Mexiko: Geteilte Stadt

Journalistin Kathrin Zeiske lebt in Mexiko. Für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat recherchierte sie vor Ort mit Fotograf Jürgen Escher – und lernte dabei ihre aktuelle Heimatstadt Ciudad Juárez neu kennen.

In Ciudad Juárez lebt ein Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut, obwohl er hart und zeitintensiv arbeitet. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Ich lebe seit über einem Jahr in Ciudad Juárez. Als Zugezogene vergesse ich manchmal, dass es eine geteilte Stadt ist. Und damit meine ich nicht die Grenze zu El Paso, die ebenfalls absurd ist und Familien trennt. In Ciudad Juárez verläuft eine unsichtbare Linie zwischen Arm und Reich.

Natürlich ist sie nicht völlig unsichtbar. Klar ersichtlich ist, dass in den Häusermeeren im Westen und Süden nur materiell arme Menschen im Wüstenstaub wohnen. Und dass die Villen mit Säulen und Kuppelbauten hinter Eisentoren im grün bewässerten Westen der Stadt stehen. Weniger ersichtlich ist, dass sich aus dieser Gegend nie jemand ins Zentrum verirrt.

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Mexiko: Gefängnispastoral unter Beobachtung

Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent bei Adveniat trifft Fray Carlos Mauricio Jiménez, den Leiter der Gefangenenseelsorge in Veracruz. Er berichtet über seine Arbeit und die Situation der Gefangenen.
Fray Carlos Jimenéz

Fray Carlos Mauricio Jimenéz. Foto: Parroquia Nuestra Señora de la Merced.

„Die Aufgaben der Gefangenenseelsorge in Veracruz sind: Begleitung der Gefangenen und Ex-Gefangenen und ihrer Angehörigen. Der Gouverneur von Veracruz ließ wegen der Spannungen unter den Gefangenen, die den verschiedenen Kartellen angehören, das Gefängnis schließen und es gut zwei Autostunden weit weg verlegen. Veracruz, die Hafenstadt des Landes, ist ein hart umkämpftes Einflussgebiet unter den Kartellen. Dies ist der Grund für die hohe Kriminalitätsrate und die vielen Morde. Auch die Kirche ist davon betroffen.

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Mexiko: In den Fängen der Kartelle

Der Bundesstaat Veracruz wird beherrscht von Gewalt und Kriminalität. Was dagegen getan wird, erfährt Adveniat-Referent für Mexiko, Reiner Wilhelm, während seiner Projektreise.
Eine nur schwach beleuchtete Straße bei Nacht.

Eine Straße bei Nacht in Veracruz. Foto: Nacho Betancourt. CC BY-NC-ND 2.0

„Veracruz ist voller Leichen“, sagte mir Padre Julián Verónica, Leiter der Sozialpastoral des mexikanischen Bundesstaates Veracruz. 15 Massengräber mit tausenden Leichen seien gefunden worden. Viele Angehörige suchen ihre vermissten Verwandten. Verantwortlich ist das organisierte Verbrechen, zu 80 Prozent aber Sicherheitskräfte wie Polizei und Militär. Die Korruption ist überbordend. Vielfach ist es gefährlich, nach den Toten zu suchen. Die Kirche ist hier engagiert, insbesondere bei der Suche und Identifikation von Verschwundenen. Dabei stehen auch die Verteidiger der Menschenrechte in Gefahr, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Leiter von Gemeinden und Führer von Gruppen werden entführt, gefoltert und umgebracht. Ein wirksamer Schutz besteht nur darin, Öffentlichkeit zu erzeugen. Aber dieser Schutz ist nicht umfassend. Die Kirche wird immer noch respektiert, wenn auch der Blutzoll von Priestern, Ordensleuten und engagierten Laien hoch ist. Die Sozialpastoral sieht ihre Aufgabe darin, das soziale Netz wieder herzustellen und in den Konflikten zu moderieren.

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Mexiko: Im Griff des Verbrechens

Arbeitslosigkeit, Gewalt und organisiertes Verbrechen sind im Bundesstaat Veracruz bitterer Alltag. Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent von Adveniat, besucht dort Hilfsprojekte.
Ein mit Schnee bedeckter Berg

Der Citlaltépetl oder die Spitze von Orizaba. Foto: Angélica Portales. CC BY-NC-ND 2.0

Nun bin ich in Veracruz angekommen, der Bundesstaat, der in den letzten Jahren und Monaten durch Entführungen und Morden, auch an Priestern, in die Schlagzeilen geraten ist. Als erstes besuchte ich die Diözese Coatzacoalcos, die 1984 gegründet wurde. Sie umfasst die Stadt, die von der Erdölindustrie geprägt ist, und ein weites Umland. Durch die Wirtschaftskrise sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Sehr problematisch ist der starke Einfluss des organisierten Verbrechens: Morde und Entführungen sind inzwischen Alltag geworden.

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Das Recht auf das eigene Land: Vila Autodromo

Rammen dröhnen, Abrissbagger graben ihre große Schaufeln in den Schutt, die Kulisse wirkt wie in einem Kriegsfilm: Von den meisten Häusern des Viertels Vila Autodromo in Rio de Janeiro sind nur noch Ruinen übrig.

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„Wir wollen hier nicht weg!“ Angesichts der Bagger und Planierraupen klingt der Aufruf von Maria Penha zwar fest, aber irgendwie verloren. Denn die Türme des Olympiaparks wachsen nur hundert Meter weiter in gigantische Höhen. Keine Chance, dieser Perspektive zu entkommen. Dennoch: Die kleine Frau wirkt entschlossen.

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Kinderalltag in Rio: Maria Clara aus „Complexo 18“

Maria Clara stapft angestrengt den Hügel hoch. Zwischen Steinen, Matsch und Müll setzt sie ihre kleinen Füßchen in den bunten Flipflops. Jeden Wochentag macht die Zweijährige um kurz vor sieben an der Hand ihrer Mutter den Aufstieg.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis "Rio bewegt. Uns." ist.

Mittagessen in der Kinderkrippe Pintinho Dourado (Goldenes Küken): Für mache Kinder sind die Mahlzeiten das einzige Essen, das sie bekommen. Die KiTa wird vom Verein Kinder in Rio getragen, der Mitglied im Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ ist.

Denn dann geht es in die Kita. Sie liegt nicht weit weg von ihrem Haus, aber der große Hügel ist eine enorme Hürde für die Kleine. Viele Kinder steigen zu dieser Zeit den Hügel hinauf, an der Hand ihrer Eltern oder älteren Geschwister. Die, die niemanden haben, der sie bringt, können nicht zur Kita kommen – der Aufstieg ist zu beschwerlich und zu gefährlich. Nicht nur wegen der Rutschgefahr.

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