Pressemitteilung vom 23. März 2017

Kardinal Claudio Humes streitet in Washington für die Rechte Indigener

Interamerikanische Menschenrechtskommission erkennt Repam als Indigenen-Repräsentant an

Bischof Gilberto Alfredo Vizcarra Mori von Jaén/Peru vor den Kreuzen von 23 Indigenen vom Volk der Wampis, die starben als die Polizei ihre Proteste gewaltsam beendete. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

Essen/Washington. Mit vier indigenen Völkern ist Kardinal Claudio Humes nach Washington gereist, um mit ihnen für die Rechte aller ursprünglichen Völker im Amazonasgebiet zu streiten. „Die indigenen Völker müssen die Bauleute ihrer eigenen Geschichte sein. Die Kirche hat erst dann ihren Auftrag im Amazonasgebiet erfüllt, wenn das erreicht ist.“ Als Präsident des panamazonischen, kirchlichen Netzwerks Repam (Red Eclesial PanAmazónica), dem auch das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat angehört, will der brasilianische Kardinal Claudio Humes zusammen mit den indigenen Völker die Forderungen der Enzyklika „Laudato si‘“ von Papst Franziskus im Amazonasgebiet umsetzen. Dass dies die ganze Erde betrifft, konkretisiert Patricia Gualinga, Sprecherin des Dorfes Sarayaku aus dem ecuadorianischen Amazonasgebiet: „Wir sind nicht mehr die armen Indigenen, die man ausbeutet und isoliert. Wir wollen ein globales Bewusstsein schaffen, um unsere Territorien vor Ausbeutung zu bewahren und um Leben auf unserem Planeten auch in Zukunft zu ermöglichen.“

Indigene vor der Menschenrechtskommission

Beim Leben der Indigenen im Einklang mit der Natur handele es sich nicht um ein bisschen Folklore, betont Kardinal Humes. Mit ihrer Art zu leben, schützten sie die Lunge der Erde. Denn im Amazonasgebiet würden rund ein Fünftel der Atemluft „gereinigt“ und lagerten ein Fünftel der weltweiten Trinkwasserreserven. „Wir können nicht warten, weil später zu spät ist – wir müssen jetzt beginnen", sagte der enge Vertraute von Papst Franziskus.
Auf ihrer zehntägigen Washingtonreise, die am 17. März begonnen hat, informieren Kardinal Humes und das panamazonische Netzwerk Repam demokratische Abgeordnete des US-Kongresses, die Amerikanische Bischofskonferenz, Nichtregierungsorganisationen und die Universitäten über die besorgniserregenden Entwicklungen im Amazonasgebiet. Das Netzwerk Repam, zu dem sich die Kirchen der neun Amazonas-Staaten mit vielen kirchlichen Initiativen und Organisationen zusammengeschlossen haben, belässt es jedoch nicht bei der Klage über die Missstände. Vielmehr werden mit Schulungen die indigenen Völker in die Lage versetzt, ihre Rechte vor den internationalen Institutionen zu verteidigen. Entsprechend haben vier Völker Amazoniens die an ihnen verübten Menschenrechtsverletzungen vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte beispielhaft vorgetragen.

In Ecuador wurden die Völker der Shuar und Kichwa nicht angehört, bevor Gold- und Kupferabbau-Konzessionen an eine chinesische Firma vergeben wurden. Und das, obwohl Ecuador die UN-Konvention ILO 169 unterschrieben hat, die dies in jedem Fall fordert. Die Folge: vergiftete Flüsse sowie die Vertreibung von Kleinbauern und Indigene aus ihren Territorien. In Peru leiden die Völker der Awajun und Wampis, weil immer wieder Erdöl aus Pipelines aufläuft und ihre Flüsse und Wälder verseucht. Mit einer Straßenblockade hatten sich Angehörige der beiden Völker 2009 gegen die Erdölbohrungen auf ihrem Territorium gewehrt. Die Polizei stürmte die Blockade. 23 Indigene und neun Polizisten starben. Während die Indigenen verurteilt wurden, musste sich bis heute kein Polizist vor Gericht verantworten. In Brasilien sind die indigenen Territorien grundsätzlich verfassungsmäßig geschützt. Vor Ort fehlt jedoch in vielen Fällen die gesetzliche Festschreibung. Im Bundesstaat Acre sind beispielsweise indigene Gemeinden schutzlos Landraub und dem Eindringen von Bergbau-Unternehmen ausgesetzt. Und im Bundestaat Maranhão in Brasilien können die Kleinbauern nicht einmal das fürs eigene Überleben notwendige anbauen, weil das Abwasser aus dem Eisenerzabbau ihre Felder vergiftet.

Indigenen müssen immer gehört werden

„Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte hat die Amazonas-Staaten aufgefordert, die indigenen Völker in jedem Fall in öffentliche und transparente Beratungen einzubeziehen, wenn Rohstoffe ausgebeutet werden sollen“, erklärte Repam-Generalsekretär Mauricio López Oropeza. Weitere Erfolge: Das panamazonische Netzwerk wurde von der Kommission als Repräsentant der indigenen Völker anerkannt. Zudem wurde die Rolle der Kirche als Vermittlerin gestärkt.

Für den Leiter der Projekt-Abteilung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Thomas Wieland, erlebt die Internationale Gemeinschaft eine Zeitenwende: „Sämtliche Selbstverpflichtungen der Industrie und auch der Regierungen zum Schutz des Amazonasgebietes und seiner indigenen Völker sind gescheitert. Doch jetzt besteht die Hoffnung, dass die ursprünglichen Völker ihre Rechte und das Überleben Amazoniens verteidigen – zugunsten des gesamten Planeten. Sie sind mit ihrer Art zu leben die echten Umweltschützer.“ Die Indigenen dürften dabei nicht alleingelassen werden. „Repam zeigt, welche Kraft Netzwerke entwickeln können. Wir sind aufgerufen, die Völker Amazoniens solidarisch zu unterstützten – finanziell und mit einem gesellschaftlichen Bewusstseinswandel“, sagt Adveniat-Experte Wieland. Wie sehr diese Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg überzeugt, zeigt eine weitere Entscheidung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission: Sie behandelt die Anliegen der indigenen Völker nicht mehr als Einzelfälle einzelner Länder, sondern als Anliegen des gesamten Amazonasgebiets.

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.200 Projekte gefördert werden, die mit 35 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.

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