Spendenkonto 345Bank im Bistum EssenBLZ 360 602 95
Schrift vergrößernSchrift zurücksetzenSchrift verkleinernKontrastreiche Darstellung Sprachen: spanisch Ι deutsch

Adveniat Jahresaktion 2003 - Argentinien

Vom Musterland zum Schreckgespenst

Argentinien für Touristen, das war Tango und Rinderherden, Pampa und Patagonien, Maradona und Gauchos. Argentinien für die Nachbarn, das war der reiche Onkel Lateinamerikas, bewundert und beneidet, ein Stück "erste Welt" mit weißeren Gesichtern und größeren Geldbeuteln. Denn Argentinien war der Musterknabe des Internationalen Währungsfonds, das Vorzeigekind bei Privatisierungen, der Liebling multinationaler Investoren. Und dann kam der Zusammenbruch, scheinbar plötzlich. Aufgeschreckt durch den Krach der "Cacerolazos", den lautstarken Protest der Bevölkerung gegen gesperrte Bankkonten, korrupte Politiker und grassierende Arbeitslosigkeit, nahm die Weltöffentlichkeit vor gut einem Jahr erstaunt zur Kenntnis, dass Argentinien unaufhaltsam in die größte Wirtschaftskrise seiner Geschichte geschlittert war.

Mehrheit der Bevölkerung in Armut


Seit Beginn der Krise Ende 2001 ist das argentinische Bruttoinlandsprodukt kontinuierlich zurückgegangen. Die Schuldenlast erreicht rund 170 Milliarden US-Dollar. Die offizielle Arbeitslosenrate hat sich auf mehr als zwanzig Prozent erhöht. Rund vierzig Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter arbeiten im informellen Sektor ohne Sozial- und Krankenversicherung.

Hinter den Zahlen versteckt sich eine düstere Palette der Armut: Im Land der saftigen Steaks leiden Erwachsene und Kinder an Hunger. Mittlerweile ist jedes fünfte Kind unterernährt. In der Region Tucumán - wo den Agrarexporteuren eine Rekordernte zugute kam - gab es in den vergangenen Monaten die ersten Hungertoten. Kranke können sich keinen Arztbesuch mehr leisten. Medikamente sind schwer erhältlich oder unerschwinglich. Eltern wissen nicht, wie sie den Schulbesuch ihrer Kinder finanzieren sollen. Lehrer erhalten kein Gehalt mehr. Die im Gegensatz zu den Nachbarländern relativ breite Mittelschicht des Landes ist in die Armut abgerutscht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt derzeit unterhalb der Armutsgrenze und muss mit weniger als 240 Euro pro Monat auskommen. Gut ein Drittel der Armen lebt gar unterhalb des Existenzminimums und hat weniger als 80 US-Dollar im Monat zur Verfügung. Viele versuchen ins Ausland zu emigrieren. Wer italienische oder spanische Vorfahren hat, möchte zurück ins Land der Großeltern.

Wurzeln der Krise liegen tief

Aufmerksame Beobachter haben die Krise kommen sehen, auch wenn deren Ausmaß sie doch überrascht haben könnte. Die Wurzeln des wirtschaftlichen Kollaps liegen tief: Seit Jahrzehnten bereicherten sich die politischen Eliten auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung. Miss- und Vetternwirtschaft blühte - auf nationaler Ebene wie in den Provinzregierungen, wo lokale "Provinzfürsten" sich hemmungslos die Taschen füllten. Mit den von Weltbank und IWF vorgegebenen neoliberalen Wirtschaftsmaßnahmen wurden zwar der Arbeitsmarkt dereguliert und zahlreiche Staatsunternehmen privatisiert - doch nur zugunsten einer Minderheit. "Vorsorglich" brachten die Wohlhabenden ihr Kapital ins Ausland: Milliarden Dollar wurden auf ausländische Konten überwiesen. Seit Ende der neunziger Jahre litt Argentinien unter einer anhaltenden Rezession. Vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch im vergangenen Jahr zahlte das Land rund 30 Millionen Dollar täglich an Zinsen für seine Auslandsschulden. Dieses Geld fehlte dann etwa im Erziehungs- und Gesundheitssektor.

Der unter der Regierung Fernando de La Rúa nach mehreren Kabinettsumbildungen im März 2001 zum Wirtschaftsminister ernannte Domingo Cavallo versuchte durch harsche, mit dem Internationalen Währungsfonds abgestimmte Wirtschaftsmaßnahmen wie drastische Kürzungen von Löhnen und Renten die Staatsausgaben zu senken und gleichzeitig - etwa mit einer Schecksteuer - die Steuereinnahmen zu erhöhen. Doch dies beschleunigte nur die Rezession. Im Dezember veranlasste er eine massive Einschränkung für Barauszahlungen ("corralito"). Daraufhin begannen Generalstreiks und Demonstrationen gegen Präsident de la Rúa sowie Plünderungen. Die Proteste dehnten sich bald landesweit aus. Gewaltsame Zusammenstöße mit der Bundespolizei forderten dreißig Todesopfer und zahlreiche Verletzte.

Am 20. Dezember floh Präsident de la Rúa aus dem Präsidentenpalast und reichte sein Rücktrittsgesuch ein. Nachdem Übergangspräsident Rodriguez Sáa wegen neuer Streiks und mangelnden Rückhalts in seiner Partei aufgab, wurde am 2. Januar 2002 Eduardo Duhalde von der Justizialistischen Partei (JP), ein Intimfeind von Carlos Meném (ebenfalls JP), als Interimspräsident vereidigt. Im Mai dieses Jahres wurde Nestor Kirchner, der im dem ersten Wahlgang die meisten Stimmen erhalten hatte, zum Präsidenten ernannt. Menem hatte seine Kandidatur kurz vor der Stichwahl zurückgezogen.

Hoffnungsschimmer
Unterdessen hat sich die wirtschaftliche Lage in Argentinien etwas stabilisiert.

Aktionsgäste

  • Bischof Jorge Casaretto
  • Juan Cian
  • Sabina D'Urbano
  • Adolfo Pérez Esquivel
  • Erzbischof Carmelo Giaquinta
  • Bischof Jorge Lugones
  • Bischof Pedro Olmedo
  • Bischof Marcelino Palentini
  • Mabel Quinteros
  • Professor Dr. Juan Carlos Scannone
  • Weihbischof Franz Grave

Materialübersicht


Jahresaktion 2003

Alle Materialien zu unsere Jahresaktion 2003 finden Sie hier!