Bischof Johannes Bahlmann: "Mensch und Natur heilen"

Die Kirche hat Bischof Johannes Bahlmann von Óbidos im brasilianischen Amazonasgebiet zufolge zwei große Aufgaben: „Wir müssen die Wunden der Natur heilen. Und wir müssen die Wunden der Menschen heilen.“

Bischof Johannes Bahlmann besucht die Mutterstation im Krankenhaus Santo Antonio in Alenquer.

Bischof Johannes Bahlmann besucht die Mutterstation im Krankenhaus Santo Antonio in Alenquer. Foto: Florian Kopp

Bevor er aufs Gaspedal tritt, betet Bischof Johannes Bahlmann noch kurz ein Vaterunser. Dann steuert er seinen Pick-up über eine Staubpiste. Die Rinderweiden rechts und links der Straße werden nur ab und zu von Waldstücken unterbrochen. „Hier ist schon alles abgeholzt“, sagt der 59-Jährige, der aus Niedersachsen stammt und den hier alle Dom Bernardo nennen. „Schlimm ist das.“ Seit zehn Jahren leitet er die Diözese von Óbidos, die am Ufer des Amazonas im brasilianischen Bundesstaat Pará liegt und eine der größten des Landes ist. Die ländliche, größtenteils von Dschungel bedeckte Region gehört zu den konfliktreichsten Brasiliens. Hier herrschen eigene Gesetze. Der Staat ist weit weg und die Infrastruktur prekär. Großgrundbesitzer, Holzfäller und Viehzüchter geben den Ton an. „Man braucht Mut, wenn man hier etwas verändern will“, sagt Dom Bernardo. 

Drei drängende Probleme sieht er: Die Umweltzerstörung, die soziale Ungerechtigkeit sowie die schieren Ausmaße seiner Diözese. „Es ist nicht einfach für mich, bei den Menschen präsent zu sein“, sagt er. „Aber ich versuche es.“ Und so reist der Bischof manchmal tagelang mit Booten über die Flüsse der Region. „Die Kirche muss zu den Menschen gehen, nicht umgekehrt“, zitiert er Papst Franziskus. Auch deswegen ist Dom Bernardo ein großer Befürworter von Laienpriestern. „Ohne sie gäbe es vielerorts gar keine Gottesdienste mehr“, sagt er. Besonders am Herzen liegt ihm die vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat finanzierte Laienschule in Óbidos. Hier werden Laienprediger ausgebildet und in sozialen und ökologischen Themen unterrichtet. „Die Schule bringt immer wieder lokale Führungspersönlichkeiten hervor“, sagt der Bischof. 

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Auch dank seines Einsatzes fährt seit 2019 ein Hospital-Schiff mit rund 30 Ärzten und Krankenpflegern an Bord auf dem Amazonas und seinen Zuflüssen. Die „Papa Francisco“ bringt medizinische Versorgung an Orte, an denen die Menschen zuvor häufig noch nie einen Arzt gesehen haben. 50.000 Euro hat Adveniat zu Beginn der Coronakrise der Gesundheitspastoral des Bistums zur Verfügung gestellt. Die Kirche hat Bischof Bahlmann zufolge zwei große Aufgaben: „Wir müssen die Wunden der Natur heilen. Und wir müssen die Wunden der Menschen heilen.“

Text: Philipp Lichterbeck

 

Jeder Fünfte in Lateinamerika und der Karibik lebt auf dem Land. Das bedeutet häufig auch, abgehängt und ausgeschlossen zu sein. Und jetzt auch noch Corona. Das Virus trifft mit der Landbevölkerung auf eine besonders verletzliche Gruppe. Deshalb rückt das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat mit seiner diesjährigen bundesweiten Weihnachtsaktion der Katholischen Kirche die Sorgen und Nöte der armen Landbevölkerung in den Blickpunkt:
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