Brasilien: Zur Kirche gehen

Firmung in einer kleinen Gemeinde bei Obidos.

Zur Kirche gehen. Für deutsche Ohren ist an diesem Satz so gar nichts Ungewöhnliches. Wieso auch? Wer den Gottesdienst besuchen, sein Kind für die katholische Kita anmelden oder den Pfarrer sprechen will, der macht sich eben auf den Weg und – geht zur Kirche. Für Johannes Bahlmann hat das Wort trotzdem etwas Bedenkliches. Es steht, genau genommen, für das Bild einer Kirche des Stillstands, die alle Bewegung von den Menschen erwartet. Der Bischof von Óbidos im Amazonas-Gebiet dreht die Perspektive um: Die Kirche muss zu den Menschen gehen, sie muss eine „Hingeh-Kirche“ sein. Der seit vier Jahren amtierende Bischof und seine 23 Priester machen mit diesem Anspruch Ernst. Gemeinsam sind sie für sieben Pfarreien und mehr als 600 kleine und kleinste Basisgemeinden zuständig, verteilt auf einer Fläche halb so groß wie die Bundesrepublik. Wenn die Geistlichen und etwa 20 im Bistum tätige Ordensschwestern sich nicht zu den Menschen in den Gemeinden aufmachten, läge der Kontakt alsbald brach. Die Bewohner der vielen winzigen Ufergemeinden, Ribeirinhos genannt, hätten keine Chance, eine Messe zu besuchen oder die Sakramente gespendet zu bekommen, kämen die Leute der Kirche nicht übers Wasser zu ihnen.

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Brasilien: Paradies ohne Perspektiven

Grrrr … – so wie der Piranha seine rasierklingenscharfen Zähne in die Kamera streckt, braucht es nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie sich die Beißerchen in einen Finger oder ein anderes Körperteil bohren. Da ist es gut, dass der Kleine zusammen mit ein paar Artgenossen und einer Handvoll größerer Fische schon seit gestern in der Eiskiste von Familie Laurimar liegt. Als eine von 91 Familien leben die Laurimars in Santa Rita, einer Siedlung direkt am Amazonas-Ufer, eine Tagesreise flussabwärts von Manáus.

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Brasilien: Der brasilianische Traum

David gegen Goliath, bei dieser biblischen Geschichte sind die Rollen klar aufgeteilt. Heutzutage könnte die Saga aus dem Alten Testament im brasilianischen Amazonas spielen. Denn hier, im Universum grüner Regenwälder und brauner Wassermassen, ist der Kampf zwischen Giganten und Zwergen im vollen Gang. Kleinbauern werden von Sojabaronen verdrängt, Indigene müssen ihre Reservate gegen Goldgräber verteidigen, und regionale Radiosender trotzen der medialen Allmacht von Fernsehsendern wie „Globo“ und „Bandeirante“.

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Brasilien: Mutmacher-Musik

Kling, klong, klong. Was João da mit den Saiten der Gitarre anstellt, klingt ehrlich gesagt ein bisschen schrömmelig. Zehn Jahre ist er alt, seit zwei Wochen hat er Gitarrenunterricht. Bis er „The girl from Ipanema“ fehlerfrei hinkriegt, wird es ganz sicher noch eine Weile dauern. Macht nichts, das Tolle ist ja, dass er überhaupt ein Instrument lernen darf. Hier, am äußersten Rand der Millionenmetropole Belém im Amazonasgebiet Brasiliens. Hier, wo die Menschen in einfachen Hütten leben und jeden Tag aufs Neue ihren Alltag meistern müssen, ist das nicht gerade eine Selbstverständlichkeit. Aber Schwester Aurilena und Schwester Edilamar haben sich genau hier niedergelassen, um die Armut der Leute zu teilen. „Comunidade inserida“ nennen sie das – eine „Gemeinschaft mittendrin“.

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Brasilien: Zwischen Lehm und Asphalt

„Der Fortschritt beginnt mit dem Asphalt“ heißt ein brasilianisches Sprichwort. Und davon können wir uns heute selbst überzeugen. Mit einem Minibus sind wir unterwegs auf den Straßen von Belém, Hauptstadt des Bundesstaates Pará und das „Tor zum Amazonas“. An uns vorbei rauschen Mangobäume, riesige Hochhäuser und immer wieder sogenannte „condomínios“; hoch eingezäunte, moderne Wohnanlagen mit Pförtnerhäuschen am Eingang. Unmittelbar daneben: schmutzige Lehmstraßen, gesäumt von mehr oder weniger provisorisch zusammengezimmerten Häusern.

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