Chile: Immer Richtung Sonne

Ein Mapuche-Mädchen aus der Schule von Lehrerin Pamela.

Ein Mapuche-Mädchen aus der Schule von Lehrerin Pamela.

Immer Richtung Sonne. Die Mapuche, die indigenen Ureinwohner Chiles, feiern ihre Zeremonien immer Richtung Sonne. Gut, dass sie scheint an diesem Tag im sonst noch recht kühlen Frühling im südlichen Chile, gefroren haben wir schon genug. Es klingt fremd in unseren Ohren, wenn ein Lonko, ein Oberhaupt einer Mapuche-Gemeinschaft, in die hornähnliche Trutruca bläst und die Machi, die Priesterin und Heilerin, die Kultrun schlägt, die Trommel. Dazu Gebete und Gesänge in Mapudungun, der Sprache der Mapuche. Um die zu lernen, muss man einen alten Mann auf den Mund küssen, hat uns ein 84-Jähriger erklärt. Naja, vielleicht lerne ich doch erst was anderes.

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Chile: Studenten und Polizei hautnah

Heute hatten wir sehr unterschiedliche Gespräche und Begegnungen: Wir waren im Palacio de la Moneda. Von Christian Larroulet, Minister und Generalsekretär des Präsidialamtes, haben wir eine Einschätzung zur wirtschaftlichen und bildungspolitischen Situation bekommen. Zeitgleich hatten die Studentendemonstrationen in der Stadt begonnen. Mehrere Tausend Studenten haben ihre Anliegen auf die Straße getragen. Bildung ist auch in Chile der Schlüssel für eine gerechtere und friedlichere Gesellschaft. Bei unserem Gespräch mit dem Erzbischof von Santiago de Chile, Monsignore Ezzati, hat dieser auch die Berechtigung dieser Proteste unterstützt. Für mich war es eine besondere Anspannung, Studenten und Polizei so hautnah zu erleben. Am Nachmittag waren wir bei einem Priester aus dem Bistum Würzburg, der in den vergangenen Jahren eine Gemeinde im Bannkreis der Stadt aufgebaut hat. Dieser Stadtteil ist auch für Besucher sehr gefährlich. Leider reichte die Zeit für ein ausführliches Gespräch nicht aus. Am Abend hatten wir ein spannende Unterhaltung mit Kardinal Errazuriz, ehemaliger Erzbischof von Santiago, jetzt Mitglied im Beraterkreis den Papstes. Er kam soeben aus Rom. Er hat uns von den Überlegungen zur Kurienreform und den notwendigen Veränderungen in der Kirche berichtet. Wir können uns auf große Veränderungen einstellen, war seine klare Botschaft. Fazit: Es war ein sehr ermutigender Abend.

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Chile: „Wasserwerfer, Tränengas – ist immer so“

Studentenproteste nahe der Universidad de Chile. Vorne Studenten, hinten bereiten sich Polizeieinheiten auf den Einsatz vor.

Studentenproteste nahe der Universidad de Chile. Vorne Studenten, hinten bereiten sich Polizeieinheiten auf den Einsatz vor.

Die Studentenproteste gehen von der altehrwürdige Universidad de Chile aus. Das Zentrum des studentischen Widerstands ist die renommierte juristische Fakultät. 16 Staatspräsidenten haben hier studiert, unzählige Politiker und Intellektuelle sind aus dieser Fakultät hervorgegangen. An diesem Tag bere

iten die Studenten im Vorhof einen erneuten Protestmarsch vor, Plakate werden ausgerollt und Fahnen geschwenkt. Eigentlich ist das hier eher ein Burghof, sagt die zierlich Jurastudentin Karina und weist auf die schmiedeeiserne Umzäunung. Hierher flüchten wir, wenn die Polizei uns verfolgt. Auf das Gelände der berühmten Fakultät trauen sich die Polizisten nicht.

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WJT: Die Wahl zwischen Gut und Böse

Es wird schlagartig ruhig im Raum, als die Katechese für die Kinder beginnt. Schwester Adma, die Leiterin der Gruppe, beginnt mit einem Gebet. Sie wählt das Beispiel eines Steines, dessen Nutzung von uns abhängt. Er kann genutzt werden, um jemanden zu erschlagen oder zu verletzten. Aber er kann auch zum Bau eines Hauses als Fundament dienen.

Nach und nach werden die Kinder zwischen acht und zwölf Jahren aufgerufen und immer wieder liebevoll einbezogen und persönlich befragt, ob sie verstanden haben was Schwester Fatima meinte. Einige der Kinder öffnen sich dabei und sprechen über ihre Gedanken und Assoziationen, andere wirken ruhig und bedächtig. Dann nimmt die Schwester das Handy eines Mädchens und nutzt es als Sinnbild. „Du kannst dieses Handy jemandem an den Kopf werfen, oder du kannst mit jemandem telefonieren und auch eine gute Nachricht überbringen. Es hängt von dir ab, du hast die Entscheidung über dein Tun.“

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Ecuador: Insbesondere die Mädchen werden vernachlässigt

In Quito hat man das Gefühl, dass überall Kinder um einen herum wuseln – nicht nur am Centro, sondern auch in der Stadt, im Bus, beim Einkaufen und in der Nachbarschaft. Das liegt an der jungen Demographie Ecuadors, in dem 30 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt ist. Doch vermutlich gerade auf Grund der hohen Anzahl an Kindern werden sie als entbehrlicher angesehen und haben einen geringeren Stellenwert in der Gesellschaft Ecuadors. Insbesondere die Mädchen werden vernachlässigt, da Ecuador noch immer stark vom Machismo geprägt ist. Dieser ist auch Ursprung der hohen Anzahl an Kinder, da weiterhin das Bild der Frau als Mutter propagiert wird. Doch auf Grund der weit verbreiteten Armut in Ecuador müssen die Mütter trotz traditioneller Rollenverteilung meist arbeiten gehen, sodass ihre Kinder oft den ganzen Tag in Kindergärten verbringen, wenn sich die Eltern das leisten können. „Me da pena“ – „Es schmerzt mich“, kommentiert Hermana Ingrid die Situation vieler Kinder, die an häuslicher Gewalt und fehlender Bildung zu leiden haben. Zwar hat die Regierung unter Rafael Correo die Staatsausgaben für Bildung in den vergangen Jahren erhöht, sodass die Schulpflicht für alle Sechs- bis Vierzehnjährigen realisierbar wird, doch das Problem des Machismo besteht weiter.

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Santo Domingo: Dicke Luft

Warum sitzt die Lehrerin in der letzen Reihe, an der Tür? Als wir die kleine Grundschule in einem Stadtteil von Santo Domingo besuchen, sind wir geschockt. Die Klassenzimmer sind düster, haben keine Fenster, die Wände sich so dreckig, dass man nicht an ihnen entlang laufen kann, ohne sich schmutzig zu machen. Auf dem Boden liegt Müll. Die Schüler der 3. Klasse sitzen dicht an dicht, viele teilen sich zu zweit ein kleines Holzpult. 31 Kinder auf nicht viel mehr als 20 Quadratmetern. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, alle schreien durcheinander, vorne zieht ein Junge einem Mädchen brutal an den Zöpfen bis es weint.

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