Argentinien: „Fortschritt, dass hieß für die Regierungen, uns Indigenen das Land zu rauben und uns zu töten“

1111Die Überlandstraße führt von Formosa aus ins Nirgendwo. Wenigstens für uns, die wir aus Mitteleuropa dichte Besiedelung und kleine Landschaften gewohnt sind. Ins Nirgendwo. Immer schnurstracks geradeaus, nach Nordosten, in Richtung der Provinz Chaco. Doch wir werden erwartet. Sehnlich. Sieben Kilometer vor der Provinzgrenze biegen wir nach gut zwei Stunden Geradeausfahrt ab vom Highway. Da steht ein betonierter Schuppen. Er hat keine Fenster und ist gelb angestrichen. Auf dem Gelb prangt schwarzl das Abbild von Che Guevara, einer Ikone des Gerechtigkeitskampfes längst vergangener Zeiten.

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Chile: Menschen der Erde in der Metropole

Mapuche Gladys Inalef. Foto: Carolin Kronenburg

Mapuche Gladys Inalef. Foto: Carolin Kronenburg

Wenn sie durch den Raum geht, klingelt es: Gladys trägt heute die traditionelle Tracht ihrer Vorfahren. Dazu gehört ein einfaches Kleid, gehalten von einem Wollgürtel in Regenbogenfarben. Und die Trarilonco, der Kopfschmuck in Silber mit den vielen kleinen Plättchen, die bei jeder Bewegung glöckchenhafte Geräusche von sich geben. Gladys gehört zum Indigenen-Volk der Mapuche – und sie ist stolz darauf.

Trotzdem würde sie hier in Santiago, hunderte Kilometer vom ursprünglichen Territorium der Mapuche in Südchile entfernt, nie in dieser Tracht auf die Straße gehen. Denn obwohl heute mehr Mapuche in der Hauptstadt leben als in ihrer alten Heimat, fühlen sie sich hier diskriminiert. Die kleinen Stadtwohnungen entsprechen nicht den Bedürfnissen der klassischen Mapuche-Großfamilie, in den Schulen werden die Kinder wegen ihrer Nachnamen ausgelacht und an den Unis sind Mapuche-Studenten nach wie vor stark unterrepräsentiert. Die Kräuter und Baumblätter, die die Mapuche-Schamaninnen, die Machis, für ihre Heilkünste brauchen, müssen aus dem Süden importiert werden.

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Mexiko: Basisgemeinden – Was bleibt?

Nach den unterschiedlichsten Erlebnissen in den jeweiligen (Basis-)Gemeinden und unserem damit einhergehenden Bedarf, alle Erfahrungen einmal richtig „sacken“ zu lassen, kamen wir in Cuernavaca wieder in der ganzen Gruppe zusammen. Das Zentrum für Interkulturellen Dialog und Entwicklung stellte genauso wie das Team alle für eine gute Erholung und Reflexion benötigte Zutaten bereit.

Angekommen am Dienstagabend luden ein wunderschöner Garten, ein Pool und ein mit Getränken gefüllter Kühlschrank dazu ein, gemeinsamen bei mexikanischen Liedern unser Wiedersehen zu feiern. Coca Cola begeisterte Menschen mussten sich dabei etwas anpassen: „Coca Cola is not my friend“ betonte die heimleitende Schwester Kathy, die damit auf den übermäßigen Konsum des Getränks in ganz Mexiko und die damit verbundene Überzuckerung ab dem Kindesalter anspielte und deshalb jenes Erfrischungsgetränk aus ihrer Einflusszone verbannt hat.

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Mexiko: Die erste Begegnung mit Christinnen und Christen

Wie jeden Tag starteten wir um halb 8 mit einem gemeinsamen Morgengebet, in welchem wir Bezug nahmen auf die bevorstehenden Begegnungen des Tages. Nach der spirituellen Stärkung folgte ein wirklich herzhaftes mexikanisches Frühstück (Bohnen, Chili-Sauce, Bratkartoffeln etc.).

In der Uni angekommen, konnten wir zwischen zwei Themenblöcken wählen: Migration und Menschenrechte.

Die Ordensschwester Dolores Palencia erzählte von ihrer Arbeit mit Migrantinnen und Migranten auf dem Weg in die USA. Ihr bewegendes Zeugnis wird in diesem Blog noch einmal mit einem eigenen Text gewürdigt.

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Ecuador: „Hermanita, es mi marido“

Schwester Ingrid (Mitte) im Gespraech mit zwei Frauen aus der Gemeinde.

Manchmal könnte Schwester Ingrid weinen, weil sie oft vorher schon weiß, wie die Geschichten ausgehen. Beispielsweise diese: Sturmklingeln – mitten in der Nacht. Ingrid schlurft zum Tor und schließt auf. Eine Frau aus dem Viertel steht da, grün und blau geschlagen vom betrunkenen Ehemann. Ein Kind auf dem Arm, eines an der Hand und die vier Großen daneben. „Natürlich könnt ihr hier schlafen“, antwortet Ingrid auf die fragenden Blicke. Mit einer Mitschwester wohnt die gebürtige Chilenin in einem großen Haus neben der Kirche. Die einzige katholische Kirche in der Comuna Alta, einem der ärmsten und gefährlichsten Viertel von Quito.

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Mexiko: Jeder Migrant riskiert sein Leben

140 Hände schnellen in die Höhe, großes Gelächter füllt den Saal. Ob auch Hondureños unter ihnen seien, hat Pater Pedro gefragt. Und neben einem Nicaraguaner, fünfzehn Salvadorianern und zehn Guatemalteken sind es die 80% Honduraner, die derzeit in der Casa Belén (Haus Betlehem) Unterschlupf finden. Tag und Nacht können sie an die Tür der Herberge klopfen, bekommen etwas zu essen, eine Dusche, frische Kleider, erste medizinische Versorgung und vor allem eine Matratze, um sich nach der 16 bis 24-tägigen Reise durch Mexiko endlich wieder einmal ausruhen zu können. Wenn die Neuankömmlinge ausgeschlafen haben, werden sie registriert und sofern sie davon erzählen wollen, wird ihr Leid dokumentiert.

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