Ein Sonntag in Haiti

Man merkt in Port-au-Prince, der Hauptstadt von Haiti, sofort, dass Sonntag ist. Der Verkehr auf den Straßen ist nur halb so dicht, und das Leben beginnt deutlich später. Als wir an diesem Sonntagmorgen durch die teilweise sehr engen und steilen Straßen der Stadt in das Viertel Nazon fahren, begegnen uns Frauen und Mädchen mit Wassereimern auf dem Kopf. An den öffentlichen Wasserausgabestellen herrscht Hochbetrieb. Werktags beginnt das Gedränge hier schon vor Sonnenaufgang, doch heute stehen die Menschen auch noch kurz vor acht Uhr in den langen Schlangen. Mancher wäscht sich in den schmalen Gängen zwischen den Hütten und Zelten, in denen immer noch mehr als Zweihunderttausend Menschen seit dem Erdbeben leben.

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Kuba: Aufbau Havanna!

Das war jetzt wirklich knapp! Der Mann, der vor uns über die Straße gegangen ist, wäre um ein Haar erschlagen worden. Die Ecke eines Beton-Balkons hat sich gelöst und ist knapp hinter ihm auf den Gehweg geknallt. Der ältere Herr dreht sich kurz um und geht dann einen Schritt schneller weiter.

Als sich im vergangenen Winter an der Dachrinne meines Hause in Berlin ein übergroßer Eiszapfen gebildet hat, wurde der Gehweg vorsorglich gesperrt. In Havanna hingegen ist ein herabstürzender Stein fast noch harmlos. Es vergeht kaum ein Tag, an dem in der kubanischen Hauptstadt nicht ein ganzes Haus in sich zusammen fällt. Häufig sind Tote zu beklagen. Die Zeit, die salzige Meersluft, all das nagt unerbittlich an der Bausubstanz. Dabei waren die Häuser einmal wunderschön. Fünf Meter hohe Räume, die Wände verkleidet mit farbenfrohen Jugendstil-Fliesen, verschnörkelte Balkone und üppige Ornamente an der Fassade.

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Präsidentschaftskandidatin Manigat wünscht sich aktive Kirche beim Wiederaufbau

Auf Haiti hat der Wahlkampf begonnen. An Pfosten, Hauswänden und Werbe­flächen kleben die Plakate mit den Konterfeis der Kandidaten. 19 haben sich um die Präsidentschaft beworben. Die Favoritin laut der jüngsten Umfrage, Mirlande Manigat, hat ihren Wahlkampf mit einem Kirchgang eröffnet: Sie besuchte die Festmesse zu Ehren des Heiligen Erzengel Michael in Cazales, einem Bergdorf eine knappe Stunde nördlich von Port-au-Prince. Anschließend konnte ich sie befragen über die Rolle der Kirche beim Wiederaufbau. Das war ihre Antwort: “Die Kirche spielt eine wichtige Rolle, denn die Haitianer sind sehr religiös und die Priester spielen eine wichtige Rolle in den Gemeinden. Sie müssen sich jetzt vor allem für Solidarität und Brüderlichkeit einsetzen, für die Demokratie und gegen Gewalt. Ich finde, die Bischöfe sollten sich klar positionieren in ihrer Haltung zum Wiederaufbau, sie sollten deutlich machen, was aus ihrer Sicht die Prioritäten sind. Meiner Meinung nach war die Kirche diesbezüglich bisher zu zurückhaltend und hat die Bühne den Politikern und der internationalen Gemeinschaft überlassen.“

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Kopfrechnerische Höchstleistungen

Komplizierte Angelegenheit: Haitianische GeldscheineGeld ist eine komplizierte Angelegenheit auf Haiti. Scheinbar selbstverständlich jonglieren die Haitiianer mit drei Währungen gleichzeitig, von denen eine noch dazu fiktiv ist. Da gibt es zum einen die offizielle Landeswährung Gourdes. Abgegriffene Papierscheine mit den Nationalhelden oder Gebäuden wie dem beim Beben zusammengebrochenen Präsidentenpalast. 40 Gourdes entsprechen einem US-Dollar. Der grüne Schein ist die Lieblingswährung der Bessergestellten und wird fast überall entgegen genommen, wo es Importwaren zu kaufen gibt. “Luxusgüter” wie Autos, Flugtickets oder Hausmieten müssen sowieso in US-Dollar gezahlt werden. Die dritte Währung ist der haitianische Dollar. Er hat nie existiert, sondern ist eine Erinnerung an frühere Zeiten, in denen fünf Gourdes einen US-Dollar wert waren und die Umrechnung relativ einfach. Inzwischen hat sich das Verhältnis leider verschoben, Knapp 9 haitianische Dollar ergeben einen US-Dollar und fünf Gourdes einen haitianischen Dollar. So weit, so gut. Zu meinem Leidwesen sind die Preise meist in fiktiven haitianischen Dollar festgesetzt, was mir zu den unpassendsten Gelegenheiten – etwa, wenn ich Durst habe und am Strassenrand ein Wasser kaufen will – kopfrechnerische Höchstleistungen abfordert, um herauszufinden, ob mich der Verkäufer gerade über den Tisch ziehen will oder nicht.

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Kirchliche Wiederaufbaukonferenz in Miami

Vom 22. bis 26. September wird in Miami eine internationale Konferenz stattfinden, zu der die haitianische Bischofskonferenz einlädt. Von Adveniat werden Geschäftsführer Prälat Klaschka und Länderreferentin Margit Wichelmann an der Konferenz teilnehmen. Hinzu kommen Vertreter von Bischofskonferenzen in verschiedener Länder (USA, Frankreich, Canada, Dom. Republik, Mexiko, Argentinien, El Salvador, Kolumbien) sowie Vertreter kirchlicher Institutionen, die die katholische Kirche in Haiti beim Wiederaufbauprozess unterstützen möchten. Auch Vertreter der haitianischen Caritas sowie der Ordenskonferenz werden teilnehmen.

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