Länderportrait Peru
Landeskunde und demographische Daten
Peru ist als drittgrößtes Land Südamerikas (dreieinhalbmal so groß wie Deutschland) einer der wald- und artenreichsten Staaten der Welt. Drei geographische Zonen prägen das Land: Küste, das Anden-Hochland und der Amazonas-Regenwald. Entlang des Pazifiks befindet sich ein gut 2.500 km langer und 50 – 150 km breiter Küstenstreifen, der im Osten vom Gebirgszug der Anden begrenzt wird. Diese Region ist so gut wie regenlos und besteht größtenteils aus Wüste. Nur dort, wo die Flüsse von den Anden kommend ihren Weg zum Pazifik suchen oder wo künstlich bewässert wird, gibt es jeweils einen kleinen Grünstreifen. An einem dieser Flüsse, dem Rimac, liegt die Hauptstadt Lima mit ca. 8,3 Millionen Einwohnern (mit der Hafenstadt Callao). Die Bevölkerung hat in den letzten 50 Jahren vor allem durch Landflucht aus dem Anden-Hochland enorm zugenommen und wächst weiter. Charakteristisch sind die zahlreichen neuen Vorortsiedlungen, die sog. Pueblos Jóvenes. Viele verfügen weder über Wasser noch über Strom; sie waren Ende der 80er Jahre ein Hauptbetätigungsfeld der Terroristen des Leuchtenden Pfades. Auch wenn der Küstenstreifen lediglich 10% der Landesfläche ausmacht, leben doch über die Hälfte der Peruaner dort; er ist der wirtschaftliche Motor des Landes.
Die Sierra, das Anden-Hochland, zieht sich wie eine Mauer von Norden nach Süden – der höchste Berg ist der Huascarán mit 6.768 m. In Höhen von über 4.000 m ü.M. lebt hier die vorwiegend indigene Bevölkerung (Quechua oder Aymara sprechend) zum größten Teil von der Landwirtschaft, der Viehzucht und dem Bergbau. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 8-10 °C. Nach der Zeit des Terrorismus (ca. 1980 bis 2000), der sich zuerst in den Bergregionen ausgebreitet und die Landflucht in Richtung Küste verstärkt hatte, sind in den letzten 10 Jahren einige Bewohner wieder in ihre Ursprungsregionen zurückgekehrt.
Östlich der Anden weitet sich die Region hin zum grünen Amazonasbecken, das fast zwei Drittel der Fläche des Landes ausmacht, aber die am dünnsten besiedelte Region Perus ist. Während sich entlang der Flüsse Siedler niedergelassen haben, haben sich die indigenen Gemeinschaften in den Regenwald zurückgezogen. Viele Ethnien haben noch wenig Kontakt zur restlichen Bevölkerung, sie werden aber zunehmend von Einwanderern und Wirtschaftskonzernen wegen der Rohstoffgewinnung bedrängt.
Peru besitzt die viertgrößte Tropenfläche weltweit. Allerdings tragen das rasante Wirtschaftswachstum und die weltweit steigenden Preise für Rohstoffe zur Zerstörung dieses natürlichen Reichtums bei. Vor allem Abholzung, Koka-Anbau und illegale Bergbaupraktiken bedrohen Teile des Amazonas und damit die große biologische Vielfalt des Landes. Auch nehmen in den letzten Jahren Konflikte im Bereich Umwelt und Ressourcenverteilung zu (z.B. geplanter Bau großer Staudämme zur Stromgewinnung, Umgang mit den vorhandenen Wasserressourcen usw.). Der schlimmste Konflikt zwischen der indigenen Bevölkerung der peruanischen Amazonasregion und den Sicherheitskräften eskalierte in Bagua im Juni 2009, mit über 100 Toten.
Die Bevölkerung ist im Durchschnitt sehr jung. Während 31 % jünger sind als 15 Jahre, sind nur 6 % älter als 65 Jahre.
Sozioökonomische, politische und kulturelle Besonderheiten
Auf dem Human Development Index (HDI) des UNDP im Jahr 2011 erreichte Peru unter 187 Staaten Rang 80 und liegt damit im lateinamerikanischen Vergleich im Mittelfeld. Was die Armutssituation betrifft, gibt es allerdings erhebliche soziale und regionale Ungleichheiten im Lande. Die Kluft zwischen Arm und Reich und die Korruption sind sehr groß, was sich auch im Gini-Koeffizienten von 0,496 widerspiegelt. Auffällig ist die hohe Analphabetenrate der Frauen. Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass es keine statistischen Angaben über den Anteil der indigenen Bevölkerung in der peruanischen Gesellschaft gibt. Trotz eines augenfällig hohen Indígena-Anteils besteht im Vergleich zu anderen andinen Ländern offensichtlich kein Bewusstsein, zu dieser Bevölkerungsgruppe zu gehören.
Seit Perus Unabhängigkeit 1821 lösten sich eine Reihe autoritärer, demokratischer und militärischer Regierungen ab. Nach einer Zeit des Terrors mit Guerrillabewegungen maoistischer Prägung (Leuchtender Pfad) und polizeistaatlichen Verhältnissen wurde 2001 in freien Wahlen Alejandro Toledo zum Präsidenten gewählt. Seine Regierung erzielte Erfolge in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Zu erwähnen ist auch die von Toledo eingeleitete Dezentralisierung des peruanischen Staatswesens. Sie ist eine der grundlegenden Reformen der vergangenen Jahrzehnte im peruanischen Staatsaufbau.
In den vergangenen Jahren hat sich sowohl die wirtschaftliche als auch die Menschenrechtslage in Peru verbessert. Aufgrund einer seit Jahren auf Wachstum ausgerichteten Wirtschafts- und Finanzpolitik hat das Land die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 gut überstanden und befindet sich im Aufschwung. Peru kann allgemein als aufstrebender Staat bezeichnet werden. Auch die Demokratisierung und die Stärkung der Bürgerbeteiligung kommen voran. Ebenso wächst das Bewusstsein für Umweltthemen und für Themen der sozialen Gerechtigkeit. Seit Juli 2011 ist Ollanta Moisés Humala Tasso neuer Staatspräsident Perus. Er ist zwar für viele Peruaner ein Hoffnungsträger für mehr soziale Gerechtigkeit, doch in den ersten Monaten seiner Regierung ist noch keine klare Richtung erkennbar.
Landesspezifische kirchliche Herausforderungen
91 % der Peruaner sind katholisch getauft. Trotzdem ist der Einfluss der Pfingstkirchen, evangelikaler Gruppierungen und Sekten wie der Zeugen Jehovas recht groß, vor allem in den Stadtrandgebieten und auf dem Land, wo die katholische Kirche nicht präsent ist. Zudem ist die Zahl der praktizierenden Katholiken laut verschiedener Umfragen in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen. Trotz allem sind die o.g. statistischen Zahlen fast durchwegs (noch) steigend. Es fällt lediglich auf, dass die im Land vorhandenen Wohlfahrtseinrichtungen stark zurückgegangen sind. Dies könnte daran liegen, dass der Staat in den letzten 10 Jahren (seit dem Terrorismus) seine soziale Verantwortung stärker wahrgenommen hat.
Die Zahl der Weltpriester hat im Vergleich zu den Ordenspriestern in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Allerdings ist die Zahl der Seminaristen leicht zurückgegangen. Etwa die Hälfte der Bischöfe ist ausländischer Herkunft, was bedeutet, dass die Kirche Perus bei den hauptamtlichen Personalkräften noch sehr stark durch die Ordensgemeinschaften und durch ausländisches Personal geprägt ist.
Das System der Priesteraltersversorgung für den Diözesanklerus (Solidaridad Sacerdotal Santa Rosa) ist zwar erst 1996 entstanden, gilt heute (nach lediglich 15 Jahren) aber als Modellbeispiel für ein gut funktionierendes System der Priesteraltersversorgung in Lateinamerika und steht (ohne jährlichen Zuschuss Adveniats) auf soliden finanziellen Füßen.
Die Kirche Perus lebt vom aktiven Engagement der Laien, welche die Arbeit der Priester ergänzen und vervielfachen. In den umfangreichen und entlegenen andinen Gemeinden, in den Regenwald-Gemeinden mit ihren unzähligen Siedlungen sowie in den großen Stadtrandsiedlungen ist die Kirche heute dank der vielen Laienkatecheten/innen präsent. In manchen Jurisdiktionen gibt es über 1.000 Laienpastoralkräfte.









