Brasilien: Hoffnung in Heliópolis

Menschen, die als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden, treffen Journalist Thomas Milz und Fotograf Florian Kopp in São Paulo für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. In dem Armenviertel Heliópolis besuchen sie Octávio, der trotz vieler Misserfolge noch Hoffnung hat.

Die Favela Heliopolis in São Paulo. Die Bewohner haben hier ein Netzwerk von Selbsthilfeorganisationen aufgebaut. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Hämmern, Sägen, Stimmengewirr. Wir sind im „Fab Lab“ der Favela Heliópolis in São Paulo. „Fab Lab“ steht für die Mischung aus Fabrik und Laboratorium. Hier können Kinder und Jugendliche aus der Favela in Handwerksberufe reinschnuppern, können die Werkzeuge von Bohrmaschine, Fräsen bis hin zu 3D-Lasern für ihre Projekte benutzen. Voraussetzung: Es muss etwas gebaut werden, das der Gemeinschaft dient.

Jugendlicher beobachtet einen Roboter, Projektarbeit im Ausbildungszentrum „Fab Lab Live“ der Organisation UNAS. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Heliópolis ist nicht irgendeine Favela. Sie ist über die Jahre zum Sinnbild für Eigenverantwortung geworden. Rund 700 Angestellte, alle aus der Favela, arbeiten bei UNAS, der Anwohnervereinigung, die in Heliópolis einfach alles organisiert: Schulen, Gesundheitsposten, Kulturangebote, Berufsausbildung für alle Altersschichten. Dabei unterstützen sie sowohl Privatunternehmen wie auch Stadt und Land, die für die von UNAS übernommenen Aufgaben bezahlen.

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Das Recht auf das eigene Land: Vila Autodromo

Rammen dröhnen, Abrissbagger graben ihre große Schaufeln in den Schutt, die Kulisse wirkt wie in einem Kriegsfilm: Von den meisten Häusern des Viertels Vila Autodromo in Rio de Janeiro sind nur noch Ruinen übrig.

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„Wir wollen hier nicht weg!“ Angesichts der Bagger und Planierraupen klingt der Aufruf von Maria Penha zwar fest, aber irgendwie verloren. Denn die Türme des Olympiaparks wachsen nur hundert Meter weiter in gigantische Höhen. Keine Chance, dieser Perspektive zu entkommen. Dennoch: Die kleine Frau wirkt entschlossen.

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Kinderalltag in Rio: Maria Clara aus „Complexo 18“

Maria Clara stapft angestrengt den Hügel hoch. Zwischen Steinen, Matsch und Müll setzt sie ihre kleinen Füßchen in den bunten Flipflops. Jeden Wochentag macht die Zweijährige um kurz vor sieben an der Hand ihrer Mutter den Aufstieg.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis "Rio bewegt. Uns." ist.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ ist.

Denn dann geht es in die Kita. Sie liegt nicht weit weg von ihrem Haus, aber der große Hügel ist eine enorme Hürde für die Kleine. Viele Kinder steigen zu dieser Zeit den Hügel hinauf, an der Hand ihrer Eltern oder älteren Geschwister. Die, die niemanden haben, der sie bringt, können nicht zur Kita kommen – der Aufstieg ist zu beschwerlich und zu gefährlich. Nicht nur wegen der Rutschgefahr.

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Brasilien: Favela, Fußball, Kulturschock

christina und pele

Wir fahren mit dem Auto durch die schmalen Straßen den Berg hoch. Rechts und links sind Häuser. Nebeneinander, übereinander. „Wir sind hier in einer richtig gefährlichen Gegend“, sagt meine Kollegin neben mir. Die Favela Morro da Mineira ist zwar „befriedet“, liegt aber zwischen zwei anderen Armenvierteln in Rio de Janeiro, deren Drogenbanden sich nicht selten bekriegen.

AnsichtDeswegen stehen dort, wo wir aussteigen, unzählige schwer bewaffnete Polizisten. Zum Schutz für uns und die anderen Journalisten aus aller Welt. Denn hier, mitten in der Favela, findet heute die Präsentation eines weltweit einzigartigen Fußballplatzes statt: 200 kinetische Platten unter dem Kunstrasen und Solarmodule auf den Lampen sorgen dafür, dass abends die sechs Flutlichter am Rand des Rasens leuchten. Die Bewegung der Spieler beziehungsweise ihre Schritte erzeugen die notwendige Energie. Pate des Projekts ist kein geringerer als Fußballlegende Pelé. Deswegen haben sich rund um den Maschendrahtzaun, der den Platz umgibt, auch schon einige Menschen eingefunden. Trotz der frühen Uhrzeit und der brennenden Sonne.

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Brasilien: Foul gegen das Favela-Volk

DSC_346665 Jahre ist sie alt, 54 davon hat sie in Buraco Quente verbracht. Jetzt muss Terezinha Sousa weg. Als letzte Bewohnerin der Favela, denn die war der Einspurbahn im Weg, die demnächst das Morumbi-Stadion mit dem Rest der Mega-Metropole São Paulo verbinden soll.

Jetzt wird das Stadion des FC São Paulo zwar doch keine WM-Spielstätte, wie ursprünglich geplant, aber die Bahn kommt trotzdem und alle ehemaligen Nachbarn sind längst an den äußersten Stadtrand verschwunden. „Die letzten werden die ersten sein“, sagt die alte Dame und lächelt tapfer. Dann rollen ihr doch die Tränen übers Gesicht. Ihre fünf Kinder sind in diesen Wänden groß geworden, sie hat hier die wichtigsten Momente erlebt. Wenn bald die Bulldozer alles niederreißen, werden sie auch Terezinhas Erinnerungen in Schutt und Asche legen.

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Brasilien: Fußball und Favela – Willkommen in Rio!

Mein Nebenmann im Flugzeug ist neidisch. Im Landeanflug nach Lissabon regnet es, doch er wird aussteigen und seiner Arbeit bei einer Bank nachgehen. Gerne würde er wie ich weiterfliegen nach Rio des Janeiro, in die „Cidade Maravilhosa“, die wunderbare Stadt, wie sie auf Portugiesisch genannt wird. Und das stimme, schwärmt er von Copacabana und: Favela. Ob ich wisse, was eine Favela sei, will er wissen. Er rät nicht etwa ab, mich von den Armenvierteln fern zu halten, sich nur in den Teilen der Mega-City zu bewegen, die als sicher gelten. In Tagen wie diesen, in denen Soldaten der Armee Elendsviertel befrieden, von Drogenbossen befreien, damit beim Sportevent des Jahres, der Fußball-Weltmeisterschaft, Fans aus aller Herrenländer sicher sind. Nein, ich soll eine Tour durch eine Favela machen, rät mit der junge Mann im schicken Anzug. „Die meisten Menschen, die dort leben, sind keine Verbrecher. Es sind einfache, arme Leute, die ganz normal sind – wie du und ich“, sagt er und nippt an seinem Bier im Plastikbecher.

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