Mexiko: Geteilte Stadt

Journalistin Kathrin Zeiske lebt in Mexiko. Für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat recherchierte sie vor Ort mit Fotograf Jürgen Escher – und lernte dabei ihre aktuelle Heimatstadt Ciudad Juárez neu kennen.

In Ciudad Juárez lebt ein Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut, obwohl er hart und zeitintensiv arbeitet. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Ich lebe seit über einem Jahr in Ciudad Juárez. Als Zugezogene vergesse ich manchmal, dass es eine geteilte Stadt ist. Und damit meine ich nicht die Grenze zu El Paso, die ebenfalls absurd ist und Familien trennt. In Ciudad Juárez verläuft eine unsichtbare Linie zwischen Arm und Reich.

Natürlich ist sie nicht völlig unsichtbar. Klar ersichtlich ist, dass in den Häusermeeren im Westen und Süden nur materiell arme Menschen im Wüstenstaub wohnen. Und dass die Villen mit Säulen und Kuppelbauten hinter Eisentoren im grün bewässerten Westen der Stadt stehen. Weniger ersichtlich ist, dass sich aus dieser Gegend nie jemand ins Zentrum verirrt.

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Brasilien: Hoffnung in Heliópolis

Menschen, die als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden, treffen Journalist Thomas Milz und Fotograf Florian Kopp in São Paulo für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. In dem Armenviertel Heliópolis besuchen sie Octávio, der trotz vieler Misserfolge noch Hoffnung hat.

Die Favela Heliopolis in São Paulo. Die Bewohner haben hier ein Netzwerk von Selbsthilfeorganisationen aufgebaut. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Hämmern, Sägen, Stimmengewirr. Wir sind im „Fab Lab“ der Favela Heliópolis in São Paulo. „Fab Lab“ steht für die Mischung aus Fabrik und Laboratorium. Hier können Kinder und Jugendliche aus der Favela in Handwerksberufe reinschnuppern, können die Werkzeuge von Bohrmaschine, Fräsen bis hin zu 3D-Lasern für ihre Projekte benutzen. Voraussetzung: Es muss etwas gebaut werden, das der Gemeinschaft dient.

Jugendlicher beobachtet einen Roboter, Projektarbeit im Ausbildungszentrum „Fab Lab Live“ der Organisation UNAS. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Heliópolis ist nicht irgendeine Favela. Sie ist über die Jahre zum Sinnbild für Eigenverantwortung geworden. Rund 700 Angestellte, alle aus der Favela, arbeiten bei UNAS, der Anwohnervereinigung, die in Heliópolis einfach alles organisiert: Schulen, Gesundheitsposten, Kulturangebote, Berufsausbildung für alle Altersschichten. Dabei unterstützen sie sowohl Privatunternehmen wie auch Stadt und Land, die für die von UNAS übernommenen Aufgaben bezahlen.

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Brasilien: Eine unsichere Zukunft

Brasilien steckt in der schwersten wirtschaftlichen Krise seit Jahrzehnten. Das bedeutet: noch mehr Arbeitslose, weitere Ausbeutungen. Journalist Thomas Milz und Fotograf Florian Kopp reisen für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat durch den Bundesstaat São Paulo und treffen Menschen, die damit zu kämpfen haben.
Zwei Männer schauen unter ein Auto

Victor mit seinem Schwager Anderson in dessen Werkstatt. Foto: Florian Kopp/Adveniat

An der Küste, 50 Kilometer von São Paulo entfernt, liegen die Städte Santos, Brasiliens wichtigster Hafen, und São Vicente, die erste Siedlung der Portugiesen auf dem südamerikanischen Kontinent. Im Hinterland der beiden Städte ragen die Schornsteine und Industriekomplexe von Cubatão in den Himmel, einst einer der wichtigsten Industriezentren Brasiliens. Die Öl- und Chemieindustrie hat hier das Erdreich und das nahe Meer auf Jahrzehnte verschmutzt. Jetzt ist die Industrie in Krise, hunderte Arbeitsplätze sind verloren gegangen.
 
Wir fahren nach Villa Margarida, ein Armenviertel am Rande von São Vicente. An einer Ecke steigen dicke Qualmwolken bis ätzendem Gestank auf. Irgendjemand hat die über die Straße hängenden Stromkabel gekappt. Jetzt brennen sie die Isolierung runter, um den Kupferdraht zu verkaufen. Wir mögen vorsichtig sein, warnen uns unsere Gastgeber der JOC (Juventude Operária Cristã), der Christlichen Arbeiterjugend, deren Arbeit seit Jahren vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt wird. Eine Drogenbande hat in der Vila ihr Hauptquartier, und Überfälle sind an der Tagesordnung.  Für Jugendliche ist São Vicente kein gutes Pflaster. Die Stadt ist eine der ärmsten im ansonsten reichsten Teilstaat Brasiliens.

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Haiti: Bilder eines verwundeten Landes

Armut, Hunger, Krankheiten bestimmen den Alltag in Haiti. Aber nicht nur. In Haiti gibt es auch Hilfe und Hoffnung.

Seit Jahren wird Haiti von schweren Katastophen getroffen: 2010 das Erdbeben, im Oktober 2016 Hurrikan Matthew. Als einer der ärmsten Staaten der Welt, tut sich das Land schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Anders als nach dem schlimmen Erdbeben, kommt jetzt nur noch wenig Hilfe nach Haiti.
Fotograf Martin Steffen war für Adveniat vor Ort und hat beeindruckende Bilder eines verwundeten Landes mitgebracht: von Hurrikan Matthews Katastrophenregion, dem schlimmsten Armenviertel des westlichen Welt und von Hilfe, die ankommt.

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Haiti: Das verlorene Paradies

Haiti, die „Perle der Antillen“, hätte ein unglaubliches Potenzial – für Strandurlauber, Outdoorliebhaber und Ruhesuchende. Wenn da nur nicht…
Zwei Jungs am Strand neben ihrer einfachen Hütte

Haiti ist kein Urlaubsparadies. Und doch haben wir uns in das Land verliebt. Foto: Martin Steffen/Adveniat

„Wo gehst Du hin? Haiti? Schön!“ Diesen Satz haben wir zuletzt vor unserer Reise häufiger gehört. Er ist beiläufig dahingesagt, ohne länger nachzudenken. Denn Haiti, das klingt ja schon auch ein wenig wie Hawaii oder Tahiti. Und auch bei nur flüchtigen Geografie-Kenntnissen wissen doch die meisten, dass Haiti in der Karibik liegt. Und die Karibik ist: Schön! Und ja, Haiti ist schön.

„Perle der Antillen“ steht auf den Autokennzeichen und was zunächst wie blanker Zynismus klingt, ist bei einer genaueren Betrachtung des Landes durchaus wahr. Port-au-Prince, was könnte das für eine interessante, blühende und pulsierende Karibikmetropole sein, wenn…
Wenn die Politik der zurückliegenden Jahrzehnte – oder muss man Jahrhunderte sagen? – nicht gewesen wäre. Und wenn dieses entsetzliche Erbeben im Jahr 2010 nicht zusätzlich zu dem Elend, das sich in dieser Stadt ohnehin aufgetürmt hat, auch noch fast alles zerstört hätte. Wie schön könnte man hier auf der Veranda eines Hotels bei einem Rumpunsch sitzen und sich überlegen, ob man am nächsten Tag vielleicht einen Ausflug nach Jacmel machen sollte. Auf einen Teller Meeresfrüchte in dieser Stadt mit den herrschaftlichen Backsteinhäusern und sich danach vielleicht noch einen Sprung ins Meer gönnen. Herrlich.
Oder doch nach Jerémie, dieser malerisch an der Nordküste gelegenen Stadt mit ihren kilometerlangen Stränden? Und dabei auf dem Weg in Richtung Les Cayes einen Stop in der Baie Anglaise machen?

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Ecuador: Blitzblanke Erstkommunion

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Es ist Freitag, mein erster „richtiger“ Tag in Ecuadors Hauptstadt Quito. Während ich noch auf dem Rasen mit den Kindern spiele und ausgefragt werde, wieso ich denn grüne Augen habe und wieso der Name Genesis denn auch auf Deutsch Genesis heißen würde, kommen gleich mehrere Frauen und Männer mit Besen auf die Kirche zu. „Wie aus einem Werbespot“ schießt es mir durch den Kopf, aber keineswegs: Am Samstag feiern wir in der Kirche die Erstkommunion von 12 Kindern. Und alle Eltern sind aufgerufen, mit Besen vorbeizukommen und beim Reinemachen zu helfen. Gesagt, getan.

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