Freiwillige in Paraguay: Mega-Konzert der Jugend

ensayo

1.200 Jugendliche trafen sich zu einem „Mega-Konzert“ in Encarnación, initiiert von der landesweiten Musik-Initiative „Sonidos de la Tierra“ (Töne der Erde), die Adveniat untersützt. Fotos: Rebecca Kossmann

Die Jugendlichen von Semillas Musicales sind aufgeregt, denn heute konnten sie mit offizieller Entschuldigung ihres Konservatoriums eher die Schule verlassen. Warum? Weil wir heute mit vierzig Jugendlichen nach Encarnación fahren, um dort am „Mega Concierto“ teilzunehmen und unser Repertoire vorzutragen.

In der reinsten Klassenfahrtsstimmung machen wir uns mit einem klapprigen Colectivo (Reisebus) auf den Weg. Wie das so ist wenn 40 Musiker in einem Bus sitzen wird gesungen, laut und ausgelassen und Gitarre und Geige gespielt.

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Klosterkoller

Während meine Freunde und Bekannten auf der „Fashionweek“ in Berlin mittlerweile keinen Champagner mehr sehen können, keine Lust mehr haben auf Laufstege oder Partys, schlage ich mich gerade mit einem beginnenden „Klosterkoller“ herum: Ich möchte heute keine Psalmen mehr singen und hören, (Psalmen sind Bibeltexte, die zu festen Uhrzeiten dreimal am Tag von den Schwestern und Novizinnen rezitiert werden), besonders nicht um fünf Uhr morgens, wo ich normalerweise noch tief und fest schlafe.

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Haiti: Das große Rara

Zuerst hatten wir noch gedacht, es sei eine Demonstration. Bunte Fahnen, laute Musik, Trommelschläge. Dann dachten wir, es sei eine Art Karneval, weil viele Menschen in bunten Kostümen verkleidet waren, doch nein, es war ja bereits der vierte Fastensonntag. Als wir mit unserem Wagen zum dritten Mal in den immer größer werdenden Gruppen auf der Straße steckenblieben, fragten wir nach. Es sei das „große Rara“, das man feiere, erzählten die Menschen.

Wir waren auf dem Weg von der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince nach Cap-Haitien im Nordosten des Landes. In Gonaïves, etwa auf der Mitte der Wegstecke, war dann endgültig kein Durchkommen mehr. Hunderte, Tausende Menschen auf der Straße. Drei Polizisten, die irgendwie versuchten, den Verkehr zu regeln. Und dazwischen die etlichen Verkäuferinnen und Verkäufer, die vor allem den einheimischen Zuckerrohrschnaps anboten. Wir hatten Zeit genug, uns das Treiben näher anzuschauen.

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Delegation: Mit Musik Zukunftschancen eröffnen

Im Gemeindesaal der Pfarrei San Felipe in Asunción herrscht gespannte Aufmerksamkeit. Rund 70 junge Musiker, Mädchen und Jungen, haben sich mit ihren Saiteninstrumenten aufgereiht, um uns ihr Können zu beweisen. Und sie bringen es stolz zu Gehör. „Die Musik hat das Leben in unserem Barrio verändert“, sagt Angelica Viveros, die Koordinatorin des Projektes in der Pfarrei. „Die Kinder haben etwas, das ihnen zeigt: Ich bin zu etwas fähig, ich kann etwas, und es macht Spaß.“

Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit Angelica Viveros (Mitte), der Koordinatorin von "Sonidos de la Tierra" in der Pfarrei San Felipe.

Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit Angelica Viveros (Mitte), der Koordinatorin von "Sonidos de la Tierra" in der Pfarrei San Felipe.

San Felipe ist eine Pfarrei in einem Armenviertel am Río Paraguay. Der Fluss ist über die Ufer getreten und hat weite Teile der Pfarrei überschwemmt. Unser Wagen muss durch knietiefe Seen fahren, die sich auf den Straßen gebildet haben. Mehr als 2.000 Familien sind betroffen, einige mussten ihre Häuser räumen. Padre Pedro Velasco, ein spanischer Priester, der seit 43 Jahren in Paraguay wirkt, erinnert sich an noch schlimmere Überschwemmungen. Mehr als zwei Meter habe 1983 die ganze Pfarrei unter Wasser gestanden, erinnert er sich. Dennoch kehrten die Leute zurück, bauten ihre Häuser wieder auf. „Wo sollen sie denn hin“, fragt er. „Den Armen bleiben nur die Häuser am Fluss, die Reichen wohnen auf den Höhen.“

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WJT: Wie lernt man Cup-oeira in 3 Minuten?

Angelehnt an die afro-brasilianische Kampfkunst Capoeira, haben wir gestern von den Kindern bei Amar eine interessante Variation davon kennen gelernt – das Cup-oeria: Man nehme dazu vier Deutsche mit überschaubaren Rhythmusgefühl, eine slowakische Volontärin mit viel Geduld, Können und Enthusiasmus, eine motivierte und mitreißende brasilianische Lehrerin und für jede Person einen Becher.

Nach einem spaßigen Nachmittag mit den Kindern in dem Projekt von Amar erlernten wir den typischen brasilianischen Cup-oeira („Bechertanz“), der für viele Lieder den Rhythmus angibt. Schnell mussten wir uns eingestehen, dass die Kinder die kleine Übung in 300-facher Geschwindigkeit schaffen. Wir sind jedoch motiviert annähernd an das wahnsinnige Tempo heran zu kommen.

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Brasilien: Mutmacher-Musik

Kling, klong, klong. Was João da mit den Saiten der Gitarre anstellt, klingt ehrlich gesagt ein bisschen schrömmelig. Zehn Jahre ist er alt, seit zwei Wochen hat er Gitarrenunterricht. Bis er „The girl from Ipanema“ fehlerfrei hinkriegt, wird es ganz sicher noch eine Weile dauern. Macht nichts, das Tolle ist ja, dass er überhaupt ein Instrument lernen darf. Hier, am äußersten Rand der Millionenmetropole Belém im Amazonasgebiet Brasiliens. Hier, wo die Menschen in einfachen Hütten leben und jeden Tag aufs Neue ihren Alltag meistern müssen, ist das nicht gerade eine Selbstverständlichkeit. Aber Schwester Aurilena und Schwester Edilamar haben sich genau hier niedergelassen, um die Armut der Leute zu teilen. „Comunidade inserida“ nennen sie das – eine „Gemeinschaft mittendrin“.

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