Sozialforum FOSPA: Den Regenwald als lebendiges System respektieren 

Beim länderübergreifenden Sozialforum FOSPA forderten die Teilnehmer in Ecuador ein „fossilbrennstofffreies Amazonasgebiet“ und wollen nun geschlossen gegen Rohstoffprojekte vorgehen. Dabei setzen sie vor allem auf die Justiz. Mit dabei auch das kirchliche Amazonas-Netzwerk REPAM, das vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt wird.

Im ecuadorianischen Puyo haben sich Vertreter von indigenen und afro-lateinamerikanischen Völkern, Umweltschutzorganisationen sowie von sozialen und kirchlichen Bewegungen getroffem, um über länderübergreifende Strategien für den Erhalt dieses riesigen, für das Weltklima so wichtigen Ökosystems zu sprechen. Foto: Adveniat

Ölförderung im brasilianischen Amazonas-Mündungsbecken oder im ecuadorianischen Yasuni-Nationalpark. Drogenanbau und Abholzung in Peru oder Kolumbien, die Wiederauferstehung der venezolanischen Erdöl- und Erdgasindustrie und der wachsende Rohstoffhunger der geopolitischen Supermächte USA, China und Europa bedrohen den Erhalt des Amazonas-Regenwaldes. Im ecuadorianischen Puyo trafen sich nun Vertreter von indigenen und afro-lateinamerikanischen Völkern, Umweltschutzorganisationen sowie von sozialen und kirchlichen Bewegungen, um über länderübergreifende Strategien für den Erhalt dieses riesigen, für das Weltklima so wichtigen Ökosystems zu sprechen.

Nati Greene, die für die Organisation der insgesamt zwölften Auflage des Panamazonischen Sozialforums FOSPA verantwortlich war, zog im Gespräch mit der Katholischen Nachrichtenagentur eine positive Bilanz und kündigte eine länderübergreifende juristische Initiative an. Ziel sei ein „fossilbrennstofffreies Amazonasgebiet“.

„Wir haben etwas erreicht, was heute unverzichtbar ist: das Amazonasgebiet als ein einziges, zusammenhängendes Gebiet zu betrachten und die Kämpfe für den Erhalt zu bündeln, die oft isoliert in den einzelnen Ländern geführt werden“, sagte Nati Greene nach Ende der Konferenz.

„Yasuní zeigt uns, dass es möglich ist, dass eine Gesellschaft beschließt, das Erdöl im Boden zu lassen. Nun müssen diese Entscheidungen respektiert werden und Prozesse im gesamten Amazonasgebiet anregen.“

Nati Greene, war für die Organisation des Panamazonischen Sozialforums FOSPA verantwortlich

Ein gewundener Fluss schlängelt sich durch den dichten grünen Regenwald, der teilweise von Wolkenfeldern verdeckt wird, wobei an einigen Kurven sandige Flussufer zu sehen sind.

Indigene Völker und Nationalitäten, lokale Gemeinschaften und Menschen afrikanischer Herkunft, Frauen, Jugendliche, soziale Organisationen, Wissenschaftler und Bewegungen aus dem gesamten Einzugsgebiet seien zusammengekommen, um festzustellen, „dass hinter den Bedrohungen – auch wenn sie unterschiedliche Namen tragen – ein und dasselbe Modell des Drucks auf die Gebiete steckt: Die Ausweitung der Öl- und Bergbauindustrie, Entwaldung, illegale Wirtschaftszweige, Gewalt sowie die Verletzung kollektiver Rechte und der Rechte der Natur.“

Die Beteiligten, die eine Woche lang diskutierten und Erfahrungen austauschten, wollen nun länderübergreifend agieren und ihre Kräfte bündeln. „Die wichtigste Errungenschaft des FOSPA besteht darin, dass wir uns nicht mit einer weiteren Absichtserklärung begnügen wollten. Wir kamen mit dem Auftrag nach Ecuador, mehr als zwanzig Jahre panamazonischer Zusammenarbeit in konkrete Maßnahmen umzusetzen“, sagt Greene. Die Herausforderung bestehe jetzt darin, den Panamazonischen Aktionsplan von Puyo 2026 umzusetzen und weiterzuverfolgen, Verantwortlichkeiten und Koordinierungsmechanismen zwischen den Ländern festzulegen und diese Zusammenarbeit bis zum nächsten Forum, das 2028 in Kolumbien stattfinden wird, aufrechtzuerhalten.

Dabei haben die Teilnehmer auch konkrete Ziele erarbeitet. Eine der Botschaften aus Puyo sei die Notwendigkeit, auf Gebiete hinzuarbeiten, die frei von Rohstoffabbau sind, insbesondere Gebiete, die frei von neuen Öl-, Gas- und Bergbauprojekten sind. Es gelte, sich für ein Amazonasgebiet mit Rechten einzusetzen und gleichzeitig wirtschaftliche Alternativen aufzubauen, die das Leben sichern und die Autonomie der Völker stärken. „Yasuní zeigt uns, dass es möglich ist, dass eine Gesellschaft beschließt, das Erdöl im Boden zu lassen. Nun müssen diese Entscheidungen respektiert werden und Prozesse im gesamten Amazonasgebiet anregen.“ Die Bevölkerung Ecuadors hatte sich in einem Referendum gegen eine Ölförderung im Yasuni-Gebiet entschieden, das wegen seiner Biodiversität als eines der ökologisch wertvollsten und sensibelsten der Welt gilt.

„Wir müssen auf die Anerkennung des Amazonasgebiets als Rechtssubjekt hinarbeiten, in dem Bewusstsein, dass es sich um ein einziges lebendiges und miteinander verbundenes System handelt, das nicht durch eine Aufteilung entlang nationaler Grenzen geschützt werden kann“, sagt Greene. Eine Anlaufstelle dazu ist der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte, der innerhalb der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) angesiedelt ist. Der Amazonas müsse im Prozess des Ausstiegs aus fossilen Brennstoffen als „Ausgrenzungszone“ betrachtet werden. Die Region dürfe daher nicht länger als Ressourcenreservat behandelt werden, „um die Bedürfnisse der übrigen Welt zu befriedigen.“ Der wirksame Schutz des Amazonasgebiets erfordere die gleichzeitige Anerkennung der Rechte der Ökosysteme sowie der Autorität, des Wissens und der Selbstbestimmung der Völker, die diese seit Generationen bewahren.

Das Panamazonische Sozialforum ist nach eigenen Angaben eine alle zwei Jahre stattfindende, autonome und pluralistische regionale Plattform, die indigene Völker, afro-stämmige Völker, lokale Gemeinschaften, soziale Bewegungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Wissenschaft aus den neun Ländern des Amazonasbeckens zusammenbringt: Ecuador, Peru, Brasilien, Bolivien, Venezuela, Guyana, Surinam und Französisch-Guayana.

Für die katholische Kirche ist der Schutz des Amazonas inzwischen ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit. Papst Franziskus hat während seines Pontifikats (2013–2015) den Aufbau der entsprechenden strukturellen Rahmenbedingungen unterstützt. Das kirchliche Amazonas-Netzwerk REPAM und die Amazonas-Bischofskonferenz CEAMA sind inzwischen etablierte Ansprechpartner für die sozialen Bewegungen und Umweltschutzgruppen und waren in Ecuador ebenfalls präsent.

Text: Tobias Käufer/kna

So hilft Adveniat im Amazonasgebiet

Der weltweite Hunger nach Rohstoffen, Holz und Fleisch zerstört die Lebengrundlage der indigenen Völker am Amazonas und erstickt die Lunge der Welt. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen vor Ort unterstützt Adveniat indigene Gemeinschaften dabei, ihre Rechte zu schützen und den zerstörerischen Eingriffen von Konzernen und Regierungen entgegenzuwirken. Die indigenen Völker leben im Einklang mit der Natur und sind damit die wahren Umweltschützer und Klimaretter.

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