Peru: Zukünftiger Kardinal Pedro Baretto schützt Menschenrechte und Umwelt

Papst Franziskus nimmt einen seiner Ordensbrüder aus Peru ins Kardinalskollegium auf. Rückendeckung für eine Kirche der Gerechtigkeit und Solidarität. Und auch ein später Ritterschlag für die Befreiungstheologie.

Der zukünftige Kardinal Pedro Barreto, Erzbischof von Huancayo, vor der Bleihütte von Oroya. Foto: Pohl/Adveniat

Der Jesuit Pedro Barreto, Erzbischof im peruanischen Huancayo, ist einer der 14 neuen Kardinäle, denen Papst Franziskus am Donnerstag (28. Juni) im Vatikan den Purpur verleihen wird. In Peru ist Barreto für seinen Einsatz zur Bewahrung der Umwelt bekannt.

Wenn es einen Moment der ökologischen Umkehr im Leben von Pedro Barreto gibt, dann war es ein Tag im Dezember 2004, als ihn eine Frau in den Straßen von La Oroya unter Tränen ansprach: "Herr Bischof, ich habe 50 Milligramm Blei im Blut, meine Kinder auch. Aber ich möchte nicht, dass meine Enkelkinder auch so enden."

Baretto führte Widerstand gegen Minenunternehmen an

Wenige Wochen vorher war der Jesuit von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Erzbischof der Andenstadt Huancayo ernannt worden. Zu dem Bistum gehört auch die Minenstadt La Oroya auf 3.750 Meter Höhe: "Man musste kein Wissenschaftler sein, um zu erkennen, dass der beißende Geruch der Schmelzöfen und die kahlen, verätzten Berge keine Anzeichen einer gesunden Umwelt waren", erinnert sich Pedro Barreto 14 Jahre später.

Die Ansprache der unbekannten Frau sei für ihnein Anruf Gottes gewesen, tätig zu werden. Er berief einen Runden Tisch zur Lösung der Umweltproblematik ein und veranlasste eine unabhängige Untersuchung der Kinder in La Oroya. 99 Prozent der Kinder wiesen eine zu hohe Bleikonzentration im Blut auf.

Mit der Kampagne Zukunft Amazonas unterstützt Adveniat die indigenen Völker in ihrem Kampf um ihr Überleben.

Das Engagement der Kirche für die Umwelt in La Oroya stieß auf Widerstand des Minenunternehmens aus den USA. Es schickte seine Arbeiter vor, unter dem Vorwand, eine umweltgerechte Aufrüstung gefährde Arbeitsplätze. Auf dem Höhepunkt des Konflikts trugen die Arbeiter einen Sarg mit der Aufschrift "Pedro Barreto" durch die Fabrikanlagen. "Aber ich bin immer noch quicklebendig", kommentiert der künftige Kardinal die Morddrohung von damals.

2012 stellte das Unternehmen seine gesundheitsgefährdende Tätigkeit in La Oroya ein - auch ein Verdienst des langjährigen Kampfes der Kirche. Als Herausforderungen bleiben aber nach wie vor die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region und die Sanierung von Altlasten.

Rückendeckung von Franziskus im Einsatz für Menschrechte

Die Konkurrenz zwischen Bergbau und Landwirtschaft in Peru ist in der Erzdiözese Huancayo besonders deutlich. Von dort kommen nicht nur viele Erze für den Export. Das Tal des Mantaro-Flusses liefert auch das Gemüse für die Zehn-Millionen-Hauptstadt Lima. "Das Wasser des Mantaro-Flusses ist in großem Ausmaß kontaminiert durch den Bergbau", sagt Erzbischof Barreto. Auch die Agrarprodukte seien daher gefährdet.

Mit seinem Einsatz für Umweltgerechtigkeit stellt sich Erzbischof Barreto oft in Opposition zum Erzbischof von Lima und Perus bis dato einzigen Kardinal, Jose Luis Cipriani (74). Dass Papst Franziskus nun mit Barreto erstmals einen zweiten Kardinal im Land ernannt hat, darf man als klare Rückendeckung für eine Kirche werten, die sich für Gerechtigkeit und Solidarität einsetzt. Und in gewissem Maß auch als späten Ritterschlag für die Befreiungstheologie, deren peruanischer Mitbegründer Gustavo Gutierrez vor wenigen Tagen in Lima seinen 90. Geburtstag feierte. Barreto war Konzelebrant eines Festgottesdienstes, und Franziskus schickte eine Grußbotschaft.

Baretto setzt sich gemeinsam mit Adveniat für Rechte indigener Völker ein

Gleichzeitig ist der Jesuit Baretto Vize-Chef des von Adveniat unterstützten Amazonas-Bündnisses Repam (Red Eclesial PanAmazónica). Es setzt sich länderübergreifend für die Rechte der indigenen Völker ein und versteht sich als kirchliche Antwort auf die fortschreitende Zerstörung der Natur sowie als seelsorgerische Begleitung der Menschen in der Region. Denn nirgendwo ist der Raubbau an der Schöpfung so offensichtlich wie im Amazonas-Gebiet: Eine Fläche von der Größe Frankreichs ist bereits unwiederbringlich zerstört. 

Barreto ist nicht mehr wirklich jung. Der 74-Jährige hofft inständig, dass ihn nicht mehr die Aufgabe trifft, einst einen neuen Papst wählen zu müssen. Kardinäle verlieren mit 80 Jahren ihr Stimmrecht im Konklave. Stattdessen will er Franziskus beistehen, "den von ihm eingeschlagenen Weg zu festigen". (kna/adv)