Vorbereitungsdokument zur Kirchlichen Versammlung für Lateinamerika und die Karibik

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und Misereor veröffentlichen die deutsche Übersetzung des Vorbereitungsdokuments zur Kirchlichen Versammlung von Lateinamerika und der Karibik, die vom vom 21. bis 28. November in Mexiko stattfindet. Damit wird der von Papst Franziskus ausgerufene weltweite synodale Prozess konkret.

Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz SVD. Foto: Misereor

Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz SVD. Foto: Misereor

„Es geht auf dem synodalen Weg um eine soziale, ökologische, kulturelle und kirchliche Umkehr.“ Davon sind die Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat und des Werkes für Entwicklungszusammenarbeit Misereor, Pater Michael Heinz und Pirmin Spiegel, überzeugt. Die beiden Werke haben das Vorbereitungsdokument zur Kirchlichen Versammlung von Lateinamerika und der Karibik übersetzt und herausgegeben. Unter dem Titel „Wir alle sind missionarische Jüngerinnen und Jünger im Aufbruch“ bereiten sich die Teilnehmenden auf die kontinentale Kirchenversammlung vor, die vom 21. bis 28. November in Mexiko stattfindet. Damit wird der von Papst Franziskus ausgerufene weltweite synodale Prozess konkret. Ziel ist „eine Kirche im Dienst am Leben und an der Schöpfung, in der die Beteiligung von Laien und dabei besonders von Frauen prägend sein soll“. Voraussetzung dafür sei der von Papst Franziskus vielfach geforderte grundlegende Systemwechsel: Anstelle einer „Wirtschaft, die tötet“ (EG 53), bedarf es einer Wirtschaft, die im Dienst des Lebens steht und Ausgrenzung und Wegwerfkultur (13) überwindet und stattdessen den Klageschrei der geschundenen Erde wahrnimmt (14)“.

Vorbereitungsdokument zur Kirchlichen Versammlung von Lateinamerika und der Karibik

Vorbereitungsdokument zur Kirchlichen Versammlung von Lateinamerika und der Karibik


"Bei der Kirchlichen Versammlung von Lateinamerika und der Karibik geht es um eine soziale, ökologische, kulturelle und kirchliche Umkehr", betont Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz. Unter dem Titel "Wir sind alle missionarische Jüngerinnen und Jünger im Aufbruch" liegt der Text des Vorbereitungsdokuments in deutscher Übersetzung vor:

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Die Corona-Krise hat in Lateinamerika die Situation für die Armen verschärft. Für die beiden Leiter der Werke geht es deshalb darum, dass die Kirche zu den aktuellen Herausforderungen Stellung bezieht. „Vor allem soziale und wirtschaftliche Auswirkungen infolge der Lockdowns und anderer pandemiebedingter Maßnahmen haben dramatische Schäden hinterlassen. Sie haben bereits existierende Krisen weiter zugespitzt.“ Entsprechend benennt das Dokument „als eine wesentliche Ursache für die Krisen“ ein „lebensfeindliches Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell, welches das Leiden der Menschen und die Zerstörung des Planeten mit verursacht“. Die Kirchliche Versammlung will sich diesen Fragen stellen. Dazu gehören auch die überfällige und volle Teilhabe von Frauen in Kirche und Gesellschaft sowie die unzähligen, jahrzehntelang vertuschten Missbrauchsfälle als wesentliche Elemente der aktuellen Kirchenkrise. Als Wurzel der vielen Übel bezeichnet das Vorbereitungsdokument den die katholische Kirche prägenden Klerikalismus.

Kirche geht hinaus in den Staub der Straße

Mit der Kirchlichen Versammlung verdeutlicht die lateinamerikanische Kirche, wie gesellschaftliche Herausforderungen zu kirchlichen werden. Denn die Option für das Leben zu ergreifen, meint, sich dem Leben auszusetzen und hinauszugehen in den Staub der Straße, mitten in die Lebensrealitäten und die sozialen Auseinandersetzungen. Unmissverständlich ruft das Dokument dazu auf, sich politisch zu positionieren und zu engagieren: im Widerstand gegen extraktive Projekte, die Leben zerstören und nicht an einer solidarischen, dem Gemeinwohl dienenden Wirtschaft orientiert sind. „Möchte die Kirche glaubhaft für Veränderungen einstehen, gilt es, auch die eigenen Strukturen selbstkritisch zu betrachten, die innerkirchlichen Machtverhältnisse zu verändern und neue Formen missionarischen Kircheseins zu leben, eben die theologischen und systemischen Fragen zu stellen. Veränderungen brauchen konkrete Schritte und Taten und nicht nur Ideen oder Diskurse. In Zeiten der Glaubwürdigkeitskrise und mangelnden Willens in Teilen der Kirchenhierarchie, sich den systemischen Fragen und ernsthaft ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung zu stellen, könnten synodale Prozesse weltweit zentrale Bedeutung erlangen. Sie sind Hoffnungsanker, um aus der Veränderungslethargie und Selbstbeschäftigung herauszukommen“, betonen Heinz und Spiegel im Vorwort zur Übersetzung des Vorbereitungsdokumentes.  

Der nächste Schritt zu einer synodalen Kirche 

Die katholische Kirche beginnt weltweit - einen zweijährigen synodalen Prozess. So hat es Papst Franziskus im Mai 2021 angekündigt. Starten soll der Prozess im Oktober 2021 und dann über mehrere Etappen mit einer weltweiten Konsultation aller Getauften in eine Bischofssynode in Rom münden. Die Einberufung einer Kirchlichen Konferenz für ganz Lateinamerika und die Karibik ist ein nächster Schritt hin zu einer synodalen partizipativen Kirche. Neu ist, dass nicht nur Bischöfe, sondern das gesamte Volk Gottes – Laien, Ordensleute, Diakone, Priester und Bischöfe – gemeinsam auf dem Weg ist. Ziel ist eine Kirche im Dienst am Leben und an der Schöpfung, in der die Beteiligung von Laien und dabei besonders von Frauen prägend sein soll. In einer Haltung des „aufmerksamen Hörens“ und missionarischem Impetus des „Hinausgehens“ sollen die Zeichen der Zeit erkannt werden. Mit der pastoralen Methode des Sehens, Urteilens und Handelns steht der Prozess der synodalen Versammlung ganz in Kontinuität zum Zweiten Vatikanischen Konzil und den Versammlungen der darauffolgenden Lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (Medellín bis Aparecida).

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten mehr als 2.000 Projekte mit rund 35 Millionen Euro gefördert werden, die genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.