WM-Spezial: Uruguay - Mit Mate-Tee und Gelassenheit

Uruguays Luis Suarez and Argentiniens Federico Fazio bei der WM-Qualifikation. Ein Ziel des uruguaischen Teams: Weiter kommen als der Nachbar Argentinien. Foto: REUTERS/Carlos Pazos

Wenn Uruguays Starspieler Luis Suarez in der Öffentlichkeit abseits des grünen Rasens auftritt, darf ein Accessoire nicht fehlen: Der Stürmer des FC Barcelona entspannt sich mit Mate-Tee vor und nach den Spielen und ist damit auch so etwas wie ein Botschafter der entspannten Lebensart seines Heimatlandes geworden. Entspannt und gelassen wird Uruguay auch bei der Weltmeisterschaft in Russland auftreten. Das liegt auch am Trainer: Oscar Washington Tabarez (71) ist so etwas wie der Gegenentwurf zu den modernen, egozentrischen Fußball-Lehrern der heutigen Zeit.

Wie Bundestrainer Joachim Löw ist Washington Tabarez seit 2006 Trainer seines Heimatlandes und erledigt den Job so unaufgeregt, dass sich die uruguayischen Medien manchmal Skandale geradezu herbeisehnen. Der große alte Mann des uruguayischen Fußball revanchiert sich auf seine Art, in dem er die Pressekonferenzen mit langatmigen Monologen bisweilen so langweilig gestaltet, das Einschlafgefahr besteht. Bei Luis Suarez, der wegen eines Bisses in die Schulter des Italieners Giorgio Chiellini bei der WM 2014 traurige internationale Berühmtheit erlangte, besteht die Skandalgefahr schon eher. Suarez versichert aber: Ich habe aus dem Fehler gelernt.

Uruguay als chancenreicher Außenseiter

Uruguay fährt wie immer als chancenreicher Außenseiter zur WM. Die Menschen im Land nördlich des Rio de la Plata setzen ihre Mannschaft nicht allzu sehr unter Druck, wohlwissend, dass es zu einem WM-Titel nicht reichen wird. Dafür wäre aber ein anderer Erfolg umso wichtiger: Weiter kommen als der Nachbar Argentinien. Aus der Position des Underdogs, der die ganz Großen ärgern kann, ist Uruguay schon einmal bei der WM 2010 bis auf Rang vier vorgestoßen.

Die Vorbereitungen waren von einem unschönen Vorfall überschattet: Edinson Cavani von Paris Saint Germain brachte die Tierschützer gegen sich auf, weil er während der freien Tage in seinem Heimatland vom Hubschrauber aus Wildschweine jagte und sich anschließend mit dem erlegten Großgetier auch noch in den sozialen Netzwerken präsentierte. Vielleicht war es ja die Kritik an diesem Lebensstil, die Cavani dazu veranlasste, sich auch von einer anderen, bescheidenen Seite zu zeigen.

Fotos sollen zeigen wie der Multi-Millionär die Fahrt zurück aus seiner Heimatprovinz Salto nach Montevideo mit einem stinknormalen Linienbus antrat. So bodenständig mögen ihn die „Urus“ dann doch lieber. Wohlwissend, dass es für die Superstars Suarez und Cavani, jeweils 31 Jahre alt, die letzte WM auf dem Zenit ihrer Schaffenskraft ist, will Urguay am Ende dieser Ära noch einmal die Fußball-Welt begeistern. Mit schönen Toren und leckerem Mate-Tee gelingt das in der Regel auch eher, als mit dem Abschuss von Wildtieren.

Text: Tobias Käufer

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