Haiti weiter nahe sein
Katholische Kirche in Haiti ruft mit Partnern weltweit Projekt zum Wiederaufbau ins Leben
Vom 22. bis 26. September 2010 hatte die Haitianische Bischofskonferenz zu einem internationalen Treffen nach Miami eingeladen. Angesichts der Zerstörung war es unmöglich, eine solche Konferenz in Haiti selbst abzuhalten. Ergebnis war ein gemeinsamer Aktionsplan zum Wiederaufbau der kirchlichen Infrastruktur, der den Namen PROCHE erhielt. Neben Vertretern internationaler Bischofskonferenzen und Hilfswerke nahmen auch Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka und Haiti-Referentin Margit Wichelmann teil.
PROCHE (französisch für „nahe“) steht für Proximité Catholique avec Haïti et son Église, was auf deutsch soviel heißt wie „Nähe der Katholiken zu Haiti und seiner Kirche“. Die Weichen für das Projekt wurden durch einen intensiven Austausch innerhalb der haitianischen Kirche, aber auch mit befreundeten Bischofskonferenzen und Institutionen, wie zum Beispiel Adveniat, gestellt. Ziel von PROCHE ist es, die zerstörte kirchliche Infrastruktur wieder aufzubauen. Dabei sollen die Fehler der Vergangenheit vermieden werden: Früher wurde bei Bauten in Haiti oft am falschen Ende gespart – weder die Statik der Gebäude noch das Material, aus dem sie gebaut sind, konnten einem Erdbeben oder Hurrikane standhalten. Zudem wusste eine Hand oft nicht, was die andere tut.
Organisierter Wiederaufbau von Haitis Kirchen
PROCHE legt deshalb besonderen Fokus auf Organisation und Struktur. Die Beteiligten wissen, dass Haiti langfristige, qualitative Hilfe benötigt, denn die Karibikinsel befindet sich in einer erdbebengefährdeten Zone. Deshalb greift PROCHE auf die Mithilfe von nationalen und internationalen Fachleuten – Architekten, Ingenieure, Kirchenfunktionäre, Wirtschaftsprüfer, Projektplaner etc. – zurück, die sich um die Planung und Umsetzung kümmern sollen. Die Planungsstruktur soll jederzeit transparent für alle Beteiligten sein, sodass jeder zu jeder Zeit informiert ist.
Finanziert werden soll das Projekt durch Spenden von internationalen Hilfswerken (beispielsweise Adveniat, Kirche in Not), internationalen Bischofskonferenzen (diverse lateinamerikanische Länder, Karibik, USA, Frankreich, Kanada), nationalen und internationalen Gemeinden und dem Vatikan. PROCHE soll alle Fäden, die zum Wiederaufbau der kirchlichen Infrastruktur gewebt werden, zusammenführen. Durch die strukturierte Herangehensweise können die Spendengelder gezielt eingesetzt werden. Darüber hinaus soll PROCHE die Solidarität und Zusammenarbeit der Mitwirkenden untereinander und mit Haiti im Besonderen stärken.
Haitianer sollen ihre Zukunft aktiv mitgestalten
Am 12. Januar 2010 wurde Haiti von einem Erdbeben der Stärke 7,0 auf der Richterskala überrascht. Bei diesem Erdbeben kamen mehr als 220.000 Menschen ums Leben, unzählige wurden verschüttet und schwer verletzt geborgen. Etwa 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Auch die katholische Kirche in Haiti, der 80 Prozent der Bevölkerung angehören, sah sich einer Welle der Zerstörung gegenüber. Viele Kirchenfunktionäre, Gemeindemitglieder und ehrenamtliche Mitarbeiter kamen ums Leben, zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Für viele Haitianer ist die Kirche gerade in dieser Zeit ein Anlaufpunkt, bei dem sie Trost und Zuflucht finden können. Durch die zerstörte Infrastruktur ist die Begleitung der Menschen oft nur eingeschränkt möglich. Auch Schulen, die von kirchlichen Institutionen gegründet wurden, sind betroffen – der Unterricht kann zurzeit nur unter erschwerten Bedingungen abgehalten werden. Durch den Wiederaufbau der Kirchen wird ein erster Schritt zurück in die Normalität getan. PROCHE soll den Menschen in Haiti zudem die Möglichkeit geben, selbst für ihr Land aktiv zu werden, indem sie das Projekt und seinen Ablauf mitgestalten und verantworten.
In Miami wurde der konkrete Aufbau der verschiedenen Gremien (PDF), deren Aufgaben und der Ablauf von PROCHE diskutiert und anschließend festgelegt. Im Dezember konnte mit dem kanadischen Ingenieur Yves Lacourcière bereits ein Direktor der Wiederaufbaueinheit (PDF) gewonnen werden, der sowohl bautechnische als auch kirchenstrukturelle Kenntnisse hat und das Land gut kennt. Generell ist es allen Beteiligten wichtig, dass so viele Aufgaben wie möglich in haitianischer Hand bleiben. Nur wenn sich, wie in diesem Fall, kein geeigneter einheimischer Kandidat findet, sollen ausländische Experten und Fachkräfte engagiert werden.






