Pressemitteilung vom 17. Mai 2017

"Ein Wegweiser für Frieden in Lateinamerika"

Adveniat trauert um Bischof Emil Lorenz Stehle

Bischof Emil Lorenz Stehle am 31. August 2000 in der Prälatur Santo Domingo de los Colorados in Ecuador. Foto: Rolf Bauerdick/Adveniat

Essen. „Mit seinem Leben für Dialog und Vermittlung bleibt Bischof Stehle auch über seinen Tod hinaus ein Wegweiser für den Frieden in Lateinamerika.“ Das sagte Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck in einer ersten Reaktion zum Tod von Bischof Emil Lorenz Stehle. „Seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschen, insbesondere die indigenen Völker, fühlen wir uns bei Adveniat weiterhin verpflichtet.“ Der ehemalige Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat ist am 16. Mai 2017 in Konstanz im Alter von 90 Jahren gestorben.

„Freund auf dem Friedensweg für El Salvador.“ So wurde Bischof Emil Lorenz Stehle von Weibischof Gregorio Rosa Chavez von San Salvador einmal bezeichnet. Nach der Ermordung von Erzbischof Oscar Romero 1980 vermittelte er in dem von einem blutigen Bürgerkrieg zerrissenen mittelamerikanischen Land. Bischof Stehle setzte sich für Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Guerilla, für die Freilassung von Geiseln sowie den Schutz der Zivilbevölkerung ein – bis schließlich 1992 das Friedensabkommen in Mexiko unterschrieben wurde. „Mit seinem schlichten Auftreten, seinem aufmerksam-geduldigen Zuhören und seinem diplomatischen Gespür war er ein kompetenter Gesprächspartner, Berater und Vermittler in vielen großen und kleinen Konflikten im kirchlichen und weltlichen Bereich – in Deutschland und in Süd- und Mittelamerika“, sagte Bischof Overbeck. Dabei wusste er sich getragen von einem lebendigen Glauben und Gottvertrauen, das auch in seiner Aussage deutlich wird: „Am Anfang war das Wort, nicht die Gewalt. Das Wort wurde Wahrheit und Leben, und das Wort schuf Frieden.“

"Don Emilio" aus Südbaden

Am 3. September 1926 wurde Emil Stehle in Herdwangen-Mühlhausen (Südbaden) als achtes Kind von neun Geschwistern einer einfachen Bauernfamilie geboren. 1951 in der Erzdiözese Freiburg zum Priester geweiht, stellte Stehle sich nach sechs Kaplansjahren dem Katholischen Auslandssekretariat zur Verfügung, um in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eine Gemeinde für deutschsprachige Katholiken aufzubauen. Bischof Dr. Franz Hengsbach, der damalige Vorsitzende der Bischöflichen Aktion Adveniat, ernannte ihn 1969 zunächst zum Berater Adveniats mit Sitz in Bogotá. Von dort aus sollte Stehle die Kontakte zum lateinamerikanischen Bischofsrat Celam aufbauen und sämtliche lateinamerikanischen Bischofskonferenzen besuchen, um mit ihnen die Schwerpunkte der Adveniat-Hilfe zu beraten. Im Oktober 1972 holte Bischof Hengsbach Emil Stehle als Zweiten Geschäftsführer in die Geschäftsstelle nach Essen. Von 1977 bis 1988 war er Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks.

Als „Don Emilio“, wie er in Lateinamerika liebevoll genannt wurde, 1983 in Rom zum Bischof geweiht und dem Erzbischof von Quito in Ecuador als Weihbischof zur Seite gestellt wurde, entwickelte er sich mehr denn je zum Wanderer zwischen zwei Welten. Als dann aber das Bischofsvikariat Santo Domingo de los Colorados 1987 zur Prälatur erhoben wurde, entschied er sich für den ständigen Wohnsitz in Ecuador. Für seinen großen Einsatz, besonders bei den Friedensbemühungen in Zentralamerika, die Befreiung von sieben Aufbauhelfern in Nicaragua und die Pionierarbeit in Santo Domingo de los Colorados in Ecuador wurde Bischof Stehle mehrfach ausgezeichnet: mit drei Ehrendoktor-Titeln und dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 2002 kehrte er in seine Heimatdiözese Freiburg zurück und lebt seitdem in Konstanz am Bodensee.

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: In den vergangenen Jahren konnten um die 2.500 Projekte pro Jahr gefördert werden, die jährlich mit rund 40 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.

Pressekontakt Adveniat

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