"Wo es genug zu essen gibt, herrscht Frieden" - Adveniat-Gäste besuchen Oldenburger Land

In Europa ist der Klimawandel erst seit wenigen Jahren Thema, in den bolivianischen Anden ist er schon lange Alltag. Seit den 1970er Jahren ändere sich die Umwelt spürbar, berichtete Adveniat-Aktionsgast Ricardo Crespo Torrico bei seinem Besuch im Bischöflich Münsterschen Offizialat.

Ricardo Crespo Torrico (l.) und Rosalie Choque (2.v.l.) berichteten Weihbischof Wilfried Theising aus ihrem Land. Übersetzt wurde ihr Besuch von Monika Hoppe-Fließ (r.). Im Hintergrund Stephan Eisenbart. Foto: Heuer

Die Regenzeiten würden immer kürzer, und wenn das Wasser endlich käme, dann immer öfter als Starkregen oder sogar Hagel, der an den Hängen Ernte vernichte und Felder zerstöre. Torrico weiß, wovon er spricht. Seit 35 Jahren setzt sich der 57-jährige Agrarökonom in Tapacari, 80 Kilometer westlich der Großstadt Cochabamba, im Auftrag der katholischen Kirche für nachhaltige Landwirtschaft ein. Die Bauern lehrt er alternative und ökologische Anbaumethoden.

Der Besuch von Torrico und der Katechetin Rosalie Choque in Schulen und Einrichtungen des Oldenburger Landes steht im Zeichen der diesjährigen Adveniataktion. Als Partner des Lateinamerika-Hilfswerks berichtet er in den Bistümern Essen, Münster und Dresden über ihre Erfahrungen. Der Adveniatsonntag am 1. Advent steht unter dem Motto „Friede! Mit Dir!“. Der Aktionsschwerpunkt liegt auf den Themen Einsatz für Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz.

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„Wir wollen mit unserer Arbeit den Hunger bekämpfen“, erklärte Torrico. Fast die Hälfte der Bolivianer lebt auf dem Land, fast jeder fünfte in absoluter Armut. Er bringt den Bauern bei, wie sie ihren kargen Boden mit Terrassenfeldern besser bewirtschaften, Wasserspeicher anlegen und Brachflächen wieder aufforsten können. Er möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, was es heißt, „die Wunder von Mutter Erde zu schützen.“ Seine Arbeit zeigt Erfolge, auf ehemals kargen Hängen in einer Region, die lange vom Bergbau schwer belastet war, wachsen jetzt Äpfel, Kartoffeln, Mais, Gemüse und Bäume. Trotz aller Erfolge – in der ausreichenden Produktion von Lebensmitteln sieht er immer noch seine größte Herausforderung. Das wirke auch der Landflucht entgegen, weiß er.

„Wir müssen glauben an das, was wir tun“, sagte Torrico. „Wo es genug zu essen gibt, herrscht Frieden“, hat er es immer wieder erlebt. Als Mitglied des Seelsorgeteams seiner Pfarrei kümmert er sich vor allem um junge Erwachsene. Die katholische Kirche, der 78 Prozent der Bevölkerung Kolumbiens angehören, sei für diese Arbeit eine gute Adresse. Im 2016 abgeschlossenen Friedensprozess habe sie sich sehr viel Vertrauen in der Bevölkerung erworben, betonte er. 

Wie kirchliche Gemeindearbeit aussieht in einer dünn besiedelten Region, die zwischen 2.700 und 4.000 Metern Höhe liegt und sich auf 40 kleine Dorfgemeinschaften erstreckt, erzählte die 24-jährige Katechetin und Bäuerin Rosalie Choque. In viele Siedlungen käme nur zweimal im Jahr ein Priester. In ihrer Pfarrei ist es ein deutscher Priester, der akzentfrei Quechua, eine der indigenen Sprachen, beherrscht. Die Basisarbeit liege bei den Katecheten. Taufen oder Eheschließungen müssten bis zu zentralen Glaubensfesten an Ostern, Pfingsten, Erntedank oder Weihnachten warten. Dann kämen viele Menschen von weit her zusammen, um ihren Glauben zu teilen, berichtete Rosalie Choque.

Text: Ludger Heuer