. Azubis und Meister arbeiten im Einklang an modernen Betriebsmaschinen auf gelecktem weißen Boden, bauen Produktionsroboter und Halterungen. Die deutschen Chefs kommen uns begrüßen. Wir gehen gemeinsam in der Kantine Mittagessen. Auf Deutsch und Spanisch unterhält man sich. Auf dem Rückweg fehlt der Fotograf Jürgen Escher. Die Bosch-Angestellten geraten regelrecht in Panik. Jürgen ist einfach nur vorgegangen und steht vor dem Eingang der Berufsschule. Wir schmunzeln über die augenscheinliche Aufruhr. Fotos durfte er keine machen. War die Panik aus Angst, dass Jürgen etwas entdeckt, was schön versteckt bleiben sollte?

Weiterlesen

Mexiko: Geteilte Stadt

Journalistin Kathrin Zeiske lebt in Mexiko. Für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat recherchierte sie vor Ort mit Fotograf Jürgen Escher – und lernte dabei ihre aktuelle Heimatstadt Ciudad Juárez neu kennen.

In Ciudad Juárez lebt ein Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut, obwohl er hart und zeitintensiv arbeitet. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Ich lebe seit über einem Jahr in Ciudad Juárez. Als Zugezogene vergesse ich manchmal, dass es eine geteilte Stadt ist. Und damit meine ich nicht die Grenze zu El Paso, die ebenfalls absurd ist und Familien trennt. In Ciudad Juárez verläuft eine unsichtbare Linie zwischen Arm und Reich.

Natürlich ist sie nicht völlig unsichtbar. Klar ersichtlich ist, dass in den Häusermeeren im Westen und Süden nur materiell arme Menschen im Wüstenstaub wohnen. Und dass die Villen mit Säulen und Kuppelbauten hinter Eisentoren im grün bewässerten Westen der Stadt stehen. Weniger ersichtlich ist, dass sich aus dieser Gegend nie jemand ins Zentrum verirrt.

Weiterlesen

Mexiko: Gefängnispastoral unter Beobachtung

Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent bei Adveniat trifft Fray Carlos Mauricio Jiménez, den Leiter der Gefangenenseelsorge in Veracruz. Er berichtet über seine Arbeit und die Situation der Gefangenen.
Fray Carlos Jimenéz

Fray Carlos Mauricio Jimenéz. Foto: Parroquia Nuestra Señora de la Merced.

„Die Aufgaben der Gefangenenseelsorge in Veracruz sind: Begleitung der Gefangenen und Ex-Gefangenen und ihrer Angehörigen. Der Gouverneur von Veracruz ließ wegen der Spannungen unter den Gefangenen, die den verschiedenen Kartellen angehören, das Gefängnis schließen und es gut zwei Autostunden weit weg verlegen. Veracruz, die Hafenstadt des Landes, ist ein hart umkämpftes Einflussgebiet unter den Kartellen. Dies ist der Grund für die hohe Kriminalitätsrate und die vielen Morde. Auch die Kirche ist davon betroffen.

Weiterlesen

Mexiko: In den Fängen der Kartelle

Der Bundesstaat Veracruz wird beherrscht von Gewalt und Kriminalität. Was dagegen getan wird, erfährt Adveniat-Referent für Mexiko, Reiner Wilhelm, während seiner Projektreise.
Eine nur schwach beleuchtete Straße bei Nacht.

Eine Straße bei Nacht in Veracruz. Foto: Nacho Betancourt. CC BY-NC-ND 2.0

„Veracruz ist voller Leichen“, sagte mir Padre Julián Verónica, Leiter der Sozialpastoral des mexikanischen Bundesstaates Veracruz. 15 Massengräber mit tausenden Leichen seien gefunden worden. Viele Angehörige suchen ihre vermissten Verwandten. Verantwortlich ist das organisierte Verbrechen, zu 80 Prozent aber Sicherheitskräfte wie Polizei und Militär. Die Korruption ist überbordend. Vielfach ist es gefährlich, nach den Toten zu suchen. Die Kirche ist hier engagiert, insbesondere bei der Suche und Identifikation von Verschwundenen. Dabei stehen auch die Verteidiger der Menschenrechte in Gefahr, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Leiter von Gemeinden und Führer von Gruppen werden entführt, gefoltert und umgebracht. Ein wirksamer Schutz besteht nur darin, Öffentlichkeit zu erzeugen. Aber dieser Schutz ist nicht umfassend. Die Kirche wird immer noch respektiert, wenn auch der Blutzoll von Priestern, Ordensleuten und engagierten Laien hoch ist. Die Sozialpastoral sieht ihre Aufgabe darin, das soziale Netz wieder herzustellen und in den Konflikten zu moderieren.

Weiterlesen

Mexiko: Im Griff des Verbrechens

Arbeitslosigkeit, Gewalt und organisiertes Verbrechen sind im Bundesstaat Veracruz bitterer Alltag. Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent von Adveniat, besucht dort Hilfsprojekte.
Ein mit Schnee bedeckter Berg

Der Citlaltépetl oder die Spitze von Orizaba. Foto: Angélica Portales. CC BY-NC-ND 2.0

Nun bin ich in Veracruz angekommen, der Bundesstaat, der in den letzten Jahren und Monaten durch Entführungen und Morden, auch an Priestern, in die Schlagzeilen geraten ist. Als erstes besuchte ich die Diözese Coatzacoalcos, die 1984 gegründet wurde. Sie umfasst die Stadt, die von der Erdölindustrie geprägt ist, und ein weites Umland. Durch die Wirtschaftskrise sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Sehr problematisch ist der starke Einfluss des organisierten Verbrechens: Morde und Entführungen sind inzwischen Alltag geworden.

Weiterlesen

Mexiko: Mayakultur und Touristenluxus

Große Kontraste erlebt Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent von Adveniat, jeden Tag bei seiner Projektreise. Dieses Mal zwischen der jahrhundertealten Mayakultur und des modernen Luxus-Tourismus.

Die Maya-Pyramide Ek-Balam. Foto: Adveniat/Wilhelm

Heute geht’s von Cancún aufs Land. Das Ziel: Felipe Carrillo Puerto, eine Stadt mit dem Namen eines der wichtigsten Förderer der Mayakultur. Mitte des 19. Jahrhunderts versuchten die Maya ihre Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Das Volk lehnte sich gegen die noch junge Republik auf, auch gegen die katholische Kirche. So sprengten sie gut 20 Kirchen in die Luft. Bis heute sind die Auswirkungen der Zerstörungen sichtbar. Eine Kirche entgeht der Zerstörung – die von Felipe Carrillo Puerto. Gleichzeitig entstand eine Parallelkirche: die „katholische Kirche der Maya“, die unabhängig von Rom ist. Heute wird sie als Ausdruck der Mayakultur vom mexikanischen Staat unterhalten und seine Priester von ihm bezahlt.

Weiterlesen