Chile: Immer Richtung Sonne

Ein Mapuche-Mädchen aus der Schule von Lehrerin Pamela.

Ein Mapuche-Mädchen aus der Schule von Lehrerin Pamela.

Immer Richtung Sonne. Die Mapuche, die indigenen Ureinwohner Chiles, feiern ihre Zeremonien immer Richtung Sonne. Gut, dass sie scheint an diesem Tag im sonst noch recht kühlen Frühling im südlichen Chile, gefroren haben wir schon genug. Es klingt fremd in unseren Ohren, wenn ein Lonko, ein Oberhaupt einer Mapuche-Gemeinschaft, in die hornähnliche Trutruca bläst und die Machi, die Priesterin und Heilerin, die Kultrun schlägt, die Trommel. Dazu Gebete und Gesänge in Mapudungun, der Sprache der Mapuche. Um die zu lernen, muss man einen alten Mann auf den Mund küssen, hat uns ein 84-Jähriger erklärt. Naja, vielleicht lerne ich doch erst was anderes.

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Chile: Schwer beeindruckt

Im Ausland entdeckt man ganz neue Qualitäten an sich – oder andere entdecken sie. Dona Antonia (75) will mich bei sich behalten: Ich sei der Schwerste! Ich stelle mich auf die Ladefläche des Pickups über die Hinterachse – und so kommt der Wagen einfach besser die steile lehmige Auffahrt zur Dorfstraße hoch, die vom gestrigen Dauerregen so glitschig geworden ist. So einer wie ich wird gebraucht in Huenalihuen, einem kleinen Mapuche-Dorf nahe Tirúa im Mittleren Süden Chiles.

Wir dürfen eine Nacht im Haus von Don Marcelo und Dona Antonia verbringen. Dabei ist unsere Einführung denkbar schlecht gewesen. Wegen einer Reifenpanne auf der Piste nach Huelalihuen kommen wir erst kurz vor Mitternacht an; die Familie hatte schon geschlafen. Dennoch: Am nächsten Tag sind alle Pannen vergessen; Themen zum Reden gibt es genug. Ob es bei uns in Deutschland auch Mapuches gibt, will Don Marcelo (84) wissen. Nein? Schade, meint er und grinst sein zahnarmes Grinsen.

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Chile: Gottesdienst auf Mapuche – intensiv und nah

Im gleichmäßigen Rhythmus schlägt Pater Carlos die Trommel. Leise, um das Gebet zu untermalen, nicht zu stören. Ein Junge spielt den gleichen Takt mit der Maultrommel. Zu den meditativen Klängen sprechen die Menschen in der kleinen Kapelle ihre Fürbitten: Sie danken für den ersehnten Regen, der in der Nacht endlich gefallen ist, sie bitten für die Menschen, die das Meer bei einem Flugzeugabsturz vor zwei Wochen verschluckt und noch nicht wieder hergegeben hat, um Schutz für sich und ihre Familien und für die Besucher aus Deutschland, die heute an ihrer Messe teilnehmen. Die meisten der elf einheimischen Gläubigen sprechen eine Fürbitte, ausführlich, sie nehmen sich Zeit. Ist die Bitte ausgesprochen, wird das Trommeln von Pater Carlos lauter. Auf Mapudungun, der Sprache der Mapuche, singt er den Fürbittruf. Doch nicht nur der Ruf, auch die Trommel stammt aus der Kultur der Mapuche: Sie heißt Cultrún und wird bei den Mapuche genutzt, um mit Gott in Verbindung zu treten. Mit solchen Mitteln versucht Pater Carlos, die Kultur des Urvolkes und den katholischen Glauben zu verbinden. Seit acht Jahren lebt der Jesuit bei den Mapuche. In einer kleinen Kommunität in der Nähe von Tirúa, rund 250 Kilometer südlich der Hafenstadt Concepción. 14 kleine Gemeinden betreuen die Ordensleute. Hier feiern sie regelmäßig Messen, wie an diesem Sonntag in „Las Missiones“, weniger Kapelle als selbst gezimmerte Holzhütte.

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Chile: Mapuchepastoral und Migrantenpastoral

Mapuche-Frau mit dem klassischen Kopfschmuck, der Trarilonco. Foto: Carolin Kronenburg

Mapuche-Frau mit dem klassischen Kopfschmuck, der Trarilonco. Foto: Carolin Kronenburg

Am zweiten Tag unsere Chile-Aufenthalts haben wir die Mapuche-Pastoral in Santiago besucht. Die Ordensgemeinschaft der Steyler Patres hat mit Frauen und Männern des Mapuchevolkes ein besonderes kirchliches Angebot entwickelt. Mich hat diese Arbeit stark an die spanisch-italienisch-kroatischen Gemeinden in unserem Bistum erinnert – Ein zentraler Unterschied besteht allerdings: das Volk der Mapuche war immer in Chile und Argentinien. Erst durch die Kolonialisierung durch die spanischen Eroberer hatten sie ihre Autonomie verloren. In den vergangenen vierzig Jahren hat die Kirche sehr stark versucht, ein neues Miteinander von Mapuche-Religionen und katholischem Glauben zu entwickeln. Im zweiten Teil unseres Besuches werden wir noch mehr davon sehen und hören.

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Chile: Menschen der Erde in der Metropole

Mapuche Gladys Inalef. Foto: Carolin Kronenburg

Mapuche Gladys Inalef. Foto: Carolin Kronenburg

Wenn sie durch den Raum geht, klingelt es: Gladys trägt heute die traditionelle Tracht ihrer Vorfahren. Dazu gehört ein einfaches Kleid, gehalten von einem Wollgürtel in Regenbogenfarben. Und die Trarilonco, der Kopfschmuck in Silber mit den vielen kleinen Plättchen, die bei jeder Bewegung glöckchenhafte Geräusche von sich geben. Gladys gehört zum Indigenen-Volk der Mapuche – und sie ist stolz darauf.

Trotzdem würde sie hier in Santiago, hunderte Kilometer vom ursprünglichen Territorium der Mapuche in Südchile entfernt, nie in dieser Tracht auf die Straße gehen. Denn obwohl heute mehr Mapuche in der Hauptstadt leben als in ihrer alten Heimat, fühlen sie sich hier diskriminiert. Die kleinen Stadtwohnungen entsprechen nicht den Bedürfnissen der klassischen Mapuche-Großfamilie, in den Schulen werden die Kinder wegen ihrer Nachnamen ausgelacht und an den Unis sind Mapuche-Studenten nach wie vor stark unterrepräsentiert. Die Kräuter und Baumblätter, die die Mapuche-Schamaninnen, die Machis, für ihre Heilkünste brauchen, müssen aus dem Süden importiert werden.

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Chile: Durch das Mapucheland

Seitdem wir in Concepcion den Bio-Bio-Fluss überquerten, sind wir in dem traditionellen Siedlungsgebiet der Mapuche unterwegs. Bis 1881 widerstanden die Mapuche den spanischen und nach der Unabhängigkeit chilenischen Bemühungen, südlich des mächtigen Flusses zu siedeln. Erst danach begann die Besiedlung Südchiles. Bis heute akzeptieren die Mapuche ihre darauf folgende Entmündigung nicht.

Die Polizei räumt eine blockierte Straße im "Mapuche-Land".

Unser Wagen muss stoppen, vor uns ist die Straße blockiert. Mapuche haben einige der riesigen Eukalyptusbäume entlang der Straße gefällt und diese damit blockiert. Die Polizei ist mit gepanzerten Fahrzeugen vor Ort, es könnte zu Zusammenstößen mit Mapuche kommen, die im Widerstand gegen die Regierung aktiv sind, meint unser Fahrer. Doch wir sehen erst einmal nur Polizisten, die mit Motorsägen die Straße wieder freizugeben bemüht sind.

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