Frankfurter Buchmesse: Adeus, Brasil!

Den Schlusspunkt setzt ein liebgewonnenes Ritual. Noch ein paar Stunden, dann ertönt in den Frankfurter Messehallen eine Ansage, in der allen für die Teilnahme gedankt und ihnen eine gute Heimreise gewünscht wird. Aus den Ständen und Kojen ertönt Applaus, und dann geht’s ans Einpacken. Ob die brasilianischen Gäste mit dem Ritual vertraut sind, wird sich herausstellen. Allerdings dürften viele von ihnen das Ende der turbulenten Messetage ein wenig herbeisehnen. Bei aller Aufmerksamkeit, die man hier und nirgendwo sonst in der Bücherwelt auf sich zieht, kostet Frankfurt eben viel Kraft. Zumal sich der Tross der Autoren und Autorinnen inzwischen aufgespalten hat und in andere Städte weitergezogen ist. Carola Saavedra meinte gestern beiläufig, sie habe die Tage am Main genossen, werde sich bis in die letzte Oktoberwoche aber auf zehn Auftritte in zehn verschiedenen Städten konzentrieren müssen.

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Frankfurter Buchmesse: Der Ball ist rund und das Resultat (fast) ein Geheimnis

Am Freitagabend fand ein wichtiges Fußballspiel statt. Nein, nicht das Länderspiel Deutschland gegen Irland, bei dem es um die Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien ging, sondern die allererste Begegnung zwischen den Autorennationalmannschaften Deutschlands und des Buchmessen-Gastlandes Brasilien. Wer noch nie etwas von der deutschen „Autonama“ und ihrem brasilianischen Counterpart „FC Pindorama“ gehört hat, glaubt vielleicht an einen Scherz. Keineswegs. Gekickt wird überall, auch in den höchsten Literatenkreisen. Und die Deutschen sind dabei sogar ziemlich erfolgreich. Über das für die brasilianischen Gäste nicht besonders schmeichelhafte Resultat des gestrigen Spiels schweigt man auf der Messe höflich.

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Frankfurter Buchmesse: Mutige Verleger und historische Fotografien

Was wäre der Messeauftritt der Brasilianer ohne den Mut und das Durchhaltevermögen von rund zwei Dutzend Verlagen im deutschsprachigen Raum? Viele haben Texte studiert, Exposés gesichtet und Gutachten verfasst, ehe sie jene Entscheidungen trafen, die zur Veröffentlichung der Romane, Erzählbände und Sachbücher aus und über Brasilien führten. „Verlag“ kommt von „vorlegen“, vom In-Vorlage-Treten, meistens natürlich in Form von Geld. Das sollte idealerweise wieder eingenommen werden. Größere Verlage operieren mit einer Mischkalkulation, so dass nicht so gut laufende Bücher im Fahrwasser der Bestseller existieren können. Bei kleineren Verlagen mit überschaubaren Programmen ist mehr Risiko im Spiel. Wenn es schlecht läuft, wird schon eine einzige hoffnungsfrohe Investition – vielleicht in ein Buch aus Brasilien – zur Existenzgefährdung.

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Frankfurter Buchmesse: In Brasilien ist Clarice noch lebendig

Die Aufregung, die den Messebeginn jedes Jahr begleitet, hat sich gelegt und ist der Routine gewichen. Die Verlagsleute haben ihre ersten Geschäftstermine hinter sich gebracht, die Schriftsteller ihre ersten Lesungen absolviert, und gefeiert worden ist am Abend des ersten Messetages bestimmt auch. Der schnelle Rundumblick des Messebesuchers weicht dem fokussierten.

Benjamin Moser und Moderatorin Carmen Stephan – auch sie mit großer Brasilien-Erfahrung – stellen die Biographie über Clarice Lispector vor.

Benjamin Moser und Moderatorin Carmen Stephan – auch sie mit großer Brasilien-Erfahrung – stellen die Biographie über Clarice Lispector vor.

Und wie leicht der Blick doch auf einem schönen Gesicht hängenbleibt… Es ist ein schmales Gesicht, umrahmt von kurzen, dunklen Haaren, mit einem hellen oder doch stark ausgeleuchteten Teint, zu dem die dunklen Lippen einen starken Kontrast bilden. In Brasilien kennen die meisten Literaturfans dieses Gesicht. Es gehörte einer Frau, über die sie in höchsten Tönen reden. Gestern Abend kam das Gespräch über Clarice Lispector auch zur Buchmesse, genauer: in den gut besetzten großen Vortragssaal der Deutschen Nationalbibliothek. Es galt, den Start der Lispector-Werkausgabe zu feiern. Die Romane der einflussreichsten brasilianischen Literatin des 20. Jahrhunderts sollen ab sofort in neuen oder sogar erstmalig angefertigten Übersetzungen erscheinen.

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Frankfurter Buchmesse: Kann Literatur eine Gesellschaft verändern?

IMG_3001_MittwochEin Rest von Sonne am ersten Messetag. Die Besucher aus dem Gastland sind, sofern sie nicht eh‘ in Gegenden leben, in denen die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten vernachlässigt werden können, vom brasilianischen Frühling in den deutschen Herbst gereist. Wahrscheinlich hält das Wetter noch, bis die ersten Open-Air-Veranstaltungen über die neu gestalteten Bühnen zwischen den Messehallen gegangen sind. Luiz Ruffato wird später dort auftreten. Den Schriftsteller dürfte jedoch selbst der stärkste Sturm nicht schrecken. Dazu gleich noch mehr.

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Frankfurter Buchmesse: Es kann losgehen

IMG_3012_webDie Autoren, Künstler, Verlagsleute und Funktionäre aus Brasilien sind da. Ihr Pavillon, in dem die vielfältige Kultur des Landes vorgestellt werden soll, ist aufgebaut. Die gesamte Branche, von ihren thematischen Zentren bis zu den feinsten Special-Interest-Verästelungen, steht in den Startlöchern. Und doch dauert es noch kleines Weilchen, bis die Frankfurter Buchmesse endgültig die Tore aufsperrt. Am Dienstagabend zunächst ein feierlicher Akt für geladenes Volk, ab Mittwoch in der Früh das Gewusel der Businessleute und am Wochenende offen für alle, die sich irgendwie zu Büchern (und dem ganzen Drumherum) hingezogen fühlen.

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