Neuer Migrantentreck stellt Mexiko vor Probleme

Eine neue "Karawane" mit Hunderten Migranten aus Mittelamerika ist an der Südgrenze Mexikos angekommen. Präsident Lopez Obrador verspricht Arbeitsplätze, die katholische Kirche startet eine Hilfsaktion.

Am Grenzfluss Río Suchiate zwischen Guatemala und Mexiko gab es schon immer regen Grenzverkehr und illegale Migration. Foto (2006): Adveniat/Jürgen Escher

In der guatemaltekischen Grenzstadt Tecun Uman sind es laut der Tageszeitung "La Jornada" bereits rund 1.000 Migranten, die auf den Grenzübertritt nach Mexiko hoffen. Hier, im Nordwesten des mittelamerikanischen Landes, soll sich bald entscheiden, wie es weitergeht für die Menschen, die sich vor ein paar Tagen aus Honduras auf den Weg in Richtung Norden gemacht haben.

Inzwischen, so berichten Beobachter vor Ort, sind auch Migranten aus El Salvador und Guatemala dazugekommen. Helfer Denis Omar Contreras sagte lokalen Medien: "Wir warten ab, um zu wissen, welche Konditionen die Regierung Mexikos anbietet." Es geht darum, wie und in welcher Form die Migranten die Grenze überqueren können und dürfen. Sollte kein geordneter Übergang möglich sein, wollen sie den Grenzfluss Rio Suchiate auf eigene Faust überqueren und weiter in Richtung Nord ziehen. Ihr Ziel sind die Vereinigten Staaten.

Ein Teil der "Karawane" habe am frühen Montagmorgen die Grenzbrücke Rodolfo Robles erreicht, berichtet das Portal "Mileno". Der Treck stoppte und die Migranten fingen an zu beten. Zudem sangen sie die honduranische Nationalhymne. Während die guatemaltekischen Behörden die Grenze geöffnet hatten, blieben die Tore nach Mexiko zunächst geschlossen.

In Tecun Uman haben die Migranten inzwischen ein provisorisches Lager aufgeschlagen. Es gibt dort auch Verpflegung. In der mexikanischen Grenzregion bereitet sich die katholische Kirche auf die zu erwartende humanitäre Herausforderung vor. Der Bischof von Tapachula, Jaime Calderon Calderon, äußerte sich in einer Stellungnahme solidarisch. Die in die USA strebenden Menschen litten unter Gewalt und nähmen deshalb die Mühen und die Gefahren des langen Weges auf sich.

Für Flüchtlinge und Migranten in Lateinamerika.

"Sie suchen nach besseren Lebensbedingungen für sich und ihre Familien", sagte Calderon. Die Betroffenen ertrügen das Leid in ihrer Heimat nicht länger und hätten sich deswegen für einen langen, schmerzhaften und gefährlichen Marsch gen Norden entschieden. Sollte es den Migranten gelingen, mexikanischen Boden zu erreichen, so werde seine Diözese die gleiche Strategie wie bisher verfolgen und ihnen in den Pfarreien entlang der Route Hilfe anbieten. "Bereiten wir uns vor, unseren Brüdern zu helfen, wenn sie das Gebiet der Diözese erreichen", so der Bischof.

Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador reagiert derweil offenbar mit einer mehrgleisigen Strategie auf die Neuankömmlinge. Einerseits stellte er rund 4.000 Arbeitsplätze in Aussicht, andererseits verstärken sowohl Mexiko als auch Guatemala die Präsenz ihrer Sicherheitskräfte an der Grenze.

Der bekannte katholische Priester Alejandro Solalinde, jahrelang einer der engagiertesten Vorkämpfer für die Rechte mittelamerikanischer Migranten, befürwortete jüngst einen Kurswechsel der seit einem Jahr im Amt befindlichen Linksregierung. Zunächst müsse Mexiko die Probleme im eigenen Land lösen, sagte Solalinde dem Portal "Faro". Der mit dem Nationalen Menschenrechtspreis ausgezeichnete Geistliche beschreibt damit einen Wandel in der Politik Lopez Obradors, der im Wahlkampf 2018 noch eine humanere, aufnahmebereitere Politik versprochen hatte. Doch seit der Unterzeichnung eines Abkommens mit den USA hat sich der Kurs Mexikos verändert und ist restriktiver geworden.

Vor mehr als einem Jahr hatte sich schon einmal ein großer Migrantentreck aus Honduras in Richtung USA aufgemacht. Die weltweit beachtete "Karawane" schaffte es allerdings nur bis in die nordmexikanische Grenzstadt Tijuana. Der Versuch die, US-amerikanische Grenze zu überrennen, scheiterte kläglich. (kna)