Gottesdienst per Live-Stream – kommt da was an?

Eröffnung Büro - Adveniat

Zwischen kühler Technik und adventlicher Emotion – meine Live-Stream-Kulisse

Ich muss gestehen, ich bin bei Fernsehgottesdiensten oder Messen per Livestream immer etwas skeptisch. Auch wenn es natürlich erst einmal eine nach wie vor faszinierende Technik ist, die Menschen weltweit an etwas Teil haben lässt, das sie sonst wohl nicht miterleben würden. Aber irgendwie fehlt da natürlich etwas. Ein so emotional aufgeladenes Ereignis wie einen Gottesdienst vor dem Flachbildschirm mitzuerleben –

Was kommt da überhaupt an?

Ohne dass ich an der Heiligen Kommunion teilnehmen kann? Ohne die Gemeinschaft in einem Raum zu teilen? Und ohne mitzusingen? Na gut, ich könnte – aber naja…

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Chile: Gottesdienst auf Mapuche – intensiv und nah

Im gleichmäßigen Rhythmus schlägt Pater Carlos die Trommel. Leise, um das Gebet zu untermalen, nicht zu stören. Ein Junge spielt den gleichen Takt mit der Maultrommel. Zu den meditativen Klängen sprechen die Menschen in der kleinen Kapelle ihre Fürbitten: Sie danken für den ersehnten Regen, der in der Nacht endlich gefallen ist, sie bitten für die Menschen, die das Meer bei einem Flugzeugabsturz vor zwei Wochen verschluckt und noch nicht wieder hergegeben hat, um Schutz für sich und ihre Familien und für die Besucher aus Deutschland, die heute an ihrer Messe teilnehmen. Die meisten der elf einheimischen Gläubigen sprechen eine Fürbitte, ausführlich, sie nehmen sich Zeit. Ist die Bitte ausgesprochen, wird das Trommeln von Pater Carlos lauter. Auf Mapudungun, der Sprache der Mapuche, singt er den Fürbittruf. Doch nicht nur der Ruf, auch die Trommel stammt aus der Kultur der Mapuche: Sie heißt Cultrún und wird bei den Mapuche genutzt, um mit Gott in Verbindung zu treten. Mit solchen Mitteln versucht Pater Carlos, die Kultur des Urvolkes und den katholischen Glauben zu verbinden. Seit acht Jahren lebt der Jesuit bei den Mapuche. In einer kleinen Kommunität in der Nähe von Tirúa, rund 250 Kilometer südlich der Hafenstadt Concepción. 14 kleine Gemeinden betreuen die Ordensleute. Hier feiern sie regelmäßig Messen, wie an diesem Sonntag in „Las Missiones“, weniger Kapelle als selbst gezimmerte Holzhütte.

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WJT: Vigil und Abschlussgottesdienst – Impressionen

Tolle neue Begegnungen, die konnte man beim Weltjugendtag bei jeder Gelegenheit machen. Und sei es beim Gang zur Toilette. Denn bei 300 Dixis für 3.000.000 Menschen hatte man zwischen Abschlussmesse und Vigil an der Copacabana jede Menge Zeit zum Plaudern. Bei mir verlängerte sich diese Zeit unfreiwillig noch ein wenig. Denn die Toiletten befanden sich auf der anderen Straßenseite. Und als ich um17 Uhr von einem solchen Gang zurückkehren wollte, musste ich feststellen, dass zwei Minuten zuvor die komplette Straße abgesperrt worden war und niemand mehr zum Strand durfte, da der Papst ja um 20 Uhr dort  entlang fahren sollte. Also verbrachte ich, abgeschnitten von den anderen, drei Stunden hinter der Absperrung, aber wenigstens direkt in der zweiten Reihe, und schloss einige weitere Kontakte. Als Franciscus dann endlich in seinem Papamobil heranrollte jubelten ihm alle mit ihren selbstgebastelten transparenten mit Sprüchen wie, VIVA Papa, zu und auch ich begrüßte ihn wedelnd mit meiner Toilettenpapierrolle!

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WJT: Eröffnungsgottesdienst an der Copacabana

Mit einem großen Gottesdienst am berühmten Strand des Stadtteils Copacabana hat der katholische Weltjugendtag in Rio de Janeiro begonnen. Hunderttausende Menschen nahmen an der Messe mit Rios Erzbischof Orani João Tempesta teil – trotz regnerisch-stürmischen Wetters. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Doris Keil, eine der Gewinnerinnen des Adveniat-Wettbewerbs ‚JüngerSchafft – Dein Ticket nach Rio‘ berichtet im Video von ihren Eindrücken.

Video:
Sprecher: Doris Keil. Produktion: Mareille Landau

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Brasilien: Zur Kirche gehen

Firmung in einer kleinen Gemeinde bei Obidos.

Zur Kirche gehen. Für deutsche Ohren ist an diesem Satz so gar nichts Ungewöhnliches. Wieso auch? Wer den Gottesdienst besuchen, sein Kind für die katholische Kita anmelden oder den Pfarrer sprechen will, der macht sich eben auf den Weg und – geht zur Kirche. Für Johannes Bahlmann hat das Wort trotzdem etwas Bedenkliches. Es steht, genau genommen, für das Bild einer Kirche des Stillstands, die alle Bewegung von den Menschen erwartet. Der Bischof von Óbidos im Amazonas-Gebiet dreht die Perspektive um: Die Kirche muss zu den Menschen gehen, sie muss eine „Hingeh-Kirche“ sein. Der seit vier Jahren amtierende Bischof und seine 23 Priester machen mit diesem Anspruch Ernst. Gemeinsam sind sie für sieben Pfarreien und mehr als 600 kleine und kleinste Basisgemeinden zuständig, verteilt auf einer Fläche halb so groß wie die Bundesrepublik. Wenn die Geistlichen und etwa 20 im Bistum tätige Ordensschwestern sich nicht zu den Menschen in den Gemeinden aufmachten, läge der Kontakt alsbald brach. Die Bewohner der vielen winzigen Ufergemeinden, Ribeirinhos genannt, hätten keine Chance, eine Messe zu besuchen oder die Sakramente gespendet zu bekommen, kämen die Leute der Kirche nicht übers Wasser zu ihnen.

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Brasilien: Zwischen Lehm und Asphalt

„Der Fortschritt beginnt mit dem Asphalt“ heißt ein brasilianisches Sprichwort. Und davon können wir uns heute selbst überzeugen. Mit einem Minibus sind wir unterwegs auf den Straßen von Belém, Hauptstadt des Bundesstaates Pará und das „Tor zum Amazonas“. An uns vorbei rauschen Mangobäume, riesige Hochhäuser und immer wieder sogenannte „condomínios“; hoch eingezäunte, moderne Wohnanlagen mit Pförtnerhäuschen am Eingang. Unmittelbar daneben: schmutzige Lehmstraßen, gesäumt von mehr oder weniger provisorisch zusammengezimmerten Häusern.

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