Adveniat verurteilt zunehmende Gewalt gegen Indigene

Ein Mädchen aus dem Volk der Yanomami auf einem brandgerodeten Feld in der Nähe des Yanomami-Dorfes Watoriki (Brasilien).
Ein Mädchen aus dem Volk der Yanomami auf einem brandgerodeten Feld in der Nähe des Yanomami-Dorfes Watoriki (Brasilien). Foto: Jürgen Escher

„Stoppt die Gewalt gegen die indigenen Völker – Morde, Morddrohungen und Vertreibungen müssen ein Ende haben!“ Das hat Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz aus Anlass der aktuellen Veröffentlichung des Gewaltberichts des Indigenen-Missionsrates Cimi (Conselho Indigenista Missionário) der Brasilianischen Bischofskonferenz gefordert. Mit großer Sorge beobachte das Lateinamerika-Hilfswerk die zunehmende Gewalt gegenüber den indigenen Völkern Brasiliens und auf dem gesamten Kontinent. Insbesondere das Leben der Ureinwohner am Amazonas ist laut Pater Heinz in Gefahr: „Ihre Lebenswelt wird durch den rücksichtslosen Abbau von Rohstoffen, Abholzungen oder gigantische Staudammprojekte systematisch zerstört. Die Rechte der indigenen Völker sind dem Kapital willkürlich ausgeliefert.“

"Ein beschämendes Zeugnis einer traurigen Realität"

Zusammenfassend spricht der Cimi-Gewaltbericht 2016 von einer regelrechten „Anti-Indigenen-Offensive“ durch die Politik, die staatlichen Institution sowie den Agrarsektor. Der Bericht ist ein „beschämendes Zeugnis einer traurigen Realität in diesem sich christlichen nennenden Land“, erklärte Adveniat-Partner und Cimi-Präsident, Bischof Roque Paloschi, bei der Vorstellung in Brasília. Die Zahl der ermordeten Indigenen verringerte sich zwar 2016 von 137 im Vorjahr auf 118. Damit verharrt sie aber auf einem sehr hohen Niveau. Im Vergleich zum Beginn des Jahrtausends handelt es sich um eine Verdoppelung. Gestiegen sind auch die Zahl der Suizide und die Kindersterblichkeit. Als Gründe werden mangelnde medizinische Betreuung sowie Unterernährung genannt. Um die Lebenswelt der indigenen Völker zu schützen, müssen ihnen endlich ihre Territorien verbindlich zugesprochen werden. Der Verfassung von 1988 zufolge hätte diese Demarkierung bereits fünf Jahre später, also 1993, abgeschlossen sein müssen. Doch bis heute sind mehr als zwei Drittel der 1.296 indigenen Gebiete noch nicht demarkiert. Dadurch erleichtert es die Regierung der Agrar- und Rohstoffindustrie, in indigene Gebiete einzudringen. Die Folgen: Vertreibung und Ermordung von Indigenen sowie die Zerstörung der einzigartigen Natur.

Adveniat unterstützt die Erstellung und Veröffentlichung des jährlich vom Cimi herausgegebenen Gewaltberichts. Anfang dieser Woche war Pater Heinz erstmals als neuer Hauptgeschäftsführer von Adveniat zu Gast beim Cimi in Brasília. Dort berichtete ihm eine Delegation indigener Völker von ihrem Überlebenskampf. Als Mitglied des panamazonischen kirchlichen Netzwerks Repam (Red Eclesial PanAmazónica) setzt sich Adveniat entschieden für das Überleben der indigenen Völker und für den Erhalt der Umwelt ein.

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