Mit 30,6 Millionen Euro für mehr als 800 Projekte verlässlich bei den Menschen in Lateinamerika
„Adveniat ist der langfristig und nachhaltig verlässliche Partner an der Seite der Menschen in Lateinamerika und der Karibik.“ Das hat Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck bei der Vorstellung des Jahresberichts des Lateinamerika-Hilfswerks am Montag, 11. Mai 2026, am Dienstsitz in Essen gesagt. Im Geschäftsjahr 2025 seien mehr als 800 Projekte mit 30,6 Millionen Euro gefördert worden. „Und das in Zeiten, in denen der entwicklungspolitische Kahlschlag und die geopolitischen Entscheidungen des amtierenden US-Präsidenten ganz besonders für die Menschen in Lateinamerika und der Karibik existentielle Folgen haben“, so Bischof Overbeck.

Adveniat-Geschäftsführerin Tanja Himer, Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier SJ (v. r. n. l.) haben in der Essener Geschäftsstelle des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat den Jahresbericht für das Haushaltsjahr 2025 präsentiert. Foto: Titus Lambertz/Adveniat
„Denn im Globalen Süden steigt die Zahl der Hungernden infolge der Kriege und Krisen massiv an.“ Auf seiner Reise nach Kolumbien hätten ihm die Partnerinnen und Partner mit Blick auf die Zerschlagung der weltweit größten Hilfsorganisation USAID Mitte 2025 durch Präsident Trump signalisiert: „Es ist gut zu wissen, dass das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat die Spenden der bundesweiten Weihnachtskollekte nutzt, um verlässlich Projekte in Lateinamerika und der Karibik zu unterstützen.“
Besonders berührt zeigte sich Overbeck von dem Projekt Talitha Qum im kolumbianischen Cartagena, das auch bei Papst Franziskus auf dem Besuchsprogramm stand. Ordensschwestern ermöglichen hier Mädchen und jungen Frauen eine gute Zukunft, die vergewaltigt und missbraucht wurden und als junge Mütter ein schwieriges Leben führen. Erfreut zeigte sich Adveniat-Bischof Overbeck, dass dieses wichtige Thema im Mittelpunkt der diesjährigen bundesweiten Adveniat-Weihnachtsaktion steht, die am 1. Adventssonntag im Erzbistum München und Freising unter dem Motto: „Mut-Macherin. Frauen stärken. Hoffnung schenken.“ eröffnet wird. „Denn Frauen erleiden allein aufgrund ihres Frauseins Ausgrenzung, massive Gewalt bis hin zu Ermordungen“, erläuterte Overbeck die weltweit dramatische Wirklichkeit für Frauen. „In den nach wie vor vom Machismo, also dem männlichen Dominanzgehabe, geprägten Gesellschaften Lateinamerikas sind sogenannte Femizide – Morde an Frauen aufgrund ihres Geschlechts – grausamer Alltag. Die UN-Wirtschaftsorganisation für Lateinamerika und die Karibik hat mehr als 19.000 Femizide in den vergangenen fünf Jahren gezählt, das sind gut elf pro Tag“, so der Adveniat-Bischof.
Adveniat-Geschäftsführerin Tanja Himer erläuterte angesichts dieser Dramatik, wie Adveniat mit den Partnerinnen vor Ort ein Netzwerk der Solidarität für Frauenrechte knüpft und das Bewusstsein schärft. In Frauenhäusern finden Mütter mit ihren Kindern Schutz, in psychologischen Beratungsstellen können Frauen ihre Gewalt- und Leidensgeschichten aufarbeiten, Ausbildungs- und Berufsvorbereitungskurse ermöglichen es Frauen, ihr eigenes Geld zu verdienen. Als Beispiel verwies die Adveniat-Geschäftsführerin auf den Frauenverband „Federación de Mujeres de Sucumbíos“ in Ecuador: „Hier werden Frauen empowert, damit sie selbstbewusst und solidarisch ihre Zukunft, die ihrer Familie und die ihrer Gesellschaft aktiv gestalten können.“ In Erinnerung sei ihr ein Zitat der Leiterin des Frauenverbandes geblieben, der die Arbeit vor Ort und die Zusammenarbeit zwischen Adveniat und den Partnerinnen auf den Punkt bringt: „Es ist unglaublich, welche Kraft entsteht, wenn wir für gemeinsame Ziele kämpfen.“
Diese Solidarität sei nur dank der Großzügigkeit der Spenderinnen und Spender möglich. Im Geschäftsjahr 2025, das vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2025 reicht, seien die Spendeneinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 3 Millionen Euro auf insgesamt 34 Millionen Euro zurückgegangen, lägen aber in etwa auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2023. „Während im Jahr 2025 dem Spendenmonitor des Deutschen Spendenrates zufolge die Zuwendungen von Privatpersonen um 9 Prozent zurückgegangen sind, lassen sich die in etwa identischen Einnahmerückgänge bei Adveniat überwiegend durch Einmaleffekte erklären“, betonte die Adveniat-Geschäftsführerin. Verringert hätten sich die Erträge aus Wertpapieren um eine Million, um 800.000 Euro seien die aus dem Vorjahr zugeflossenen Spenden zurückgegangen und um eine weitere Million die sogenannten Weiterleitungsspenden. Ansonsten blickt Adveniat auf einen stabilen Zuspruch seiner Spenderinnen und Spender. „Obwohl die Zahl der Weihnachtsgottesdienste ebenso wie die Anzahl der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher von Jahr zu Jahr sinkt, ist die Weihnachtskollekte mit mehr als 13,7 Millionen Euro lediglich um 0,6 Millionen niedriger ausgefallen als 2023. Und dem Rückgang bei den Einzelspenden um 0,6 Millionen auf 15,9 Millionen Euro steht ein nahezu identisches Plus bei den Einnahmen aus Erbschaften gegenüber, die auf insgesamt 3 Millionen Euro angestiegen sind“, fasste Himer zusammen.
Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier nannte es den Auftrag Adveniats, mit diesen Spenden Hoffnungsinseln zu schaffen. „Diese Hoffnungsinseln bieten den Menschen Chancen und verändern ihr Leben.“ Denn es seien gerade die armen Menschen, die unter den Folgen geopolitischer Entscheidungen, unter dem globalen Handeln aber auch Nichthandeln leiden. „Haiti ist ein Beispiel für das Wegschauen und Versagen der internationalen Gemeinschaft“, sagte Pater Maier, der Ende April mit haitianischen Bischöfen in Miami gesprochen und Projekte für haitianische Flüchtlinge an der Grenze zur Dominikanischen Republik besucht hatte. „Nach der unkoordinierten Hilfswelle nach dem Erdbeben 2010 ohne Einbindung der lokalen Bevölkerung sowie der gescheiterten UN-Blauhelm-Mission haben die selbsterklärten Retter das Land im Stich gelassen und vergessen“, kritisierte der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Die Folge: Marodierende Banden tyrannisieren die Menschen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt. 1,3 Millionen Haitianer sind obdachlos. „Während andere sich zurückziehen, hilft Adveniat bis heute mit Schulspeisungen, Versorgung mit Medikamenten und Hygieneartikeln, Bildungs- und Wiederaufbauprojekten“, so Pater Maier.
Genauso litten die Menschen unter dem neuen US-Imperialismus. Als Beispiele nannte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Maier die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA zu Beginn dieses Jahres, die bis heute andauernden außergerichtlichen Hinrichtungen von Menschen in vermeintlichen Drogen-Booten in der Karibik und die massiven Drohungen in Richtung Kuba. „Da die USA keinerlei Interesse an einem demokratischen Wandel in Venezuela zeigen, sondern sich mit dem Austausch des einen Autokraten durch eine andere Autokratin, nämlich Delcy Rodriguez, zufrieden zu geben scheint, drängt sich ein schlimmer Verdacht auf“, so Pater Maier. „Ziel war gar nicht Venezuela und die notleidende Bevölkerung, sondern der von US-Außenminister Marco Rubio immer wieder angedeutete Regimewechsel in Kuba. Denn die fehlenden Öllieferungen aus Venezuela lassen in Havanna die Lichter ausgehen“, erläuterte der Adveniat-Hauptgeschäftsführer. Da unter dem Zusammenbruch der Energieversorgung, die überwiegend über Erdöl-Kraftwerke funktioniert, die arme Bevölkerungsmehrheit am meisten leide, stehe Adveniat an der Seite der Armen – unabhängig von der politischen Ausrichtung des Regimes, unter dem die Menschen leben. „Dank unserer Spenderinnen und Spender können in Lateinamerika Kinder und Jugendliche Schulen besuchen, Gemeinden ihren Energiebedarf mit Solarzellen unabhängig von umweltschädlichen Dieselaggregaten sichern und Menschen werden befähigt, ihre Lebensbedingungen aus eigener Kraft zu verbessern“, fasste Pater Maier die Erfolge der Hoffnungsinseln zusammen.
Adveniat
Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Getragen wird diese Arbeit von vielen Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten mehr als 800 Projekte mit 30,6 Millionen Euro gefördert werden, die genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Menschen vor Ort.






