Panamazonisches Sozialforum gegen Öl- und Goldrausch am Amazonas

Ob Öl aus dem Amazonas-Mündungsbecken, Lithium aus indigenen Gebieten oder Gold aus dem Regenwald: Der Bergbau erlebt einen Boom. Das Panamazonische Sozialforum in Ecuador debattiert über Konsequenzen und sucht Alternativen. Erwartet wird unter anderem das kirchliche Amazonas-Netzwerk REPAM, das auch vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt wird.

Ein gewundener Fluss schlängelt sich durch dichten, grünen Regenwald, der teilweise von Nebelschwaden und Wolken bedeckt ist, aus der Vogelperspektive betrachtet.

Öl- und Goldrausch bedrohen das wichtige Ökosystem Amazonas und die indigenen Gemeinschaften, die dort leben. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

In Lateinamerika boomt der legale und illegale Bergbau. Grund dafür sind die rasante Nachfrage nach Rohstoffen und durch geopolitische Konflikte ins Wanken geratene Lieferketten. Linke wie rechte Regierungen vergessen ihre Versprechen für den Klimaschutz. Jüngstes Beispiel: Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum entdeckt ihre Liebe zum bis dato verpönten Fracking.

Alleine ist Sheinbaum nicht – im Gegenteil: In Brasilien will der linke Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die geschätzten 41 Milliarden Barrel Öl aus dem Amazonas-Mündungsbecken holen – allen öffentlichen Beteuerungen für den Klimaschutz zum Trotz. Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei hofft auf Milliarden-Investitionen aus dem Ausland, um die Erdöl- und Erdgas-Lagerstätte Vaca Muerta zu einer „Tankstelle“ für die Welt zu machen.

Kriminelle Gruppen kontrollieren Goldbergbau

Bedroht wird das Ökosystem Amazonas allerdings nicht nur durch Öl- und Gas-Großkonzerne. Hinzugekommen sind illegaler Goldbergbau sowie der Anbau von Drogen; beides kontrollieren mafiaähnliche Banden. Die Konsequenzen sind gravierend und lassen sich beispielsweise in Kolumbien sehen: Dort stieg in den vergangenen Jahren die Amazonas-Abholzung, weil bewaffnete Banden immer mehr Macht erlangen. Immerhin ist die Amazonas-Abholzung in Brasilien rückläufig.

Mit dieser Entwicklung befasst sich auch das Panamerikanische Sozialforum Fospa, das vergangenen Sonntag in Puyo und Yasuní in Ecuador begann. Es ging aus dem Weltsozialforum im Jahr 2002 hervor.

Raubbau gefährdet klimatisches Gleichgewicht

Schon vor Beginn weisen die Organisatoren auf die Entwicklung im Amazonasgebiet hin. Dieses nähere sich „einem kritischen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt“. Die Auswirkungen gingen über ökologische Aspekte hinaus und gefährdeten Leben, Identität, Selbstbestimmung sowie das klimatische Gleichgewicht des Planeten.

Im Zentrum der einwöchigen Veranstaltung stehen Debatten über die Rechte der Natur, Alternativen zu auf massiven Raubbau ausgerichteten Wirtschaftsmodellen und die Rolle von indigenen Gemeinschaften als zentrale Akteure beim Schutz Amazoniens. Ebenfalls thematisiert werden die Verteidigung von Menschenrechten, Territorien und Biodiversität. Ziel der teilnehmenden kirchlichen und sozialen Organisationen ist auch eine panamazonische Vernetzung über Ländergrenzen hinweg und die Verabschiedung eines gemeinsamen Aktionsplans.

Treffpunkt für Indigene, Kirche und Aktivisten

Das Panamazonische Sozialforum ist nach eigenen Angaben eine alle zwei Jahre stattfindende, autonome und pluralistische regionale Plattform. Sie bringt indigene Völker, afro-stämmige Völker, lokale Gemeinschaften, soziale Bewegungen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Wissenschaft aus den neun Ländern des Amazonasbeckens zusammen. Das sind Ecuador, Peru, Brasilien, Bolivien, Venezuela, Guyana, Surinam und Französisch-Guayana.

Für die katholische Kirche ist der Schutz des Amazonas inzwischen ein zentraler Bestandteil ihrer Arbeit. Papst Franziskus hat während seines Pontifikats (2013-2025) den Aufbau der entsprechenden strukturellen Rahmenbedingungen unterstützt. Das kirchliche Amazonas-Netzwerk REPAM und die Amazonas-Bischofskonferenz CEAMA sind inzwischen etablierte Ansprechpartner für die sozialen Bewegungen und Umweltschutzgruppen. Sie werden in Ecuador ebenfalls erwartet.

Autor: Tobias Käufer, KNA/ red.