Indigene überreichen Menschenrechtsbericht an Bundesregierung

Der Repam-Generalsekretär Mauricio López überreicht mit Rosildo da Silva vom Volk der Jaminawa Arara und dem Campesino José Horlando da Silva de Araujo aus Brasilien den Bericht über die Menschenrechtsverletzungen im Amazonasgebiet an die Lateinamerika-Beauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Christiane Bögemann-Hagedorn, den brasilianischen Kardinal Claudio Hummes, den Präsidenten des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (COMECE), Erzbischof Jean-Claude Hollerich, sowie die beiden Hauptgeschäftsführer der Hilfswerke Adveniat und Misereor, Pater Michael Heinz und Pirmin Spiegel (von links). Foto: Martin Steffen/Adveniat

Berlin.

Einen umfassenden Bericht über die Menschenrechtsverletzungen im Amazonasgebiet hat das Amazonas-Netzwerk REPAM (Red Eclesial PanAmazónica) in Berlin vorgestellt. Die Lateinamerika-Beauftragte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Christiane Bögemann-Hagedorn, hat den Bericht von Vertretern indigener Völker aus Brasilien entgegengenommen. Von kirchlicher Seite haben der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE), Erzbischof Jean-Claude Hollerich, und der brasilianischen Kardinal Cláudio Hummes versichert, sich für den Schutz der Umwelt und der Völker am Amazonas einzusetzen. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und das Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR, die dem internationalen Netzwerk angehören, fordern von der deutschen Politik und der deutschen Wirtschaft einen engagierteren Schutz vor Menschenrechtsverletzungen für die Bewohner des Amazonasgebietes.

„Wir müssen auf die Klimakrise unverzüglich reagieren“

„Hier in Berlin suchen wir nach Antworten auf die globale Klima- und Umweltkrise, die auf dem Weltklimagipfel in Paris genauso unmissverständlich festgestellt wurde wie in der Enzyklika Laudato si' von Papst Franziskus“, betonte Kardinal Cláudio Hummes. Bei der Vorbereitung der Amazonassynode 2019 in Rom vertraut Papst Franziskus auf Kardinal Hummes und weitere REPAM-Vertreter. „Wir müssen auf die Klimakrise unverzüglich reagieren“, so Hummes. „Denn später ist zu spät!“ Die Natur im Amazonasgebiet ist durch die Abholzung riesiger Gebiete für staatliche Staudamm- und Infrastrukturprojekte, den enormen Hunger westlicher Industrienationen nach Rohstoffen wie Gold, Kupfer oder Öl sowie nach industriell angebauten Agrarprodukten bedroht. „Die Menschenrechte der indigenen Völker und der Campesinos werden systematisch verletzt. Der Reichtum ihrer Böden wird von den multinationalen Firmen zur Gewinnmaximierung rücksichtslos ausgebeutet“, berichtete Kardinal Hummes.

„Wir alle müssen auf die indigenen Völker hören"

„Wir alle müssen auf die indigenen Völker hören. Denn sie sind mit ihrer Art zu leben die wahren ganzheitlichen Umweltschützer“, steht für den Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz fest. „Wer die schleichende Ausrottung dieser Völker verhindern will, muss die UN-Konvention ILO Nummer 169 ratifizieren.“ Das einzige verbindliche internationale Abkommen zum Schutz indigener Völker garantiere, dass diese Völker angehört werden müssen, wenn auf ihrem Gebiet zum Beispiel Rohstoffe ausgebeutet werden. „Doch diese Bestimmungen werden vor Ort umgangen, auch weil international viel beachtete Länder wie Deutschland das Abkommen bis heute nicht ratifiziert haben“, kritisierte Pater Heinz. Deutschland müsse seinen Beitrag zum Schutz des Amazonas und seiner Völker leisten und die UN-Konvention ILO Nummer 169 endlich unterzeichnen.

"In absehbarer Zeit könnte uns allen die Luft ausgehen"

„Mit der Natur sind auch die Völker Amazoniens in ihrer Existenz bedroht und mit ihnen wir alle“, betonte MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. „Wenn Amazonien die Lunge des Planeten Erde ist, dann leiden dieser Planet und seine Bewohner heute an einer akuten Lungenentzündung. In absehbarer Zeit könnte uns allen die Luft ausgehen. Wir brauchen daher ein Umdenken in unserem Wirtschaftssystem und ein Suchen nach neuen Wegen für einen umfassenden sozialen und ökologischen Wandel“. Dazu gehöre eine Veränderung des ressourcenintensiven Lebensstils weltweit. „Wir fordern darüber hinaus ganz konkret von in Deutschland ansässigen Unternehmen, die Rohstoffe aus dem Amazonasgebiet beziehen und verarbeiten, ihre menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten zu erfüllen und darauf zu achten, dass internationale Vereinbarungen, wie die UN-Prinzipien für Wirtschaft- und Menschenrechte eingehalten werden“, erklärte Spiegel. Und dies dürfe nicht auf Freiwilligkeit beruhen, sondern müsse gesetzlich verankert werden.

Amazonas-Becken umfasst 20 Prozent der globalen Süßwasserreserven 

Das Amazonas-Becken gehört zu den artenreichsten Gebieten der Erde, umfasst 20 Prozent der globalen Süßwasser-Reserven und mehr als ein Drittel aller Urwälder. Amazonien ist 21 Mal so groß wie Deutschland und hat eine Größe von mehr als 7,5 Millionen Quadratkilometern, die unter neun Ländern aufgeteilt sind. In diesen Ländern lebt eine indigene Bevölkerung von annähernd drei Millionen Menschen, zusammengesetzt aus etwa 390 verschiedenen Völkern und Nationalitäten.

Kirchliche Organisationen aus den neun Amazonas-Staaten haben das panamazonische kirchliche Netzwerk REPAM gegründet. Mit weiteren internationalen Organisationen, unter ihnen das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und MISEREOR, setzt sich REPAM gegen die fortschreitende Umweltzerstörung und für das Überleben der indigenen Völker ein. Nachdem sämtliche Selbstverpflichtungen der Industrie und auch der Regierungen zum Schutz des Amazonasgebietes und seiner indigenen Völker gescheitert sind, besteht nun die Hoffnung, dass die ursprünglichen Völker ihre Rechte und das Überleben Amazoniens verteidigen.

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