WM-Spezial: Peru - "Liebes Frankreich, wir sind zurück!"

Am Tag der WM-Qualifikation war der Jubel auf den Straßen Perus ähnlich groß, wie in anderen Ländern, wenn sie den WM-Titel erringen.  

Star-Kicker und Kapitän Paolo Guerrero zelebriert das zweite Tor im Freundschaftspiel gegen Saudi Arabien in der Schweiz. Foto: REUTERS/Stefan Wermuth 

Stellen Sie sich ein fußballverrücktes Land vor, dessen Hoffnung auf eine WM-Teilnahme alle vier Jahre wieder enttäuscht wird. Ein Land, in dem jedes Kind die Namen der Spieler aufzählen kann, die an der WM 1982 dabei waren. Und dann endlich, nach 36 langen Jahren, könnte es klappen mit der WM-Teilnahme. Dieses Land ist Peru. Am Tag des entscheidenden Matches gegen Neuseeland flogen peruanische Militärmaschinen mit aufgemalter Flagge über Lima, um ihre Mannschaft anzufeuern. Was immer es auch war, es wirkte: Peru besiegte die Neuseeländer.

Der Jubel auf den Straßen war ähnlich groß, wie in anderen Ländern, wenn sie den WM-Titel erringen. In Peru reichte die WM-Qualifikation dafür. Den Tag nach dem entscheidenden Spiel rief Präsident Kuczynski zum Feiertag aus – eine populäre Geste, die ihn allerdings nicht vor seiner späteren Absetzung bewahrte. Die üblicherweise verstopften Straßen Limas waren so leer wie sonst nur am frühen Neujahrstag. Panini-Bilder sind seitdem im ganzen Land ausverkauft, Rusia – Russland prangt auf jeder Werbung, die etwas auf sich hält, Reisebüros verkaufen Russland-Pakete und alle Läden rüsten sich mit Trikots in der Landesfarbe. Endlich nach 36 Jahren können die Peruaner ihre Fußball-Leidenschaft ganz leben, mit einer Teilnahme an der WM.

Star-Kicker und Kapitän wegen Doping gesperrt

Allerdings wäre Peru nicht Peru, wenn sich nicht eine gehörige Portion Melodram in die Vorfreude gemischt hätte: Perus bekanntester Kicker und Kapitän der Mannschaft, Paolo Guerrero, war von der Fifa gesperrt worden. Eine Doping-Probe hatte Spuren eines unerlaubten Dopingmittels ergeben. Laut Paolo Guerrero hatte er nur einen Koka-Tee zu sich genommen, also eine Art peruanisches Nationalgetränk, das nur von der übrigen Welt fälschlicherwese als Droge klassifiziert wird. Erst ein Bittgang Paolo Guerreros zusammen mit dem Präsidenten des peruanischen Fußballverbandes zur Fifa nach Zürich brachte die Wende. Kurz vor der endgültigen Nominierung der WM-Teams setzte das Schiedsgericht der Fifa Guerreros Strafe aus.

Die Freude auf Russland ist in Peru nun ungetrübt. Das ganze Land schwebt im 7. Fußball-Himmel. Exil-Peruaner und Migranten eingeschlossen. Beim Freundschaftsspiel gegen Saudi-Arabien am 3. Juni füllten 18.000 Peruaner aus ganz Europa das Stadion im Schweizerischen St. Gallen und gaben einen Vorgeschmack auf die Ekstase, die sich Perus Straßen bemächtigen wird, wenn die Peruaner in Russland spielen.

Und ganz egal ob Peru die zweite Runde schafft oder nicht: endlich wieder Dabei sein ist Stoff genug für Träume und für die Erzählungen der nächsten – hoffentlich nicht wieder - 36 Jahre: „Weißt du damals, als wir bei der WM in Russland spielten.....“.

Text: Hildegard Willer


Mit einem originellen Video stellt sich die peruanische Mannschaft ihrem französischen Angstgegner in der Gruppe vor: „Liebes Frankreich, wir sind wieder zurück!“