Amazonien-Synode: Ein unüberhörbares Signal zum Aufbruch

„Wir hoffen, dass die Amazonien-Synode ein unüberhörbares Signal zum Aufbruch gibt, dass Wandel in Politik, Wirtschaft, Technik und nicht zuletzt auch in Kirche möglich ist.“ Das schreiben die Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat und des Werkes für Entwicklungszusammenarbeit Misereor, Pater Michael Heinz und Pirmin Spiegel, in ihrem gemeinsamen Vorwort zur deutschen Übersetzung des sogenannten Instrumentum Laboris.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz SVD. Foto: Misereor

Mit diesem Arbeitsdokument bereiten sich die Teilnehmenden auf die Synode vor, die vom 6. bis zum 27. Oktober im Vatikan stattfindet. Den beiden Werken zufolge fordert das Dokument einen tiefgreifenden Wandel in der Kirche. „Es geht darum, auf die Herausforderungen der Zeit zu reagieren im Hören auf den Geist, der die Verteidigung des Lebens der Menschen, der Völker und der Schöpfung insgesamt fordert.“ Was in Rom diskutiert wird, habe Bedeutung für die Kirche weltweit, sind sich Adveniat-Chef Pater Heinz und Misereor-Chef Spiegel sicher.

Das Arbeitsdokument trägt die Handschrift des kirchlichen Amazonas-Netzwerks Repam (Red Eclesial Panamazónica), dem Adveniat und Misereor seit seiner Gründung 2014 angehören. Das Netzwerk hat auf zahlreichen Vorbereitungstreffen im Amazonasgebiet Fragen, Anregungen und Themen von 85.000 Menschen vor Ort gesammelt. Damit ist der von Papst Franziskus begonnene Wandel hin zu einer offenen, synodalen Kirche bereits Wirklichkeit geworden. Die Menschen in den Ortskirchen werden befragt, „damit die Bischofsversammlungen ihr Ohr weiter nahe am Leben der Menschen haben“, wie Adveniat und Misereor schreiben. Dass der Papst den Repam-Präsidenten Kardinal Claudio Hummes zum Berichterstatter der Synode ernannt hat und dieser mit weiteren Repam-Vertretern der Vorbereitungsgruppe angehört, zeigt, wie sehr Franziskus das Amazonasnetzwerk schätzt.

Mit der Amazonien-Synode bekräftigt die Kirche ihren entschiedenen Willen, sich für eine Welt der Klima- und Umweltgerechtigkeit sowie der sozialen Gerechtigkeit einzusetzen. Legaler und illegaler Bergbau, Wasserkraftwerke, Straßen, industrielle Landwirtschaft zerstören lokale Gemeinschaften und die Natur im Amazonasgebiet: Adveniat und Misereor kennen aus ihrer Zusammenarbeit mit den Menschen und Organisationen vor Ort die lange Liste der Ungerechtigkeiten und die Ursachen dafür. Mit diesen Partnern wollen die beiden Werke Adveniat und Misereor „das Ruder herumreißen und alle Hebel auf Klimafreundlichkeit umlegen“.

Die Amazonien-Synode steht auch für den internen Wandel hin zu einer Kirche, „die ihre Komfortzonen verlässt und an die Ränder geht, dahin wo Menschen nichts zählen und keine Rechte habe“, schreiben Pater Heinz und Spiegel. Statt römischer Zentralisierung sei „Dezentralisierung angesagt“, damit die Ortskirchen „selbst entscheiden können, was sie direkt betrifft“. Die Zukunft gehöre einer vielfältigen und hörenden Kirche, die „wertschätzt, was Indigene, Afroamerikaner, Flussbewohnerinnen, Bauern und Städterinnen über Jahrhunderte an Glauben gelebt haben“. Dazu passt, dass Adveniat und Misereor die deutsche Übersetzung des Instrumentum Laboris für die Amazonien-Synode am Gedenktag von Bartolomé de las Casas (†1566) veröffentlichen. Der Dominikaner war einer der ersten und entschiedensten Verteidiger der indigenen Völker.

Die deutsche Übersetzung des Instrumentum Laboris steht hier zum Download bereit. Die Bestellung der gedruckten Fassung ist möglich per E-Mail an amazonien(at)adveniat(dot)de oder amazonien(at)misereor(dot)de.

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat

steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.500 Projekte gefördert werden, die mit 40 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.

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