Argentinien: Der “cura villero” von Carcova

Padre Pepe (Mitte)  und Aladio Alberto Aquilles (rechts) auf der Baustelle der Kapelle "San Cayetano te Eseranza" im Gespräch mit einem Bauarbeiter.

Padre Pepe (Mitte) und Aladio Alberto Aquilles (rechts) auf der Baustelle der Kapelle „San Cayetano te Eseranza“ im Gespräch mit einem Bauarbeiter.

Der mit Marienbildern beklebte Fiat, zugegebenermaßen ein schon älteres Modell, stoppt vor der Bahnstation von Pedro Leon Suarez, am Stadtrand von Buenos Aires. Padre Pepe steigt aus, die Haare zerzaust, ein dichter Bart – er wäre der perfekte Jesus-Darsteller auf Osterfestspielen.

Wir fahren in die nahe gelegene “Villa” Carcova, eines der gefährlichsten Elendsviertel von Buenos Aires. Hier lebt Padre Pepe seit seiner Rückkehr nach Buenos Aires vor rund sechs Monaten. Seit 15 Jahren ist er “embedded”, lebt er als “Villapadre” mitten unter den ärmsten Menschen der sonst so gerne ihren Reichtum zeigenden Hauptstadt.

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Mexiko: Welcher Beweise bedarf es noch?

Gruppenfoto der Kongressteilnehmer.

Rund einhundert aktive Christ/innen, Theolog/innen und Bischöfe aus ganz Lateinamerika und Deutschland kamen in Mexiko-Stadt zusammen, um über das Thema Großstadtpastoral zu diskutieren. In der Kapelle des Tagungshauses, das der Mexikanischen Bischofskonferenz gehört, gibt es im Altarraum ein großes Mosaik, dass den Indígena Juan Diego zeigt, wie er im Jahr 1531 vor dem Bischof Juan de Zumarraga seinen Mantel ausbreitet. Dieser Mantel zeigt das Bildnis der Jungfrau von Guadalupe, die dem frisch getauften Indígena drei Mal erschienen war. Der Bischof, der dem Indígena bei dessen ersten Besuch die Geschichte von der Marienerscheinung nicht glauben wollte, ließ sich von diesem Zeichenwunder überzeugen. Unmittelbar darauf begann die liebevolle Verehrung der Jungfrau von Guadalupe, die auch heute den allermeisten Mexikaner/innen sehr am Herzen liegt. Diese Geschichte wird in ganz Mexiko lebendig gehalten, auch deutsche Reiseführer geben sie anschaulich wieder. In der Kapelle der Bischofskonferenz fällt mir auf, dass es sich auch um eine Konfliktgeschichte handelt: Der Bischof glaubte dem Indígena Juan zunächst nicht, wies ihn zurück. Erst nachdem dieser wiederkam und den geforderten Beweis erbrachte, nahm er den Indígena ernst und folgte der Botschaft, die er überbrachte.

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Mexiko: Umkehr in der Großstadtpastoral notwendig

Nun ist der Kongress in Mexiko-Stadt zum Thema „Stadtpastoral“ nach 5 intensiven Arbeitstagen am Samstag zu Ende gegangen. Das Thema erwies sich als ausgesprochen vielfältig: Von Umweltproblemen in der Stadt bis zur wachsenden Gewaltkriminalität, von neu geschaffenen spirituellen Zentren bis zur Zunahme der Pfingstkirchen, von theologischen Grundfragen des Verhältnisses Kirche-Welt in der späten Moderne bis zu praktischen Fragen der Organisation pastoraler Arbeit, alles Mögliche wurde angesprochen, viele Vorträge waren ausgesprochen anregend und bereichernd, zumal die Teilnehmer/innen ja aus ganz Lateinamerika zusammen gekommen waren.

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Mexikanische Pastoralkonzepte in Deutschland denkbar?

Die Kathedrale in der Innenstadt von Mexiko.

Mit dem Thema „Pastoral Urbana“ stand heute ein von meinem üblichen Studienverlauf abweichender Programmpunkt auf der Tagesordnung. Der Weg von meiner Wohnung, einer Pfarrgemeinde im „ambiente popular“, zum Kongressort, dem Sitz der Conferencia del Episcopado Mexicano, führte in ein Randgebiet von Mexiko-Stadt. Die Dimensionen des Gebäudes der Mexikanischen Bischofskonferenz sind beachtlich.

„Großstadtpastoral“ – was muss ich mir als Deutscher unter diesem Thema vorstellen? Während eine Vielzahl der Großstädte unserer Heimat nicht einmal die Millionenmarke übersteigt, befinden wir uns hier in Mexiko-City, einer Megastadt. Wird über Großstadtpastoral debattiert, müssen zunächst die Realitäten einer Großstadt analysiert werden: Welche verschiedenen Subjekte leben in dieser Stadt? Welche Bevölkerungsschichten und Ethnien ballen sich hier? Wie und unter welchen Bedingungen wird in dieser Stadt gelebt und gearbeitet? Wie funktioniert diese Stadt unter logistischen Gesichtspunkten? Erst in einem nächsten Schritt wird auf die Pastoral geschaut: Muss sich das traditionelle Pastoralverständnis verändern? Wie müssen neue Pastoralkonzepte aussehen, die die Menschen einer Megastadt erreichen wollen?

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Mexiko: Indigenenpastoral? Das ist doch ganz einfach!

Podiumsdiskussion beim Internationalen Kongress mit Gerhard Kruip (3.v.r.)

Heute gab es auf dem Kongress zur Stadtpastoral in Mexiko eine Diskussionsrunde zur Präsenz der Indigenen in den großen Städten. Ich war als Moderator eingeteilt und besprach mich vorher mit den Vortragenden, wie ich sie vorstellen sollte. Ihre Antwort: keine akademischen Titel oder Publikationen (obwohl sie auch diese durchaus vorzuweisen haben), sondern ihre Verbundenheit mit dem indianischen Volk sollte ich hervorheben, aus dem sie kommen und für das sie sprechen. Ihre Beiträge waren denn auch weniger wissenschaftlich als erfahrungsbezogen und vor allem im Falle der Gruppe aus Oaxaca/Mexiko sehr wohl parteiisch: Sie nahmen eindeutig Stellung zu den Konflikten in Oaxaca, gegen die staatliche Repression, gegen den Hunger, gegen Exklusion und Diskriminierung, gegen Teile der katholischen Kirche, besonders aus der Hierarchie, die sie genauso missachten, wie die mexikanische Oberschicht, die auf die Indigenen herabschaut. Sicher ist die Situation in Lateinamerika nicht überall gleich, aber sicherlich fühlen sich Indigene in den großen Städten oft ausgeschlossen. Sie werden auch oft mehr oder weniger direkt diskriminiert, haben wenige Chancen auf einen Arbeitsplatz oder eine qualitätsvolle Berufsausbildung und leiden unter großer Armut. Und trotz aller theologischen Neuansätze in Richtung einer „indianischen Theologie“ habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich die Kirche in ihrer pastoralen Arbeit in der Stadt wenig bis gar nicht um diese indigenen Gruppen kümmert, jedenfalls nicht so, dass sie sie bei ihrem Versuch begleiten und unterstützen würde, ihre eigene, indianisch geprägte Religiosität in der Stadt weiterzuführen und weiterzuentwickeln, um so trotz aller Veränderungen, die das Leben in der Stadt mit sich bringt, ihre eigene Identität zu bewahren. Auf die Frage, mit welcher Methode man denn pastoral auf die Indigenen zugehen sollte, antwortete Manuel Arias, Priester der Diözese Oaxaca, das sei doch ganz einfach, man solle den Indigenen zuhören, ihre Lebenswelt zu verstehen versuchen, sie als Subjekte ihres eigenen Lebens und ihrer eigenen Religiosität ernst nehmen, alles weitere würde sich dann im Dialog mit ihnen ergeben.

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Mexiko: Wann kommt man bei einem Kongress an…?

Kurz nachdem ich in der Casa Lago, dem Sitz des Kongresses „Heute den Glauben in der Stadt leben – Die großen lateinamerikanischen Städte und die aktuellen Prozesse des sozialen, kulturellen und religiösen Wandels“ fing ich an nachzudenken:
Wann kommt man bei einem Kongress an?

Das Teilhaben an einem solchen Kongress kann ganz unterschiedlich aussehen. Da gibt es die Organisatoren, deren Terminkalender sehr stark von der Veranstaltung beeinflusst worden ist. Alles funktioniert sehr gut und das nicht aus Zufall, man kann die Arbeit im Hintergrund überall spüren.
Ich glaube, sie sind angekommen in dem Moment, in dem sie diesen Kongress geträumt haben…

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