Brasilien: Favela, Fußball, Kulturschock

christina und pele

Wir fahren mit dem Auto durch die schmalen Straßen den Berg hoch. Rechts und links sind Häuser. Nebeneinander, übereinander. „Wir sind hier in einer richtig gefährlichen Gegend“, sagt meine Kollegin neben mir. Die Favela Morro da Mineira ist zwar „befriedet“, liegt aber zwischen zwei anderen Armenvierteln in Rio de Janeiro, deren Drogenbanden sich nicht selten bekriegen.

AnsichtDeswegen stehen dort, wo wir aussteigen, unzählige schwer bewaffnete Polizisten. Zum Schutz für uns und die anderen Journalisten aus aller Welt. Denn hier, mitten in der Favela, findet heute die Präsentation eines weltweit einzigartigen Fußballplatzes statt: 200 kinetische Platten unter dem Kunstrasen und Solarmodule auf den Lampen sorgen dafür, dass abends die sechs Flutlichter am Rand des Rasens leuchten. Die Bewegung der Spieler beziehungsweise ihre Schritte erzeugen die notwendige Energie. Pate des Projekts ist kein geringerer als Fußballlegende Pelé. Deswegen haben sich rund um den Maschendrahtzaun, der den Platz umgibt, auch schon einige Menschen eingefunden. Trotz der frühen Uhrzeit und der brennenden Sonne.

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Katholikentagsblog: Im Team von Bischof Overbeck

DJK-Präsident Volker Monnerjahn und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens (v.l.) gaben ihr Bestes gegen Bischof Overbeck.

DJK-Präsident Volker Monnerjahn und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens (v.l.) gaben ihr Bestes gegen Bischof Overbeck.

Fünf gegen fünf, umgeben von einer Bande aus Luft gefülltem Plastik, Sonnenschein und jeder Menge Spaß. Am Freitag konnten wir hinter dem Adveniat-Stand (VII HW-17) endlich den Menschenkicker eröffnen.JE_140530_0723

Ein Ehrengast war auch dabei: Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck, Botschafter unserer Aktion Steilpass.
Wie selbstverständlich stieg er in den Menschenkicker und stand als Torwart bravourös seinen Mann.

Nicole Katitsch spielte im Team von Bischof Overbeck.

Nicole Katitsch spielte im Team von Bischof Overbeck.

Wir kämpften zusammen: zwei junge Besucher, meine Kollegin Maria Herrero, Bischof Overbeck und ich.
Unsere Handgelenke lagen in breiten Schlaufen, die Beine waren zur Bewegung frei, die Köpfe nach kurzer Zeit hochrot – vom laufen, jubeln und schreien.

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Brasilien: Foul gegen das Favela-Volk

DSC_346665 Jahre ist sie alt, 54 davon hat sie in Buraco Quente verbracht. Jetzt muss Terezinha Sousa weg. Als letzte Bewohnerin der Favela, denn die war der Einspurbahn im Weg, die demnächst das Morumbi-Stadion mit dem Rest der Mega-Metropole São Paulo verbinden soll.

Jetzt wird das Stadion des FC São Paulo zwar doch keine WM-Spielstätte, wie ursprünglich geplant, aber die Bahn kommt trotzdem und alle ehemaligen Nachbarn sind längst an den äußersten Stadtrand verschwunden. „Die letzten werden die ersten sein“, sagt die alte Dame und lächelt tapfer. Dann rollen ihr doch die Tränen übers Gesicht. Ihre fünf Kinder sind in diesen Wänden groß geworden, sie hat hier die wichtigsten Momente erlebt. Wenn bald die Bulldozer alles niederreißen, werden sie auch Terezinhas Erinnerungen in Schutt und Asche legen.

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Brasilien: Im legendären Fußballtempel von Rio de Janeiro

Im Maracana-Stadion beim großem Derby Flamengo - Vasco da Gama.

Im Maracana-Stadion beim großem Derby Flamengo – Vasco da Gama.

Es gibt ein paar Träume, die möchte man gerne einmal in der Realität erlebt haben. Manche davon erfüllen sich natürlich nie, andere gehen auf einmal in Erfüllung. Und so sitze ich nun im Maracana-Stadion, diesem legendären Fußballtempel in Rio de Janeiro, wo am 13. Juli auch das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden wird.

Mein Platz ist im Bloco 123, mithin in jener Kurve also, die hier und heute von den rot-schwarz gekleideten Fans des Vereins Flamengo beherrscht wird. Sie trommeln und singen, einige tanzen. Manchmal wird es richtig laut. Ich verstehe die Sprache nicht, ahne aber doch, dass es jetzt auch um ein paar handfeste Schmähungen geht, die den anderen gelten, die auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions sitzen. Es sind die schwarz-weiß gekleideten Fans von Vasco da Gama.

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Brasilien: Die Kehrseite der Medaillen

Als im Juni 2013 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer den Confederation Cup in Brasilien zum Anlass nahmen, um auf den Straßen zu protestieren, richtete sich der Protest nicht gegen den Fußball. Die Menschen klagten Korruption und Ämtermissbrauch an und forderten mehr Bürgerbeteiligung, Verbesserungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildung und Transportwesen: Warum ist Brasilien in der Lage, Milliarden Euro in den Neubau von Fußball-Arenen und die Infrastruktur der Fußball-Weltmeisterschaft zu investieren, schafft es aber nicht, für alle Menschen im Land eine erreichbare, bezahlbare und funktionierende Gesundheitsversorgung einzurichten?

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Brasilien: Fußball und Favela – Willkommen in Rio!

Mein Nebenmann im Flugzeug ist neidisch. Im Landeanflug nach Lissabon regnet es, doch er wird aussteigen und seiner Arbeit bei einer Bank nachgehen. Gerne würde er wie ich weiterfliegen nach Rio des Janeiro, in die „Cidade Maravilhosa“, die wunderbare Stadt, wie sie auf Portugiesisch genannt wird. Und das stimme, schwärmt er von Copacabana und: Favela. Ob ich wisse, was eine Favela sei, will er wissen. Er rät nicht etwa ab, mich von den Armenvierteln fern zu halten, sich nur in den Teilen der Mega-City zu bewegen, die als sicher gelten. In Tagen wie diesen, in denen Soldaten der Armee Elendsviertel befrieden, von Drogenbossen befreien, damit beim Sportevent des Jahres, der Fußball-Weltmeisterschaft, Fans aus aller Herrenländer sicher sind. Nein, ich soll eine Tour durch eine Favela machen, rät mit der junge Mann im schicken Anzug. „Die meisten Menschen, die dort leben, sind keine Verbrecher. Es sind einfache, arme Leute, die ganz normal sind – wie du und ich“, sagt er und nippt an seinem Bier im Plastikbecher.

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