Krankenseelsorge im brasilianischen Teresina

Im staatlichen Notfall-Krankenhaus von Teresina können Mittellose auf eine kostenfreie Behandlung hoffen.

Teresina gilt als heißeste Stadt Brasiliens. Dürre, Armut und Arbeitslosigkeit prägen die Hauptstadt des Bundesstaates Piauí. Aber Teresina hat etwas zu bieten, das Menschen aus jedem Winkel des Umlandes anzieht: Mehrere staatliche Kliniken mit guten Ärzten und moderner Ausstattung. Nur hier erhalten Krebskranke die überlebenswichtige Therapie, nur hier können Schwerverletzte hoffen, wieder auf die Beine zu kommen. Die Kliniken sind hoffnungslos überfüllt, die Wartelisten endlos. Doch für die Armen, die eine kostenlose Behandlung brauchen, gibt es keine Alternative. Angesichts der vielen Hilfesuchenden ist die Krankenseelsorge eine zentrale Aufgabe für die Kirche in Teresina.

Wie wertvoll der Beistand für die Kranken ist, darüber legt Paulo Artur Costa Leal eindrucksvoll Zeugnis ab: Mit schweren Lungenproblemen wurde der 49-Jährige aus Teresina zum Notfall-Krankenhaus gebracht. Er fiel ins Koma und wurde auf der Intensivstation versorgt. Vierzig Tage bangten seine Familie und die Mitarbeiter der Krankenseelsorge um sein Leben und beteten für ihn. „Nachdem ich aus dem Koma aufgewacht war, habe ich diese Kraft gespürt und mich wieder aufgerichtet.“ Aus Dankbarkeit gehört Paulo nun seit fast einem Jahr zum Kreis der Ehrenamtlichen um Padre Manoel. Mit seinem Engagement will er die Kraft weitergeben, die ihm selbst geschenkt wurde.

 

„Manchmal komme ich her, um drei Patienten zu besuchen, und am Ende des Tages habe ich vierzig besucht.“
Dabei weiß der 62-jährige Padre Manoel um seine Grenzen und ist deshalb so froh über die vielen Ehrenamtlichen.

 

„Alle, die für uns beten, geben uns Kranken die Kraft, uns wieder aufzurichten. Ich habe diese Kraft gespürt. Sie kommt aus unserem Glauben an Gott, aus unserer Familie und aus der Kirche. Deshalb ist die Krankenseelsorge so unbeschreiblich wichtig“, sagt Paulo Artur Costa Leal.

„Das größte Leid ist der innere Schmerz“

Vertrauensvoll wenden sich Angehörige an Padre Manoel.

„Ohne die vielen Ehrenamtlichen wäre das nicht zu schaffen. Sie machen großartige Arbeit, nicht nur in den Krankenhäusern, sondern auch in den Stadtvierteln der Ärmsten.“ Als Leiter der Krankenseelsorge in Teresina hat Padre Manoel Gomez de Matos über 100 Frauen und Männer für die Krankenseelsorge gewinnen können. Sie machen Hausbesuche in den Armenvierteln, gehen in den Krankenhäusern von Bett zu Bett, betreuen die Kranken und ihre Angehörigen.

Sehr intensiver Zuwendung bedürfen die vielen Patienten, die von weit her kommen. Ihre Familien haben alles Geld zusammengekratzt, um ihnen die Fahrt und die Herberge für die Wartezeit bis zur Aufnahme im Krankenhaus zu bezahlen. Für eine Begleitung durch Familienangehörige reicht das Geld aber nicht. Die Ärmsten unter den Kranken sind deshalb allein. So sind Padre Manoel und die Ehrenamtlichen der Krankenseelsorge oft mehr als nur geistlicher Beistand – sie ersetzen vielen die Freunde und Familie.

„Ich war krank, und ihr habt mich besucht" (Mt 25,36)

Zermürbend für die Schwerkranken sind die wochen- und oft monatelangen Wartezeiten auf eine Behandlung – gerade für die weit und allein Angereisten, die abgeschnitten sind von der Geborgenheit ihrer Familien. Jeden Tag hoffen sie aufs Neue, dass ihr Geld für den Herbergsplatz, Nahrung und Medikamente so lange noch reichen wird, bis sie einen Arzttermin oder ein freies Bett im Hospital bekommen.

Maria Alves dos Santos ist eine der vielen Ehrenamtlichen, die die Wartenden in den überfüllten Quartieren besucht. Sie ist weit mehr als nur eine gute Zuhörerin: Weil rund 30 Prozent der Kranken nicht lesen und schreiben können, sind die Krankenseelsorger für sie oft auch Ratgeber, Vermittler und Fürsprecher im Dialog mit Ärzten und Pflegern, mit den Krankenhausverwaltungen und Behörden.

 

„Das größte Leiden des Kranken ist der innere Schmerz – Sehnsucht nach der Familie, die nicht anwesend sein kann, weil sie kein Geld hat, Einsamkeit, Schwierigkeiten, die Rechnungen zu zahlen und etwas zu essen zu haben“, so Maria Bordingnon.

 

Maria Alves dos Santos arbeitet als Ehrenamtliche in der Krankenseelsorge und ist sich sicher: „Unsere kranken Brüder und Schwestern bedürfen unseres Besuches, unserer Aufmerksamkeit und unserer Liebe.“

„Jesus ruft uns an die Seite der Ärmsten und Kranken“

Betreuung von Kranken – besonders armen und einsamen Menschen – ist für die Kirche in Lateinamerika eine wichtige Herausforderung.

Nachfolge Jesu bedeutet für Padre Manoel und die über 100 Ehrenamtlichen der Krankenseelsorge in Teresina im armen Nordosten Brasiliens: Kranken in den Armenvierteln und den Krankenhäusern zur Seite stehen, ihnen helfen und mit ihnen beten. Adveniat hat dafür ein Fahrzeug finanziert.

Adveniat hilft der Kirche in Lateinamerika und der Karibik im Bereich Krankenseelsorge und allen anderen kirchlichen Arbeitsfeldern, wo das Engagement der Armen und die Mittel der Kirche vor Ort allein nicht ausreichen. Denn den Glauben der Menschen und ihren Zusammenhalt zu stärken, ist für viele die entscheidende Kraftquelle, ihr Leben in Armut zu bestehen und schrittweise zu verbessern.

Mit Ihrer Spende leisten Sie dazu einen wertvollen Beitrag.

 

Kraft schenken für Körper und Seele:
Aufruf von Prälat Klaschka

Es gibt noch viele andere Projekte, mit denen Adveniat die Kirche in Lateinamerika in ihrem wichtigen Dienst an den Kranken unterstützt – zum Beispiel:

Hilfe und Seelsorge für Tuberkulose-Kranke:
In Peru sterben noch immer Tausende an der „Arme-Leute-Krankheit“ Tuberkulose. Schwester Maria van der Linde bildet in Lima seit 30 Jahren Gesundheitshelfer aus, die über Risiken und Behandlung aufklären und den Kranken zur Seite stehen.
Adveniat finanziert die Ausbildung jedes Gesundheitshelfers mit 57 Euro.

Dem Kranken als Mensch gerecht werden:
Angesichts der schlechten Gesundheitsversorgung im Nordosten Argentiniens bietet die Diözese Santo Tomé eine Krankenpfl ege-Ausbildung an. Für den kirchlichen Träger ist es sehr wichtig, dass die Ausbildung über die rein medizinischen Inhalte hinaus den Menschen in seiner ganzen Würde in den Blick nimmt.
Adveniat fördert die Ausbildung mit monatlich 91 Euro.

In Würde Abschied nehmen:
In einer Kleinstadt im brasilianischen Bundesstaat São Paulo haben Schwestern das Hospiz Casa de Apoio Sol Nascente II eingerichtet, in dem todkranke Menschen  würdevoll die letzten Wochen oder Monate ihres Lebens medizinisch versorgt und liebevoll begleitet verbringen können. Die Kosten für Medizin, Lebensmittel und Hygiene-Artikel belaufen sich je Patient im Monat auf durchschnittlich 119 Euro.