Brasilien: Eine unsichere Zukunft

Brasilien steckt in der schwersten wirtschaftlichen Krise seit Jahrzehnten. Das bedeutet: noch mehr Arbeitslose, weitere Ausbeutungen. Journalist Thomas Milz und Fotograf Florian Kopp reisen  Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat durch den Bundesstaat São Paulo und treffen Menschen, die damit zu kämpfen haben.
Zwei Männer schauen unter ein Auto

Victor mit seinem Schwager Anderson in dessen Werkstatt. Foto: Florian Kopp/Adveniat

An der Küste, 50 Kilometer von São Paulo entfernt, liegen die Städte Santos, Brasiliens wichtigster Hafen, und São Vicente, die erste Siedlung der Portugiesen auf dem südamerikanischen Kontinent. Im Hinterland der beiden Städte ragen die Schornsteine und Industriekomplexe von Cubatão in den Himmel, einst einer der wichtigsten Industriezentren Brasiliens. Die Öl- und Chemieindustrie hat hier das Erdreich und das nahe Meer auf Jahrzehnte verschmutzt. Jetzt ist die Industrie in Krise, hunderte Arbeitsplätze sind verloren gegangen.
 
Wir fahren nach Villa Margarida, ein Armenviertel am Rande von São Vicente. An einer Ecke steigen dicke Qualmwolken bis ätzendem Gestank auf. Irgendjemand hat die über die Straße hängenden Stromkabel gekappt. Jetzt brennen sie die Isolierung runter, um den Kupferdraht zu verkaufen. Wir mögen vorsichtig sein, warnen uns unsere Gastgeber der JOC (Juventude Operária Cristã), der Christlichen Arbeiterjugend, deren Arbeit seit Jahren vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt wird. Eine Drogenbande hat in der Vila ihr Hauptquartier, und Überfälle sind an der Tagesordnung.  Für Jugendliche ist São Vicente kein gutes Pflaster. Die Stadt ist eine der ärmsten im ansonsten reichsten Teilstaat Brasiliens.

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In São Paulos Ost-Zone

In der brasilianischen Metropole São Paulo leben viele Migranten, besonders aus Bolivien. Sie haben ein gemeinsames Ziel: menschenwürdige Arbeit und ein besseres Leben. Der Adveniat-Partner CAMI hilft ihnen dabei.
Ein Mann sitzt an einer Nähmaschine

Luis Jacinto Laime Poma, 44 Jahre, arbeitet in seiner Schneiderei´. Foto: Florian Kopp/Adveniat

Heute geht es in den Norden, Casa Verde Alta heißt das Viertel. Hier hat Nancy Salva ihren kleinen Laden. Vorne Verkauf, hinten Werkstube. Dahinter ein kleines Zimmer, in dem sie mit ihrem 15-jährigen Sohn Rai lebt. Rai war noch klein als Nancy Bolivien verließ. Man erzählte ihr von den hohen Löhnen, die man in São Paulo verdienen könnte. An der Grenze wartete man bereits auf sie. In São Paulo angekommen, platzten die Träume. In einem kleinen Kabuff brachte man Mutter und Kind unter, sie musste 18 Stunden am Tag nähen. Geld verdiente sie nie, galt es doch, zuerst einmal ihre vom Chef vorgestreckte Reisekosten abzuarbeiten. Die Pfennigbeträge reichten nur dazu, in der Kantine ein Essen zu bezahlen. Wenn Rai Hunger hatte, musste er in der Küche für einen Nachschlag arbeiten.

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Brasilien: Ein Steilpass nach Rio

Stephan Jentgens...

Stephan Jentgens…

... und Volker Monnerjahn bei der Ankunft in Brasilien.

… und Volker Monnerjahn bei der Ankunft in Brasilien.

In den frühen Morgenstunden tauchte am Dienstag durch die dichte Wolkendecke über São Paulo ein Flugzeug ab – mit Kurs auf den internationalen Flughafen. Darin, zwischen vielen Fußball-Fans, die Delegation der „Aktion Steilpass“: Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens, Christian Frevel, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit bei Adveniat, Heribert Kron von der KAB, Volker Monnerjahn, Präsident des DJK-Sportverbandes, Daniel Steiger, KLJB-Bundesseelsorger, Schauspielerin Eva Habermann, Fotograf Martin Steffenund Adveniat-Volontärin Christina Weise. Zur Begrüßung war für alle Passagiere der grüne Teppich ausgerollt worden. Ein erstes Bisschen WM-Feeling im Fußball-Land Brasilien.

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