Mexiko: Gefängnispastoral unter Beobachtung

Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent bei Adveniat trifft Fray Carlos Mauricio Jiménez, den Leiter der Gefangenenseelsorge in Veracruz. Er berichtet über seine Arbeit und die Situation der Gefangenen.
Fray Carlos Jimenéz

Fray Carlos Mauricio Jimenéz. Foto: Parroquia Nuestra Señora de la Merced.

„Die Aufgaben der Gefangenenseelsorge in Veracruz sind: Begleitung der Gefangenen und Ex-Gefangenen und ihrer Angehörigen. Der Gouverneur von Veracruz ließ wegen der Spannungen unter den Gefangenen, die den verschiedenen Kartellen angehören, das Gefängnis schließen und es gut zwei Autostunden weit weg verlegen. Veracruz, die Hafenstadt des Landes, ist ein hart umkämpftes Einflussgebiet unter den Kartellen. Dies ist der Grund für die hohe Kriminalitätsrate und die vielen Morde. Auch die Kirche ist davon betroffen.

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Brasilien: In medias res

Ganz sanft setzen die Räder des Flugzeugs auf dem Rollfeld auf. Die Uhr zeigt 04:50 Uhr an – eigentlich noch viel zu früh zum Aufstehen. Doch was soll’s, nach 12 Stunden Flug quer über den Atlantik kann man sich auch schon einmal die Beine vertreten. Am Flughafen von Rio de Janeiro erwartet uns schon Klemens Paffhausen, Brasilien-Referent bei Adveniat, unser Übersetzer und Reiseleiter. An seiner Seite: Roberto José dos Santos. Er ist Koordinator der Kommission für religiöse Betreuung von jugendlichen Straftätern der Erzdiözese Rio. Denn unsere ersten beiden Stationen sind zwei Jugendgefängnisse auf der „Ilha do Governador“, derselben Insel, auf der der Flughafen liegt – ein krasser Einstieg, wenn man bedenkt, dass der gemütliche Alltag zuhause in Deutschland nicht einmal 24 Stunden entfernt ist.

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Peru: Eingeschlossene Gesellschaft

„Keine Handys, keine Taschen – nur den Ausweis!“ So lautet die klare Ansage von Pfarrer Norbert Nikolai, bevor er mit uns durch die Tür zu Limas größtem Knast geht. 8.000 Männer sitzen in „San Juan de Lurigancho“ ein: Mörder, Vergewaltiger, Drogenhändler, Diebe, Kleinkriminelle, Unschuldige – zusammengehalten von den Scharfschützen auf den Wachtürmen. Die Männer geben neben ihren Pässen die Fingerabdrücke am Eingang ab, wir Frauen werden peinlich genau gefilzt. Nummer 0010 – die silberne Eintrittsmarke zur anderen Welt liegt kalt in meiner Hand. Als ich in die Sonne trete, richten sich Hunderte Blicke auf mich.

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Mexiko: Ihr Verbrechen ist, auf der Welt zu sein.

Mit bis zu 400 Menschen ist das Gefängnis in im nordmexikanischen Saltillo zu Spitzenzeiten belegt. Hauptsächlich Männer mittleren Alters, aber immer mehr Frauen und Kinder werden dort aufbewahrt. Natürlich ist es kein Gefängnis, denn auch das mexikanische Gesetz beurteilt den Aufenthalt ohne gültige Papiere nicht als Straftat. Aber die Mauern sind hoch, die Beamten zahlreich, die Trennung von Onkel oder Ehefrau schmerzhaft.

Ihre Tat: Sie sind auf der Suche nach einem besseren Leben. Ihr Ziel: In die USA zu kommen um ein bisschen Geld für ihre Lieben daheim zu verdienen; um nach oft jahrelanger Trennung ihre Eltern wiederzusehen. Dafür können sie nicht die notwendigen Papiere vorweisen. Und sie hatten Pech, sie wurden von der „Migra“ erwischt. Laut Vereinbarung zwischen Mexiko und den USA kümmern sich Erstere darum, die TransmigrantInnen abzuschieben.

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Besuch im Gefängnis von Lurigancho


Mit Pfarrer Norbert Nikolai fahren Bischof Franz-Josef Overbeck und ich zum Gefängnis im Stadtteil Lurigancho. Der Knast ist mit 7.500 Einsitzenden nicht nur der größe Limas, sondern in ganz Peru. „Noch vor drei Jahren war es hier weitaus schlimmer“, versucht P. Nikolai uns vorzubereiten – da lebten hier mehr als 10.000 Gefangene. Inzwischen wurden im Landesinneren weitere Gefängnisse gebaut, und so kommen nicht mehr so viele nach Lurigancho. „An der Situation der Strafverfolgung und den Haftbedingungen hat das allerdings kaum etwas verändert“, sagt P. Nikolai.

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In Lima

Der Zeitunterschied zwischen São Paulo und Peru beträgt derzeit drei Stunden, so dass wir bereits vor elf Uhr morgens in Lima landen. Erzbischof Zollitsch und seine Delegation, unter ihnen Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka, wird heute Nachmittag weiterreisen nach Trujillo: Dort findet der erste Teil der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft der Erzdiözese Freiburg mit Peru statt. Ich bleibe mit Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck in Lima. Der Essener Bischof möchte Pfarrer Norbert Nikolai besuchen. Er leistet als „Fidei-Donum-Priester“ des Bistums Essen einen pastoralen Dienst in der peruanischen Hauptstadt. Vier „Fidei-Donum-Priester“ hat die Diözese Essen in Lateinamerika – sei werden wir in den nächsten Tagen besuchen und ihre Arbeit kennen lernen. „Fidei Donum“ bedeutet, dass der Bischof der Heimatdiözese einen Priester für einen befristeten Dienst im Ausland frei stellt.

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