Volk Gottes, hab Mut!
Botschaft von Monsignore Guire Poulard, Erzbischof von Port-au-Prince
Zum zweiten Jahrestag des Erdbebens in Haiti hat sich der Erzbischof von Port-au-Prince, Monsignore Guire Poulard, an die Bevölkerung und die Gemeinschaft der Staaten gewandt und um dauerhafte Solidarität mit den Menschen in Haiti geworben:
„Bürgerliche Autoritäten und Autoritäten des Staates und der Regierung sind in der Pflicht, das Volk in einer permanenten Erinnerung an die Tragödie des 12. Januar 2010 zu halten. Nicht damit sie klagen wie Menschen ohne Hoffnung, sondern um zu verhindern, dass sich die gleichen Fehler noch einmal ereignen. Sie haben die Aufgabe und die Möglichkeit zu mahnen und Orientierung zu geben. Gleichzeitig ist es notwendig, die Konsequenzen aus der Katastrophe zu ziehen: Nämlich zu garantieren, dass zum Beispiel der Bau von Häusern und Infrastruktur klar geregelt wird, um Menschen und Gesellschaft zu schützen. Es ist an der Zeit, dass endlich der Mensch effektiv im Kern unserer Bemühungen steht.
Entscheider des Staates, verpasst nicht den Zug der Dezentralisierung! Volk Gottes, hab Mut. Setzt Eure Hoffung in Gott und in Euch selbst! Alle anderen Versprechen haben keine Garantie und gewähren keine wirkliche Hoffnung. Wartet nicht, dass irgendeine Instanz Euch zeigt, wie die Bauvorschriften umzusetzen sind, macht es selbst. Sonst verursacht Ihr schon heute den nahen oder fernen Tod Eurer Frauen, Eurer Männer, Eurer Kinder, Eurer Verwandten, Eurer Freunde, Eurer Mitarbeiter, Eurer Schüler, Eurer Studenten und Ihr nehmt Teil an der Zerstörung Eures Landes. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem es gilt, über den Schutz der Gesellschaft zu entscheiden, sowie über Möglichkeiten, wie Familie und Güter beschützt werden können. Dies ist unser Land, wenn wir nicht darauf aufpassen, wer sollte es an unsere Stelle tun?
Anlässlich des zweiten Jahrestages rufe ich alle Priester in der Erzdiözese auf, Gottesdienste für die Seelen der Verstorbenen zu feiern.
Volk Haitis, Autoritäten Haitis, Freunde aus dem Ausland, internationale Organisation, Nichtregierungsorganisationen, der Herr möge Sie begleiten und Sie erleuchten, damit Sie den Weg der anderen erhellen können! Er möge Ihnen helfen, gute Pläne zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Währenddessen vergessen sie nicht, dass der Wiederaufbau auch in kleinen Gesten passiert, die bedeutsam wie symbolisch sind, so wie das Pflanzen und die Aufzucht eines Baumes. Und das ist auch unser Auftrag. Fangen wir noch heute damit an.“
Monsignore Guire Poulard
Port-auch-Prince am 6. Januar 2012
Haiti - Endlich wieder die Schulbank drücken
Adveniat hilft haitianischen Schulkindern – „Mein Kopf fiel herunter“, so beschrieb die achtjährige Fleuridor Guervara, wie sie das Erdbeben am 12. Januar 2010 in ihrer Heimatstadt Port-au-Prince in Haiti erlebte.
„Mein Kopf fiel herunter“: Ein anschaulicher Satz, um nahezu Unbeschreibliches in Worte zu fassen: eine wankende Erde, die die Grundfesten des schon vorher bitterarmen Landes zum Einsturz brachte. Schätzungsweise 220.000 Menschen kamen damals ums Leben, unzählige wurden verschüttet oder schwer verletzt geborgen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen verloren ihr Heim. Das Beben zerstörte Wohnhäuser, Straßen, Krankenhäuser, Schulen, Kirchen und Behörden. Es war das schlimmste Erdbeben in der Geschichte Haitis und die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte der Vereinten Nationen, hieß es. Schwammige Statistiken, hilflose Superlative, um Grauenhaftes zusammenzufassen.
Kleine Schritte voran
Fast zwei Jahre später liegt in Haiti noch vieles im Argen. Kritische Stimmen mehren sich: Der Wiederaufbau schreite kaum voran, was sei eigentlich mit den Hilfsgeldern geschehen, warum gehe es nicht endlich bergauf in Haiti. „Es geht voran, aber in kleinen Schritten“, berichtet Margit Wichelmann, Länderreferentin für Haiti beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. „Haiti ist anders als Deutschland, wir müssen an der Seite der Haitianer mitgehen, statt unsere Maßstäbe anzulegen“, sagt sie. „Außerdem war Haiti schon vor dem Erdbeben extrem arm und es fehlten Strukturen, um die Hilfe schnell und effizient einsetzen zu können.“
Lernen und verarbeiten
Von ihrer jüngsten Projektreise nach Haiti im April 2011 kam Margit Wichelmann vorsichtig optimistisch nach Hause: „Einige Gemeindezentren, die ich 2010 in Trümmern sah, sind heute zumindest provisorisch wieder aufgebaut.“ Das sei auch deshalb so notwendig, da die Zentren Anlaufstellen für bedürftige Menschen seien. „Dort erhalten sie Hilfe und Beratung.“
Ein handfestes kirchliches Projekt liegt der jungen Frau besonders am Herzen: die Beschaffung von Schulbänken und Tafeln. „Für die Kinder in dem Erdbebengebiet sind ein geregelter Tagesablauf und der Schulbesuch äußerst wichtig“, sagt Wichelmann. „Und zwar nicht nur, um zu lernen, sondern auch, um die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.“ Die kleine Fleuridor hat mit ihren Mitschülern und Lehrern viel über das Erdbeben gesprochen. Sie lacht jetzt wieder oft. Ihre Alpträume werden seltener. Und ihr Kopf ist ganz ruhig, wenn sie in die Schule geht.
Spenden
Das schwere Erdbeben am 12. Januar 2010 in Haiti zerstörte viele Schulen in und um Port-au-Prince, darunter viele Einrichtungen in katholischer Trägerschaft. Nur zehn Prozent der haitianischen Schulen werden vom Staat unterhalten.
Zum neuen Schuljahr im Oktober 2010 konnte in und um Port-au-Prince nur knapp die Hälfte der Schulen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Um den Kindern und Jugendlichen zerstörter Einrichtungen so schnell wie möglich wieder den Schulbesuch zu ermöglichen, bat die katholische Kirche Adveniat um Hilfe: Man benötigt zunächst mindestens 1.400 Schulbänke mit integrierten Tischen sowie rund 550 Tafeln. Die Bänke sollen in einer Schulschreinerei hergestellt werden. Pro Bank belaufen sich die Kosten auf umgerechnet knapp 72 Euro.
Möchten auch Sie dabei helfen, dass Kinder in Haiti so rasch wie möglich wieder „die Schulbank drücken“ können?
Adveniat ist für jede Spende dankbar:
Spendenkonto 345
Bank im Bistum Essen (BLZ 360 602 95)
Stichwort: Schulbänke HAITI
Haiti nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010
Mehr als 220.000 Tote, 300.000 Verletzte, fast eine Million Menschen, die ihre Wohnstätte verloren haben: Auch ein Jahr nach dem Erdbeben vom 12. Januar brauchen die Menschen in Haiti ihre Hilfe.
Vergiss mein Haiti nicht
Mit unserer Aktion „Vergiss mein Haiti nicht!" möchten wir gemeinsam Hoffnung säen, die zerstörten kirchlichen Strukturen wieder aufbauen und den Menschen neuen Halt und Hoffnung geben.
Umfrage und Fotoslideshow
Was hat sich seit dem Erdbeben am 12. Januar 2010 in ihrem Leben geändert. Durchgeführt von Radio Soleil in Haiti.
Helfen Sie mit
Die Gemeinde ist wichtiger Anlaufpunkt der Menschen, denn Glaube und Gemeinschaft geben den Menschen Kraft.
Krach für Haiti
35 Sekunden lang hat die Erde in Haiti gebebt. Wir senden den Haitianern die Botschaft, dass wir an sie denken und ihnen Kraft schicken.
Mehr zur Aktion auf:
www.facebook.com/Adveniat
Nachrichten-Dossier
- Nachrichten - Aktuelles zu Haiti
- Hintergrund - Informationen zu Haiti
- Brennpunkt - Stimmen aus Haiti
Interview
„Die Haitianer brauchen die Freiheit, ihr Land selbst aufbauen zu dürfen"
Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka im Interview. Ist Haiti überhaupt noch zu helfen? Wie weit ist der Wiederaufbau der betroffenen Regionen gediehen? Welche Rolle spielt dabei die Kirche?

































