Klein-La-Paz in São Paulo

Auf die Spuren von Menschen, die mitten im Überlebenskampf stecken, weil sie seit Jahren als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden, begeben sich Journalist Thomas Milz und Fotograf Florian Kopp in São Paulo für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.
Ein Mann und ein Junge gehen zwischen Marktständen hindurch.

Von bolivianischen Immigranten abgehaltener Markt in São Paulo. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Es riecht nach fritiertem Hühnchen, nach „Chicharrón de pollo“, Empanadas, „Aji de Arroz“. Aus dem Hintergrund schallt indigene Musik aus den Anden über die verqualmte Straße. Auf Tafeln werden Bustarife nach La Paz angepriesen oder günstige Tarife für Anrufe in der ferne Heimat. Dubiose Bankhäuser preisen die einfachsten Methoden an, um Geld von und nach Bolivien hin und her zu transferieren.
Den Samstagnachmittag auf der Rua Coimbra im Stadtteil Brás zu verbringen, ist für die bolivianische Community in São Paulo heilig. Für wenige Stunden fühlen sie sich wieder daheim. Rund 250.000 Bolivianer leben in Brasiliens größter Metropole. Vielleicht sind es auch mehr, man weiß es nicht genau. Viele leben hier illegal, sind in „Cortiços“ untergetaucht, in Wohnanlagen, in denen jeder lediglich ein kleines Zimmer sein Eigen nennt.

Ein Mann spricht mit einer Frau

Zacarias spricht mit einer bolivianischen Näherin, die von ihrem Arbeitgeber um ihr Gehalt betrogen wurde. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Zacharias Saavedra Paucada ist unser Begleiter in Brás, einem Stadtteil der berüchtigten Ost-Zone São Paulos. Als erste kamen hier die italienischen Migranten des späten 19. Jahrhunderts unter. Heute leben hier Afrikaner, Asiaten und Latinos. Chilenen, Paraguayer, Peruaner und vor allem Bolivianer, die ihr täglich Brot in den Nähstuben der Ost-Zone verdienen.

Vor zwölf Jahren kam Zacharias aus La Paz hierher. Seit sechs Jahren engagiert er sich als Sozialarbeiter bei CAMI, dem „Centro de Apoio e Pastoral do Migrante“, der Migrantenpastoral, die seit Jahren Partnerorganisation des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat ist. Unermüdlich setzt sich Zacharias für die bolivianische Gemeinde ein, hilft den Neuankömmlingen, ein Dach über dem Kopf zu finden, kümmert sich um die Ängste und Sorgen seiner Landsleute.
 

Zwei Frauen an einem Marktstand

Auf dem bolivianischen Markt in Sao Paulo. Foto: Florian Kopp/Adveniat

In den nächsten zwei Tagen wird uns Zacharias durch die Welt der Bolivianer in São Paulo führen, zu den kleinen Nähwerkstätten in denen seine Landsleute unermüdlich um das tägliche Auskommen kämpfen.