Chile in der Corona-Krise
- Ausnahmezustand und Militär auf den Straßen

Seit den blutigen Demonstrationen sind in Santiago de Chile im Zuge der Corona-Pandemie nun erstmals wieder Militärs auf den Straßen. Die Schulen setzen auf Online-Unterricht, doch nicht jedes Kind hat einen Computer und Internetzugang zu Hause. Adveniat-Korrespondentin Sophia Boddenberg berichtet aus Santiago de Chile.
 


Das südamerikanische Land hat den Ausnahmezustand erklärt, seine Grenzen geschlossen und dem Militär die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit übertragen.

In sieben Stadtvierteln von Chiles Hauptstadt Santiago gibt es jetzt eine vollständige Ausgangssperre für mindestens sieben Tage. Dabei handelt es sich größtenteils um die wohlhabenden Viertel im Osten der Stadt, wo es bisher die meisten Corona-Virusfälle gibt.

Für die chilenische Bevölkerung kommen durch die Präsenz des Militärs böse Erinnerungen zutage. Bei Demonstrationen im Oktober wurden Studenten von Militärs auf offener Straße erschossen. Die Proteste finden derzeit nicht mehr statt, aber es gibt weiter Aktionen an den Fenstern, bei denen mit Kochtöpfen Lärm gemacht wird.
 

für die Menschen in Lateinamerika in der Corona-Krise


Die Proteste in Chile richten sich unter anderem gegen das Gesundheitssystem, das in großen Teilen privatisiert ist. Es gibt jetzt schon Engpässe bei medizinischen Produkten wie Atemmasken und Desinfektionsmitteln.

Schulen und Universitäten sind geschlossen, die Winterferien wurden vorgezogen und viele Lehrer geben momentan Online-Klassen. Das hat zu Kritik geführt, weil viele Kinder zuhause kein Internet oder keinen Computer haben.

Auch Restaurants, Bars und Kirchen sind geschlossen. Der Erzbischof von Santiago hat dazu aufgerufen, Gottesdienste online, im Radio oder im Fernsehen zu verfolgen.