Panama: Staat will Lebensqualität der Indigenen verbessern

Seit 2012 führen Panamas Regierung und indigene Vertreter einen kontinuierlichen Dialog. Nun soll die historisch entstandene Ungleichheit mit einem Projekt der Weltbank verringert werden. Panamas Indigene sollen an der Entwicklung des Landes teilhaben, wobei sie - in Lateinamerika unüblich - selbst die Prioritäten setzen.

Kuna-Familie in Panama Stadt. -  Indigener zu sein, bedeutet in Panama, eine Lebenserwartung von fast zehn Jahren weniger als im Landesschnitt zu haben. Foto: Pohl/Adveniat

In einem Interview mit der spanischen Zeitung "El País" hat sich Dianna Pizarro, Expertin für Entwicklung bei der Weltbank, zu Panama geäußert. Sie spricht von einem kräftigen Wirtschaftswachstum, das zu einer deutlichen Verringerung der Armut geführt habe. Allerdings hätten die indigenen Gebiete hiervon bislang nicht profitiert. Die Ungleichheiten seien in Panama so groß wie nur in wenigen anderen Ländern Lateinamerikas. Indigener zu sein, bedeute in Panama, eine Lebenserwartung von fast zehn Jahren weniger als im Landesschnitt zu haben. Das Risiko, bei einer Geburt zu sterben, sei für eine indigene Frau fünfmal größer als bei einer nicht-indigenen Frau. Lebten von der nicht-indigenen Bevölkerung Panamas nur 12 Prozent in Armut, so liege der Anteil in indigenen Gebieten - es gibt zwölf - bei 86 Prozent. 

Indigene werden zu Protagonisten ihrer Zukunft

Dianna Pizarro äußert sich zu einem Projekt der Weltbank, mit dem der "Plan de Desarrollo Integral de los Pueblos Indígenas en Panamá" finanziert werden soll. Der Plan sei an einem runden Tisch ausgehandelt worden und trage Befragungen indigener Gemeinden im Zeitraum 2012 bis 2014 Rechnung. Nun solle in grundlegende Infrastruktur investiert werden. Die Entwicklungs-Expertin unterstreicht, dass die indigenen Völker Panamas zu Protagonisten würden.

Der Plan sei aus drei Gründen bemerkenswert. Er sorgt für eine landesweite Planung aller indigenen Völker Panamas. Zum anderen geht es um Entwicklung in einem umfassenden Sinn, wobei verschiedene Institutionen des Staates zusammenwirken. Und schließlich würden die indigenen Völker selbst zu Partnern und Protagonisten in dem Entwicklungsprozess. "Es handelt sich also nicht um die üblichen von Regierungsseite entwickelten öffentlichen Programme für die indigenen Völker". sagte Pizarro. Die Grundlage bildeten ihre eigenen Vorstellungen und Prioritäten für die Entwicklung ihres Landes.

Panama freut sich auf den Weltjugendtag, zu dem das mittelamerikanische Land hunderttausende Pilger erwartet. Die Begegnung findet vom 22. bis 27. Januar 2019 statt. Adveniat bietet den jungen Menschen aus Deutschland die Möglichkeit Adveniat-Hilfsprojekte zu besuchen.

Adveniat beim Weltjugendtag in Panama

Staat und Indigenen tragen gemeinsam Verantwortung

Die indigenen Institutionen waren bei der Vorbereitung des von der Weltbank finanzierten Projekts in allen Punkten beteiligt. Staat und Indigene tragen nun gemeinsam Verantwortung für die Umsetzung der gemeinsam getroffenen Entscheidungen. Zudem spielen externe Akteure eine Rolle, wie das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und die Weltbank. "Dies stärkt die Nachhaltigkeit und erleichtert eine Vermittlung, wenn Konflikte auftreten", erklärt die Expertin für Entwicklung, Pizzaro. Für den Prozess in Panama bedeute dies, dass man auf weltweit gemachte Erfahrungen zurückgreifen kann.

Kurzfristig dürfte es zu Verbesserungen der Infrastruktur kommen sowie bei der Ausstattung in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wasserversorgung und Kanalisation. Dies alles hat für jedes der zwölf indigenen Gebiete in Panama Priorität. Mittelfristig dürfte die Qualität der Dienstleistungen zunehmen. Langfristig soll die Koordinierung zwischen dem Staat und den indigenen Institutionen gestärkt werden, um den Erfordernissen und Prioritäten der Entwicklung der indigenen Gebiete Rechnung zu tragen. (bs/adv)