Adveniat verzeichnet Plus bei Spendeneinnahmen

Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz, Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens (von links) präsentieren den Bericht des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat für das Geschäftsjahr 2017.
Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz, Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens (von links) präsentieren den Bericht des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat für das Geschäftsjahr 2017. Foto: Achim Pohl/Adveniat

Essen.

Im Geschäftsjahr 2017 hat Adveniat seine Spendeneinnahmen leicht gesteigert: Das Lateinamerika-Hilfswerk erhielt 44,4 Millionen Euro an Spenden, Erbschaften und Zuwendungen. „Erstmals seit vielen Jahren hat Adveniat wieder mehr an Erträgen von außen erwirtschaftet“, sagte Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz am 25. April in Essen. Grund für die positive Bilanz waren die mit 24,8 Millionen Euro weiterhin hohe Weihnachtskollekte und die Einzelspenden mit einem neuen Höchststand von 11,8 Millionen Euro. Die Gesamteinnahmen aus Kollekten, Spenden und weiteren Erträgen, zum Beispiel aus der Vermögensanlage, sind mit 46,9 Millionen Euro relativ konstant geblieben. „Im deutschlandweiten Vergleich gehört Adveniat nach wie vor zu den effizientesten und kostengünstigsten Hilfsorganisationen“, unterstrich Jentgens. Deshalb hat das Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) Adveniat erneut das Spenden-Siegel zuerkannt. „Eine gute Bewertung gab es wieder für den niedrigen Aufwand an Verwaltungs- und Werbungskosten im Haushalt, die unter zehn Prozent lagen“, sagte der Geschäftsführer.

 

Spenden für Lateinamerika weiterhin dringend notwendig

Dass Spenden für Lateinamerika weiterhin dringend notwendig sind, betonte Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck, der von den verheerenden Folgen der Öl-Fördermethode Fracking in Argentinien berichtete: „Kinder klagen über Magen- und Hautkrankheiten, ältere Menschen über Übelkeit. Die Gründe dafür liegen in einer Verschmutzung des Grundwassers mit Chemikalien, die es braucht, um das Schieferöl aus dem Boden zu holen.“ In Patagonien habe der Bischof erfahren, wie schnell und umfassend die Ausbeutung der Erde vor sich geht: „Der konsumorientierte Lebensstil unserer Zeit, den Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato si’ anprangert, führt zu einer immer rücksichtsloseren Ausbeutung der Menschen wie auch der nur begrenzt vorhandenen Rohstoffe.“ Zusammen mit der Kirche versucht das indigene Volk der Mapuche die Umweltzerstörung in der Region Neuquén zu stoppen. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt sie beim Kampf gegen multinationale Konzerne, die – ausgestattet mit Lizenzen des argentinischen Staates – bereits fast 100 Fördertürme auf dem Land der Mapuche errichtet haben. Adveniat befasst sich derzeit intensiv mit der Umwelt-Enzyklika: Dieses Jahr wird Bischof Overbeck mit einer Delegation nach Bolivien reisen, um sich vor Ort über die Folgen des ökologischen Raubbaus zu informieren. Im Dezember wird es einen Studientag mit öffentlicher Veranstaltung in Mülheim geben: „Es geht uns um den Schutz des gemeinsamen Hauses, wie es der Papst formulierte, und es geht um die Menschen, die zu Opfern einer rücksichtslosen Wirtschaftspolitik werden.“

50.000 Euro Soforthilfe für Venezuela

Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz zeigte sich über die Situation in Venezuela besorgt: „Venezuela befindet sich in einer humanitären Krise. Jüngsten Studien zufolge leben 87 Prozent der Menschen in Armut“, sagte Pater Heinz. Die Menschen wühlten im Müll nach Essbarem, Medikamente wie Antibiotika und Insulin gäbe es längst nicht mehr zu kaufen. „Die vereinten Nationen und die deutsche Bundesregierung müssen die humanitäre Notlage offiziell anerkennen“, forderte der Hauptgeschäftsführer. Nur so könne der Druck auf die venezolanische Regierung erhöht werden, endlich einen Korridor für die überlebensnotwendigen Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen zu öffnen. Das Lateinamerika-Hilfswerk hat jetzt 50.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt, um vor allem auch Tafeln zu unterstützen, damit Kinder zumindest ein Mal am Tag etwas zu essen bekommen. Venezuelas Krise weite sich auch auf das Nachbarland Kolumbien aus und erschwere dort den ohnehin fragilen Friedensprozess: „Die Lage an der gemeinsamen Grenze ist angespannt, und die Kosten für die Versorgung venezolanischer Migranten steigen.“ Mit Hilfe von Adveniat versorge beispielsweise die kolumbianische Diözese Cúcuta täglich 8.000 Migranten mit einem Mittagessen.

Die Bewahrung der Schöpfung und der damit verbundene Schutz der indigenen Völker sowie Friedens- und Menschenrechtsarbeit und besonders auch Bildungsprojekte – das sind laut Pater Heinz die Schwerpunkte der Projektförderung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat. Denn in Lateinamerika halte nicht nur der Mangel an Gütern, sondern vor allem auch der Mangel an Gerechtigkeit die Menschen arm. „Arm ist, wer von Bildung, politischer Mitbestimmung und Einkommen ausgeschlossen ist. Bildung und die Werkzeuge der Demokratie sind Schlüssel, um die Tür aus der Armut zu öffnen“, sagte Pater Heinz. Im Geschäftsjahr 2017 wurden 2.164 Projekte mit einer Summe von 37,6 Millionen Euro unterstützt. Die durchschnittliche Fördersumme betrug 17.400 Euro. 

O-Töne von Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck, Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens finden Sie hier.

Den Jahresbericht 2017 können Sie sich als PDF herunterladen.

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