Bolivien: Sicherheit für gefährdete Mädchen und junge Frauen

Als Guadalupe elf Jahre alt war, floh sie auf die Straße. Weg von ihrer Mutter und deren brutalen Schlägen. Jahrelang lebte sie zwischen Müllsammlern, Marktfrauen und Bordellen. Heute ist sie in Sicherheit und wagt den Schritt in ein unabhängiges Leben.
 


Guadalupe erinnert sich nicht gern an die Vergangenheit. An die Kälte, den Hunger, die Männer. Ihre Stimme wird dann ganz leise, sie nuschelt, verschluckt Buchstaben. So geht es vielen Kindern und Jugendlichen in El Alto, der Millionenstadt oberhalb von La Paz, der ärmsten Stadt Boliviens. Wie viele Straßenkinder es dort gibt, ist unklar. Schätzungen reichen von 500 bis 1.500. Sie sind hochgradig gefährdet und jeder Form des Missbrauchs ausgesetzt, wie Kinderarbeit, Drogenkonsum und sexueller Ausbeutung.

 

Für Mädchen und Frauen.


Viele Straßenkinder verkaufen ihren Körper, um ein wenig Geld für Essen und einen Schlafplatz zu verdienen. „Die Straße ist ein Kriegsgebiet. Dort bist du immer in Gefahr, kommst nie zur Ruhe“, sagt Reyna Cachi Salamanca. Sie ist Psychologin bei der Stiftung Munasim Kullakita, was auf Aymara „liebe dich selbst, kleine Schwester“ bedeutet.

 

Streetworker der Fundación Munasim Kullakita sprechen in El Alto junge Frauen an, die auf der Straße leben. Foto: Steffen Adveniat

Das sichere Zuhause und die regelmäßigen Mahlzeiten sind für die Mädchen und Frauen ein wahrer Luxus nach ihrem Leben auf der Straße. Foto: Steffen/Adveniat

Reyna Cachi, Direktorin des Heimes für Straßenmädchen der Fundación Munasim Kullakita mit Maria, die seit zwei Jahren in der Einrichtung lebt.


Getreu diesem Motto werden hier Mädchen aufgefangen und gefördert, damit sie zu selbstbewussten jungen Frauen heranwachsen. Täglich gehen Streetworker zu den Straßenkindern. Sie sprechen mit ihnen über die Risiken, denen sie sich auf der Straße aussetzen, über ihre Rechte, die Hilfe, die sie ihnen anbieten können. Diese wichtige Präventionsarbeit, die wesentlich dazu beiträgt, die Zahl der Mädchen zu reduzieren, die auf die Straße und in die Falle sexueller Gewalt geraten, fördert das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

Ein Weg von der Straße ist das Mädchenhaus von Munasim Kullakita, dessen Direktorin Reyna ist und das auch von Adveniat unterstützt wird. Zwölf Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren leben dort, alle haben Schlimmes erlebt: Obdachlosigkeit, Zwangsprostitution, Menschenhandel. Das Haus bietet ihnen eine sichere, geborgene Umgebung, einen geregelten und durchstrukturierten Alltag und gleichzeitig Freiheiten.

 

„Unser Ziel ist es, die Mädchen zu stärken und in die Gesellschaft zu reintegrieren. Bei uns können die Mädchen endlich zur Ruhe kommen.“

Reyna Cachi Salamanca, Psychologin im Projekt Kullakita


Sie besuchen eine normale Schule, haben Hobbys und treffen Freunde. Es war Guadalupes erste richtige Familie. „Ich bin ihnen sehr dankbar. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich gar nicht hier. Ich wäre immer noch auf der Straße oder tot. Viele meiner Freundinnen von der Straße sind schon gestorben.“ An HIV, Drogenkonsum, Gewalttaten.

Heute lebt die 21-Jährige mit ihren beiden Söhnen im „Haus der Zärtlichkeiten“, einer Art Wohngruppe der Stiftung. Auf geschütztem Terrain hinter einer dicken Backsteinmauer. Bald werden sie die geschützte Umgebung verlassen und das Abenteuer eines eigenen Lebens beginnen. Mit der Unterstützung von Munasim Kullakita hat Guadalupe eine Ausbildung zur Friseurin abgeschlossen und nun ihren eigenen kleinen Salon eröffnet.
 

Für weitere Informationen, wie Sie die Armen in Lateinamerika und der Karibik mit einer Spende unterstützen können, wenden Sie sich gerne an:

Carmen Martínez
Abteilung Spenderkommunikation
Telefon 0201 1756-209
E-Mail: carmen.martinez(at)adveniat(dot)de

Für Mädchen und Frauen.