Schleichende Ausrottung indigener Völker am Amazonas

Der peruanische Bischof Pedro Ricardo Barreto Jimeno (mitte), Malte Reshöft, Abteilungsleiter Lateinamerika beim Bischöflichen Hilfswerk Misereor, Thomas Wieland, Leiter der Projektabteilung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat und Adveniat-Geschäftsf
Der peruanische Bischof Pedro Ricardo Barreto Jimeno (mitte), Malte Reshöft, Abteilungsleiter Lateinamerika beim Bischöflichen Hilfswerk Misereor, Thomas Wieland, Leiter der Projektabteilung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat und Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens (von links) haben den CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (zweiter von links) und weitere Parlamentarier von der bedrohten Lebenswelt der indigenen Völker im Amazonas-Gebiet berichtet. Foto: Frank Zwiener
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„Die Weltgemeinschaft muss Antworten auf die Verletzungen der Menschenwürde und Selbstbestimmung der indigenen Völker und die Zerstörung der Biodiversität im Amazonas-Gebiet finden“, sagte der peruanische Bischof Pedro Ricardo Barreto Jimeno von Huancayo. Er erinnerte die deutschen Politiker daran, dass auch Papst Franziskus mit seiner Sozial- und Umwelt-Enzyklika ‚Laudato si`‘ die Industrienationen eindringlich dazu aufgefordert hat.

„Wer die schleichende Ausrottung dieser Völker verhindern will, muss die UN-Konvention ILO Nummer 169 ratifizieren“, sagte Thomas Wieland, Leiter der Projektabteilung des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat. Das einzige verbindliche internationale Abkommen zum Schutz indigener Völker garantiere zum Beispiel, dass diese Völker angehört werden müssen, wenn auf ihrem Gebiet Rohstoffe ausgebeutet werden. „Diese Bestimmungen werden vor Ort immer wieder umgangen, auch weil international viel beachtete Länder wie Deutschland das Abkommen bis heute nicht ratifiziert haben und auf die dortigen Regierungen keinen Druck ausüben“, so Adveniat-Experte Wieland.

Als einen Schritt in die richtige Richtung zu mehr internationaler Verantwortung wertete Malte Reshöft, Abteilungsleiter für Lateinamerika bei Misereor, den „Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“, der Ende 2016 von der Bundesregierung verabschiedet wurde. „Leider hat es die Bundesregierung aber verpasst, deutsche Unternehmen verbindlich zur menschenrechtlichen Sorgfalt in ihren Auslandsgeschäften zu verpflichten. Die Leidtragenden sind die indigenen Völker: Sie werden von ihren Territorien vertrieben, ihre Flüssen werde vergiftet und ihre Rechte mit Füßen getreten“, so Misereor-Experte Reshöft. Die Bundesregierung forderte er auf, sich für eine Beratungsstelle einzusetzen, die den Unternehmen Fragen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht beantwortet. Notwendig sei zudem eine unabhängige Monitoringstelle, die konzeptionelle Vorarbeiten leistet und die Unternehmen bei der Umsetzung begleitet.

Die Kirchen der neun Amazonas-Staaten haben das panamazonische kirchliche Netzwerk Repam (Red Eclesial PanAmazónica) gegründet. Mit weiteren internationalen Organisationen, unter ihnen das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und Misereor, setzt sich Repam gegen die fortschreitende Umweltzerstörung und für das Überleben der indigenen Völker ein. Nachdem sämtliche Selbstverpflichtungen der Industrie und auch der Regierungen zum Schutz des Amazonasgebietes und seiner indigenen Völker gescheitert sind, besteht nun die Hoffnung, dass die ursprünglichen Völker ihre Rechte und das Überleben Amazoniens verteidigen.

Kürzlich haben vier indigene Völker die an ihnen verübten Menschenrechtsverletzungen vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte in Washington mit Erfolg vorgetragen. „Sie hat die Amazonas-Staaten aufgefordert, die indigenen Völker in jedem Fall in öffentliche und transparente Beratungen einzubeziehen, wenn Rohstoffe ausgebeutet werden sollen“, berichtete Bischof Barreto. Zudem habe die Kommission Repam als Repräsentanten der indigenen Völker anerkannt. Bischof Barreto fordert auch Deutschland auf, Repam als Repräsentanten und Ansprechpartner für den Schutz des Amazonasgebietes und die 390 dort lebenden indigenen Völker anzuerkennen.

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