Brasilien opfert indigene Völker den Interessen der Bergbau-Konzerne"

Gerodete Waldfläche im Amazonasgebiet
Eine zunehmende Abholzung des Amazonas-Regenwaldes befürchten Adveniat, Amazonas-Bischof Erwin  Kräutler und der Präsident des Amazonasnetzwerks Repam, Kardinal Claudo Hummes, wenn der Bergbau im nördlichen Amazonasgebiet nun erlaubt wird. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

„Die brasilianische Regierung opfert die Lebenswelt der indigenen Völker den Interessen der Bergbau-Konzerne.“ Der Brasilien-Referent des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Klemens Paffhausen, hat die Entscheidung des brasilianischen Präsidenten Michel Temer scharf kritisiert, die Ausbeutung von Rohstoffen in einem Nationalpark mit mehr als 46.000 Quadratkilometern Fläche im nördlichen Amazonasgebiet zuzulassen. Per Dekret hatte Präsident Temer das nationale Schutzgebiet RENCA, zu dem mehrere Natur- und Indigenen-Schutzgebiete gehören, für den Bergbau freigegeben. „Dieses Dekret steht in einer unseligen Tradition von politischen Entscheidungen in der brasilianischen Politik, die zu einer systematischen Zerstörung indigenen Lebens führen.“ Präsident Temer brauche zum eigenen Machterhalt die mächtigen Vertreter der Agrar- und Bergbaulobby im brasilianischen Kongress. „Dazu ist er bereit die Natur und die ursprünglichen Völker des Amazonasgebiets zu opfern.“

Deshalb engagiere sich das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat in dem Amazonasnetzwerk Repam, zu dem sich die Kirchen der neun Amazonas-Staaten mit zahlreichen Initiativen indigener Völker zusammengeschlossen. „Denn nur eine Vernetzung über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg, kann wenigstens einen Teil der Lebenswelt der ursprünglichen Völker bewahren“, so Adveniat-Experte Paffhausen.

Der Präsident des Amazonasnetzwerks Repam, der brasilianische Kardinal und Papstvertraute Claudio Hummes, bezeichnet in einer am Montag, 28. August (Ortszeit), veröffentlichten gemeinsamen Erklärung mit dem Amazonas-Bischof und Adveniat-Partner Erwin Kräutler die Entscheidung des Präsidenten als einen „undemokratischen Akt.“ Die beiden Berater von Papst Franziskus befürchten, „den Anstieg der Abholzung, einen unwiederbringlichen Verlust der Artenvielfalt und negative Folgen für die Völker der gesamten Region. Das Dekret zur Auslöschung des Schutzgebietes RENCA verhöhnt die brasilianische Demokratie“, schreiben Bischof Kräutler und Kardinal Hummes. Da im Vorfeld keinerlei Beratung mit den betroffenen indigenen Völkern stattgefunden hat, verstoße das Dekret gegen die Brasilianische Verfassung (Artikel 231) und gegen die Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Nr. 169. Das einzige verbindliche internationale Abkommen zum Schutz der ursprünglichen Völker garantiert, dass diese angehört werden, wenn auf ihrem Gebiet Rohstoffe ausgebeutet werden.

Verwandte News