Ecuador: Blitzblanke Erstkommunion

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Es ist Freitag, mein erster „richtiger“ Tag in Ecuadors Hauptstadt Quito. Während ich noch auf dem Rasen mit den Kindern spiele und ausgefragt werde, wieso ich denn grüne Augen habe und wieso der Name Genesis denn auch auf Deutsch Genesis heißen würde, kommen gleich mehrere Frauen und Männer mit Besen auf die Kirche zu. „Wie aus einem Werbespot“ schießt es mir durch den Kopf, aber keineswegs: Am Samstag feiern wir in der Kirche die Erstkommunion von 12 Kindern. Und alle Eltern sind aufgerufen, mit Besen vorbeizukommen und beim Reinemachen zu helfen. Gesagt, getan.

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Paraguay: Zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit

Maria Gonzales, ihr Schwager Ever Salinas Lopez und ihre Schwägerin Sani Lopez vor ihrer Hütte.

Maria Gonzales, ihr Schwager Ever Salinas Lopez und ihre Schwägerin Sani Lopez vor ihrer Hütte.

Bañado Tacumbú – der Name steht für den traurigsten Ort, den wir auf unserer 3-wöchigen Reise durch Argentinien und Paraguay besuchten. Wir sind am südlichen Stadtrand der paraguayischen Hauptstadt Asunción, in einem der zahlreichen Elendsviertel, die die Peripherie der Stadt bilden.

Bruder „Carlos”, eigentlich Charles Fitzsimmons, führt uns über eine staubige Straße zu der Hütte von Maria Gonzales und ihrer Schwägerin Sani Lopez. Maria ist gerade einmal 17 Jahre alt. Doch von Jugend ist bei ihr keine Spur. Zwei kleine Kinder hat sie bereits, ihre Schwägerin Sani hat vor wenigen Monaten ihr erstes Kind bekommen. Beide wirken abgekämpft.

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Argentinien: Der “cura villero” von Carcova

Padre Pepe (Mitte)  und Aladio Alberto Aquilles (rechts) auf der Baustelle der Kapelle "San Cayetano te Eseranza" im Gespräch mit einem Bauarbeiter.

Padre Pepe (Mitte) und Aladio Alberto Aquilles (rechts) auf der Baustelle der Kapelle „San Cayetano te Eseranza“ im Gespräch mit einem Bauarbeiter.

Der mit Marienbildern beklebte Fiat, zugegebenermaßen ein schon älteres Modell, stoppt vor der Bahnstation von Pedro Leon Suarez, am Stadtrand von Buenos Aires. Padre Pepe steigt aus, die Haare zerzaust, ein dichter Bart – er wäre der perfekte Jesus-Darsteller auf Osterfestspielen.

Wir fahren in die nahe gelegene “Villa” Carcova, eines der gefährlichsten Elendsviertel von Buenos Aires. Hier lebt Padre Pepe seit seiner Rückkehr nach Buenos Aires vor rund sechs Monaten. Seit 15 Jahren ist er “embedded”, lebt er als “Villapadre” mitten unter den ärmsten Menschen der sonst so gerne ihren Reichtum zeigenden Hauptstadt.

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Chile: Über Einschusslöcher und den Kampf gegen Drogen

Im Vorfeld der Adveniat-Aktion ist eine Gruppe von acht Journalistinnen und Journalisten derzeit mit Adveniat in Chile unterwegs, um mit Vertretern der Kirche zu sprechen und sich ein Bild über die Situation im Land zu verschaffen. Im Blog berichten die Teilnehmenden über die Reise.

Padre Gerardo berichtet der Gruppe. Foto: Carolin Kronenburg

Padre Gerardo berichtet der Gruppe. Foto: Carolin Kronenburg

Die Kugel ist im Kreuz direkt neben dem Christus-Kopf eingeschlagen, das Einschussloch ist noch zu sehen. Wir entdecken diese Spur in einer Kapelle in La Legua, einem Armenviertel von Santiago de Chile. Hier arbeitet Padre Gerardo, ein aus Frankreich stammender Priester, der fast immer freundlich lächelt. Für den Fußweg zur Kapelle hat er uns empfohlen, nicht zu fotografieren, nichts mitzunehmen. Denn die Gegend ist gefährlich, Schießereien sind an der Tagesordnung. Drogenhändler liefern sich hier Bandenkriege. Polizeiposten mit olivgrünem Helm und Maschinengewehr in der Hand wachen an der Straßenecke. Daneben winzige Verschläge, in denen die Menschen hausen – nahezu ohne jegliche Privatsphäre.

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Ecuador: Sieben Kinder, vier Väter, kein Geld

Comuna Alta: Am Rande der Gesellschaft

Comuna Alta: Am Rande der Gesellschaft

Sieben Kinder, vier Väter, kein Geld – so könnte die traurige Überschrift von Guadalupes Lebensgeschichte lauten. Immer waren Wunsch und Hoffnung, dass der Mann bleibt, stärker als der Verstand. Liebesentzug, Missachtung und Schlägen zum Trotz, hat es die zierliche Frau vier Mal versucht. Aber der Machismo ist übermächtig hier in der Comuna Alta. Jeder Mann hat zwei, drei Frauen, das ist ganz normal. Heute lebt Guadalupe alleine mit ihren Kindern, ganz oben, wo die Hütten mit dem Schlamm den Berg runterrutschen, wenn es zu lange regnet. Vielleicht, weil sie keiner mehr will oder sie keinen mehr will … Nur manchmal kommt einer der Väter, um ihr den Monatslohn abzunehmen.

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Ecuador: „Hermanita, es mi marido“

Schwester Ingrid (Mitte) im Gespraech mit zwei Frauen aus der Gemeinde.

Manchmal könnte Schwester Ingrid weinen, weil sie oft vorher schon weiß, wie die Geschichten ausgehen. Beispielsweise diese: Sturmklingeln – mitten in der Nacht. Ingrid schlurft zum Tor und schließt auf. Eine Frau aus dem Viertel steht da, grün und blau geschlagen vom betrunkenen Ehemann. Ein Kind auf dem Arm, eines an der Hand und die vier Großen daneben. „Natürlich könnt ihr hier schlafen“, antwortet Ingrid auf die fragenden Blicke. Mit einer Mitschwester wohnt die gebürtige Chilenin in einem großen Haus neben der Kirche. Die einzige katholische Kirche in der Comuna Alta, einem der ärmsten und gefährlichsten Viertel von Quito.

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